Die Hoffenheimer Mission lautet: Geschichte schreiben

Fußball  Die TSG Hoffenheim bewegt sich nach dem Hinspiel-3:3 gegen Molde FK zwischen Optimismus und Demut. Der Bundesligist will am Donnerstag (18.55 Uhr/DAZN) im eigenen Stadion den erstmaligen Einzug ins Achtelfinale der Europa League perfekt machen.

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Im Hinspiel verspielte Hoffenheims Chris Richards (links) mit seinen Kollegen eine bessere Ausgangssituation. Die TSG vergab gegen Molde FK eine 3:1-Führung und einen Elfmeter. Heute geht es bei 3:3 weiter − und 0:0 los.

Foto: dpa

In Chris Richards hat die TSG Hoffenheim vor wenigen Wochen auch den berühmten, grenzenlosen, amerikanischen Optimismus in den Kraichgau geholt. Vielleicht liegt es auch daran, dass der 20-Jährige die vergangenen zwei Jahre beim FC Bayern verbracht hat, einem Verein, bei dem nur Titel zählen, Platz zwei der erste Platz für Verlierer ist.

"Möglicherweise", sagt Verteidiger Richards vor dem Europa-League-Rückspiel an diesem Donnerstag (18.55 Uhr/DAZN) gegen Molde FK, "können wir ja die Europa League gewinnen." In Topform sei jedes Team in Europa zu schlagen, dieser Wettbewerb die Chance, Europa zu zeigen, wie gut man sei.

Der Weg zum Finale nach Danzig ist sehr, sehr weit

Mit jenem grenzenlosen Enthusiasmus konfrontiert, muss sein Trainer Sebastian Hoeneß sanft lächeln. "Ich finde es positiv" , sagt der 38-Jährige, für den es Optimismus, aber auch Demut braucht nach dem Hinspiel vor einer Woche. Es geht um den Einzug in die Runde der besten 16 Teams, das Achtelfinale. Der Weg nach Danzig, wo am 26. Mai das Finale des Wettbewerbs steigen soll, er ist sehr, sehr weit. Deshalb geht der Trainer-Blick nicht ganz so weit. Das erste Europapokal-Achtelfinale der Hoffenheimer Geschichte, das hätte was. "Es würde etwas Großes für uns bedeuten", sagt Hoeneß. Für ihn als Trainer, die Spieler, aber auch den Club.

Ein Unentschieden reicht wohl fürs Weiterkommen

Das 3:3 vor einer Woche im Ausweichspielort in Spanien hat Hoffenheim gelehrt, dass sich ein spielerischer Klassenunterschied über weite Strecken eines Spiels nicht unbedingt im Ergebnis widerspiegelt. "Wir wissen jetzt, was passiert, wenn wir den Gegner spielen lassen. Da sind wir gewarnt, dass wir 90, 95 Minuten Gas geben müssen", mahnte Hoeneß seine Mannen, die aus einem sicheren 3:1-Vorsprung noch ein 3:3 werden ließen. Statt mit einem komfortablen Vorsprung geht es in Sinsheim bei 3:3, respektive 0:0, los. Mit einem 0:0, 1:1 oder auch 2:2 steht die TSG im Achtelfinale, die erste Europa-League-Heimniederlage der Saison wäre gleichbedeutend mit dem Aus. Was bedeutet das für die Herangehensweise?

"Ich glaube, dass beide Mannschaften wieder ähnlich agieren", sagt Sebastian Hoeneß. Offensive Hoffenheimer erwarten tiefstehende Gäste. Der 38-Jährige rechnet mit eher abwartenden Norwegern. "Sie haben die Gewissheit, dass sie 90 Minuten Zeit haben, um ein Tor zu erzielen." Heißt für die TSG: "Wir sind gut beraten, selbst Fußball zu spielen", sagt der Fußballlehrer. Also bloß nicht nicht den Gedanken aufkommen lassen, "dass wir mit einem 0:0 weiter sind." Auf ein Null-Null zu spielen, das steckt nicht in der DNS der Hoeneß-Elf. Sie hat das auch erst zwei Mal hinbekommen in den bisherigen 31 Pflichtspielen.

Wer hat denn für die TSG spioniert?

Trainerkollege Erling Moe hat seine Molde-Mannen in den vergangenen Tagen hinter verschlossenen Türen an der Costa Blanca vorbereitet. Bei Molde sei man sauer gewesen, dass die TSG so gut aufs Hinspiel vorbereitet gewesen war, berichten die norwegischen Kollegen und fragen Sebastian Hoeneß nach seiner Spielvorbereitung. "Wir hatten keinen Spion eingeschleust", kontert Hoeneß lächelnd. "Wir haben einfach ganz gute Schlüsse gezogen aus den Vorbereitungsspielen von Molde, die wir gesehen haben."

In die Startelf dürfte der zuletzt gesperrte Kevin Vogt als Abwehrchef zurückkehren. Rotation und Schonung für so manche Stammkraft erlaubt die angespannte Personalsituation nicht. Immer noch fehlt fast eine komplette Elf, daran wird sich auf die Schnelle auch nichts ändern. Immerhin könnte Robert Skov für die Liga-Partie bei Union Berlin am Sonntag (13.30 Uhr/DAZN) wieder eine Option sein.

Pechvogel Dennis Geiger ist ein Kämpfer

Länger fehlen wird hingegen Dennis Geiger, der noch im Dezember beim letzten Gruppenspiel gegen Gent die Kapitänsbinde trug. Der Mann aus Mosbach ist nach seiner Muskel-Sehnen-Verletzung im Oberschenkel bereits operiert worden. "Es geht ihm gut", sagt sein Trainer. Schon einmal hat der 22-jährige Mittelfeldakteur fast ein Jahr seiner Karriere mit solch einer Verletzung versäumt. "Ohne Frage ist das nicht eine Verletzung, bei der man kurz auf die Schulter klopft und sagt: Komm, weiter geht es", sagt Sebastian Hoeneß und wird dann selbst zum Optimisten: "Er wird sich zurück kämpfen, er ist ein Kämpfer auf und neben dem Platz."

 


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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