Die Größe des Kaders ist ein großes Plus des VfB Stuttgart

Fußball  VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo hat viele Möglichkeiten bei den Einwechslungen und viele verschiedene junge Torschützen. Da kann selbst Borussia Dortmund nicht mithalten.

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Quizfrage: Wer von den beiden hat wohl die Ecke geschlagen und wer den Ball ins Tor geköpft? Philipp Klement (links) und Sasa Kalajdzic herzen sich.

Foto: dpa

Die Geisterspiel-Atmosphäre beim vorletzten Heimspiel des VfB Stuttgart im denkwürdigen Corona-Jahr hatte etwas Vorweihnachtliches. Woher nahmen die Schwaben ihre Kraft, um aus einem verdienten 0:2-Rückstand fünf Minuten vor dem Schlusspfiff noch ein verdientes 2:2 zu machen? "Vielleicht war es die Kraft des Glaubens", sagte Pellegrino Matarazzo am Dienstagabend in der Mercedes-Benz-Arena.

Der VfB-Trainer ist nicht für Gefühlsduselei bekannt, der studierte Mathematiker ist ein Mann der Zahlen. Oder sind nach dem 2:2 gegen den 1. FC Union Berlin beim 43-Jährigen seine italienischen Wurzeln durchgekommen, die ein vorweihnachtliches Fußball-Wunder andeuteten? Nein. Es war der Glaube an sich selber, "weil wir schon erlebt haben, dass wir zurückkommen können". Die junge Elf des Aufsteigers ist am zwölften Spieltag der Bundesliga auf beeindruckende Art und Weise zurückgekommen.

Das Tor zum 2:2 erzeugt Gesprächsbedarf

Es war ein rassiges Fußballspiel. Dem die eingewechselten Spieler den Stempel aufdrückten. "Auch die haben uns geholfen", nickte Pellegrino Matarazzo. In der Pause hatte er Tanguy Coulibaly und Daniel Didavi gebracht - und somit die Spielkontrolle gewonnen. In 80. Minute wechselte der Trainer Philipp Klement und Sasa Kalajdzic ein. Fünf Minuten später traf der österreichische Nationalspieler nach einem Klement-Eckstoß per Kopf zum 1:2, fünf weiter Minuten später mit einem Klassetreffer zum 2:2. "Ich habe immer daran geglaubt, dass wir noch den Ausgleich schaffen können, weil die Mannschaft die Qualität dazu hat", sagte der 23-Jährige mit der Nummer neun. Das 2:2 erzeugte Gesprächsbedarf.

Denn Schiedsrichter Sascha Stegemann verweigerte zunächst die Anerkennung, weil er auf Handspiel entschied - ein Irrtum: Kalajdzic hatte den Ball nach Didavi-Flanke mit der Brust gestoppt und per Dropkick versenkt. Videoassistent Benjamin Brand benötigte dennoch drei Minuten, ehe alle Zweifel ausgeräumt waren. "Erst sagt Stegemann, dass es wegen Handspiels gecheckt wird. Dann sagt er, dass es eh keine Hand war und dass etwas anderes gecheckt wird", so der Doppeltorschütze. "Es war regulär, aber ein bisschen gezittert habe ich schon." Es sind gerade Zitterzeiten für den Zwei-Meter-Mann, der nie weiß: spielt er, wenn ja wie lange?

Matarazzo: Sasa hat zuletzt leiden müssen

"Sasa hat in den letzten Wochen ein bisschen leiden müssen, weil er nicht so oft auf dem Platz stand", erklärte Pellegrino Matarazzo seine besondere Freude über die beiden Tore. "Heute hat er auch bewiesen, warum er bei uns ist und welche Qualität er hat." Hätte Matarazzo dann Kalajdzic nicht früher einwechseln können, ja müssen? "Wenn ich ihn fünf Minuten früher gebracht hätte, hätte er vielleicht drei Tore gemacht", orakelte der VfB-Coach und lachte. Hinterher sei man eben immer klüger. Ja, das gilt auch für die Zweifler und Bruddler.

Die Größe des Kaders ist ein großes Plus des VfB Stuttgart

"Ich freue mich, dass wir aktuell mehrere Spieler haben, die Tore schießen können", merkte Matarazzo noch an. "Unter anderem, weil uns das am Anfang der Saison keiner zugetraut hat." Seine jungen Stürmer treffen: Kalajdzic, Silas Wamangituka, Nicolas Gonzalez und Tanguy Coulibaly bringen es zusammen auf 18 Tore - bei einen Altersschnitt von etwa 21 Jahren. Zum Vergleich: Von den vielgepriesenen Jungspunden der Dortmunder Borussia haben in der Liga bisher nur Erling Haaland (20 Jahre/10 Tore) und Gio Reyna (18/3) getroffen.

33-Mann-Kader als Segen und Fluch

Apropos Vergleich: Der Kader des VfB Stuttgart ist mit nominell 33 Mann vergleichsweise sehr groß. Steht dennoch der eine oder andere Name auf dem vorweihnachtlichen Wunschzettel? "Aktuell bin ich sehr zufrieden mit dem Team, der Kaderstärke und der Entwicklung der Mannschaft", sagte Pellegrino Matarazzo vor einer Woche - und merkte an, dass es extrem schwierig sei, alle bei Laune zu halten, wenn man 30 Mann im Training habe und nur elf davon am Spieltag beginnen können. Dennoch sei man in der Vorrunde mit der Größe des Kaders sehr gut gefahren - es gab viele Verletzte. Die Größe des Kaders ist also ein großes Plus. Oder wie es Pellegrino Matarazzo an einem gar nicht so vorweihnachtlichen Abend sagte: "Es ist gut, wenn man Optionen von der Bank bringen kann."

 

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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