Die Devise des VfB Stuttgart lautet: hungrig bleiben

Fußball  Bislang ist es für den Bundesliga-Aufsteiger prima gelaufen. Auch in Wolfsburg wollen die Schwaben am Sonntag nicht nachlassen.

Email

Mit Vollgas zu weiteren Bundesliga-Punkten? VfB-Flügelflitzer Silas Wamangituka überspringt hier Niko Gießelmann von Union Berlin.

Foto: dpa

Nein, über Weihnachten will Pellegrino Matarazzo jetzt nicht reden. Nicht nach der ersten Frage und nicht nach der zweiten. Das liegt eindeutig nicht daran, dass er vergessen hat, seinen Wunschzettel rechtzeitig an den Weihnachtsmann zu übermitteln, der Trainer des VfB Stuttgart nimmt vielmehr seinen Job sehr ernst. "Wir haben noch zwei Spiele vor uns."

An diesem Sonntag (18 Uhr/Sky) geht es beim VfL Wolfsburg um Bundesliga-Punkte, am Tag vor Heiligabend ist der VfB im DFB-Pokal gefordert, spätabends ab 20.45 Uhr. Im schwäbisch-badischen Duell mit dem SC Freiburg geht es ums Weiterkommen und ums Prestige. Erst danach kann Weihnachtsstimmung aufkommen.

Weihnachtsferien? Das ist (noch) nicht das Thema

Schon jetzt über die diesmal ganz kurze Pause an den Feiertagen zu reden, das widerstrebt Pellegrino Matarazzo. "Die Spieler sollen auch in der Zeitung nichts über ihre Weihnachtsferien lesen, sondern die sollen jetzt mal den Fokus aufs Spiel am Sonntag legen." Immerhin eines verrät der Trainer dann aber: Man werde den VfB-Profis "nicht verbieten, zu ihren Familien zu reisen". Wegen des Corona-Infektionsrisikos geht es mancherorts in der Bundesliga ziemlich restriktiv zu.

Die Stuttgarter Aufsteiger-Mannschaft hat durch das spät erzwungene 2:2 gegen Union Berlin nach einem 0:2-Rückstand nicht ihren Flow verloren. "Wir gehen es weiterhin mutig und selbstbewusst an", sagt der Trainer. Das dürfte allerdings auch für den Gegner gelten. Der VfL Wolfsburg hat in dieser Bundesliga-Saison erst ein Spiel verloren, am vergangenen Mittwoch, knapp mit 1:2 beim Rekordmeister FC Bayern München. Matarazzo lobt die Elf des Kollegen Oliver Glasner. "Das ist eine sehr gute Mannschaft." Als "laufstark und robust" beschreibt der VfB-Trainer den VfL. Für sein Team sei es "eine große Herausforderung".

Noch keine Auswärtspartie verloren

Aber wer in Dortmund mit 5:1 gewonnen hat, wer in dieser Spielzeit noch keine Auswärtspartie verloren hat, muss sich nicht fürchten. Und Übermut sollte auch kein Problem sein. Pellegrino Matarazzo bemüht sich, aufmerksam zu sein für ungute Stimmungsumschwünge bei seinen Profis. "Wenn ich das Gefühl habe, da könnte irgendwas entstehen, versuche ich, es im Keim zu ersticken."

Bei den Fans ist teilweise Euphorie zu spüren. Der VfB Stuttgart steht im ersten Tabellendrittel, hat die Abstiegszone mit den Schlusslichtern Mainz und Schalke weit hinter sich gelassen. Aber der Trainer will das nicht an sich heranlassen.

Matarazzo sieht immer Raum für Optimierung

Er versuche, "so wenig wie möglich auf die Tabelle zu schauen". Pellegrino Matarazzo neigt sehr der Vorsicht zu: "Ich glaube, dass ich grundsätzlich ein sehr kritischer Geist bin, ich sehe immer Raum für Optimierung."

Es soll kein Gefühl der verfrühten Zufriedenheit aufkommen. Der Trainer will, "dass wir weiter hungrig bleiben". Nur dies könne die Basis sein, um den angestrebten Klassenerhalt möglichst früh perfekt zu machen. "Der Fußball ist extrem schnelllebig." Und Matarazzo weiß aus der holprigen Erfahrung in der 2. Liga heraus: "Ich schließe nicht aus, dass es vielleicht eine Phase gibt, wo es nicht so gut läuft."

Kalajdzic sei eine Option für die Startelf

Also: Immer schön demütig bleiben, nicht vorzeitig in Weihnachtslaune verfallen - und weiterhin darauf vertrauen, dass der große Stuttgarter Kader immer noch einen Top-Joker hergibt, wenn es holprig ist. Zuletzt beim 2:2 gegen Union Berlin war der spät eingewechselte Sasa Kalajdzic der Mann, der die Wende brachte mit seinen zwei Toren. Der Zwei-Meter-Riese ist jetzt eine "Option für die Startelf". Aber Matarazzo hat viele Optionen mit ganz unterschiedlichen Qualitäten und sich noch nicht entschieden.

Beim VfL Wolfsburg hat der 43-Jährige durchaus Schwächen ausgemacht. Aber auch darüber möchte er lieber nicht reden. "Denn das heißt meistens, den Matchplan zu verraten."

Die Punkte, die es zu holen gibt, muss sich der VfB hart erarbeiten. Vom Weihnachtsmann werden ganz sicher keine Bundesliga-Bonuszähler unter den Baum gelegt.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

Kommentar hinzufügen