Die Oberliga stimmt klar für eine Mammutspielzeit

Fußball  Die 21 Vereine und der Verband sind für eine klassische Runde mit 40 Saisonspielen. Sie erteilen der Playoff-Idee eine klare Absage. Das Ergebnis kam für einige unerwartet.

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Das wird eine lange Saison für Neckarsulms Mert Öztürk (links) und den aus Sulzfeld im Kraichgau stammenden Mario Bilger, der in seine zehnte Saison beim FC Nöttingen geht.

Foto: Archiv/Veigel,

Das war eine deutliche Sache. Die 21 Oberligavereine haben sich klar für eine reguläre Saison 2020/21 ausgesprochen. 14 Vereine stimmten für diese Variante, zwei enthielten sich. Nur fünf votierten für ein Playoff-/Playdown-Modell mit einer Auf- und Abstiegsrunde nach der Hinrunde, darunter auch die Neckarsulmer-Sport-Union. "Mich hat das klare Ergebnis für den regulären Modus überrascht", sagt Neckarsulms Trainer Marcel Busch. Auch für den Sportlichen Leiter der NSU, Thorsten Damm, kam dieses Abstimmungsergebnis überraschend. "Ich habe damit gerechnet, dass es auf den Playoff-/Playdown-Modus hinausläuft", sagt Damm.

Wie haben sich die Neckarsulmer Verantwortlichen positioniert?

"Unsere Meinung in eine bestimmte Richtung abzugeben, war sehr, sehr schwierig", berichtet Thorsten Damm von intensiven vereinsinternen Beratungen. "Bei uns gab es keine klare Tendenz in die eine oder andere Richtung. Es lief auf ein 51:49 für die Playoff-Variante hinaus." Die große Anzahl von englischen Wochen schreckte doch ab. "Es wird grenzwertig für alle", sagt NSU-Trainer Marcel Busch: "40 Saisonspiele plus Pokal, das ist für Champions-League-Teams normal, für uns als Amateure aber nicht." Busch rechnet mit mehr personellen Wechseln. "Wir werden alle Spieler brauchen", sagt er. Gerade im August und September wird viel auf die richtige Trainingssteuerung und die Eigenverantwortung der Spieler beim Umgang mit den Spielen ankommen.

Was sagt man beim TSV Ilshofen zur Entscheidung?

Dario Caeiro, Abteilungsleiter des TSV Ilshofen, hätte das neu angedachte Modell mit Playoffs und Playdowns bevorzugt. Weil die Belastung für Verein und Spieler dadurch geringer gewesen wäre. "Mir ging es dabei auch ums Ehrenamt", sagt er. "Wir sind alles keine Profis." Und 40 Spieltage bedeuten eben einen immensen Aufwand. "Aber ich habe ja keine Alternative. Die Mehrheit gewinnt. Alles gut", sagt Caeiro.

Wie sehen die Spieler die immense Belastung von 40 Partien?

"Ich kann damit leben und hätte auch für das klassische Spielsystem gestimmt. Mit meinem Teamkollegen Alex Albert habe ich mich über dieses Thema unterhalten, auch er ist für eine Hin- und Rückrunde", sagt NSU-Torhüter Marcel Susser. "Klar, die Belastung ist deutlich höher. Aber mir macht es nichts aus, 40 Punktspiele absolvieren zu müssen. Ich liebe den Wettkampf mehr als das Training. Und was die vielen Englischen Wochen und die eventuell weiten Auswärtsfahrten betrifft: Den einen oder anderen halben Urlaubstag opfere ich da gerne."

Wo sieht man bei der Neckarsulmer Sport-Union die größten Probleme?

"Wir wissen jetzt ja noch nicht, wo es an den Wochentags-Begegnungen hingeht, bei welchem Gegner wir spielen und wie weit wir fahren müssen", gibt es für Thorsten Damm von nun an viele Unwägbarkeiten zu beachten. Doch es sind nicht nur die weiten Fahrten bis zu 280 Kilometer, die an Mittwochabenden drohen. "Bekommen unsere Spieler unter der Woche immer frei? In Steven Neupert haben wir einen Spieler in unseren Reihen, der bei Audi im Schichtbetrieb arbeitet", gibt Damm zu bedenken. "So eine Saison erfordert viel Planung, das betrifft den Lebensstil unserer Spieler, die Physioabteilung ist mehr gefordert. Das Training muss gesteuert und den Belastungen angepasst werden."

Wird bei der NSU über weitere Spieler-Verpflichtungen nachgedacht?

Aufgrund der großen Anzahl von Begegnungen den Kader zu vergrößern, das ist bei den Unterländern keine Option. "Wir haben 20 Feldspieler und sind in der Breite sehr gut aufgestellt. Jeder unserer Jungs hat die Qualität, in der Startelf zu stehen", sieht Thorsten Damm keinen zusätzlichen Handlungsbedarf beim Personal.

Wie sieht der Rahmenterminkalender für die Saison 2020/21 überhaupt aus?

Die längste Oberliga-Spielzeit der Geschichte beginnt am 22. August, der genaue Spielplan dürfte nach dem Staffeltag Ende Juli veröffentlicht werden. Vom Saisonstart an folgen jede Menge Wochen mit Partien unter der Woche. Unter anderem gleich drei Mal im September (2./16. und 30. September). Im August und an den noch freien September-Mittwochterminen "drohen" zudem K.o.-Spiele im Landespokal. In die Winterpause geht es nach dem 20. Spieltag am 12./13. Dezember. Im Jahr 2021 soll es am 27. Februar weitergehen. In der Woche zuvor könnten Nachholspiele angesetzt sein.

Laut Rahmenterminkalender wird an Gründonnerstag und Ostermontag der Ball rollen. In April (ein Mal) und Mai (zwei Mal) gibt es jeweils Mittwochsspieltage. Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag und Fronleichnam? Allesamt Spieltage. Der finale Spieltag soll am 13. Juni steigen, wenn die auf 2021 verschobene Fußball-EM schon läuft. Auf den Oberliga-Zweiten wartet dann noch die Aufstiegsrunde.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik. 

Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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