Die besten VfB-Torschützen fehlen nun in Bielefeld gesperrt

Die Stuttgart-Stürmer Silas Wamangituka und Nicolas Gonzalez müssen in Bielefeld wegen ihrer fünften Gelben Karten zuschauen. Beim Heimspiel gegen Gladbach war deutliche Fan-Kritik an Präsidentschafts-Kandidat Thomas Hitzlsperger zu lesen.

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Blickte man über den neu verlegten Rasen des Stuttgarter Stadions hinweg auf die Cannstatter Kurve, sah man die Anklageschrift der VfB-Ultras.

Foto: dpa

Nicolas Gonzalez ist noch ein junger Kerl, erst 22 Jahre alt. Aber der Argentinier hat als Fußballer in Deutschland schon viel erlebt, Schlechtes (VfB-Abstieg 2019 als Abseitstor-Buhmann in Berlin) und Gutes (Bundesliga-Wiederaufstieg 2020 als Toptorjäger), Frust und Freude. Jetzt hat er sich ein weiteres Mal ins Stuttgarter Fußballgeschichtsbuch eingetragen. Sein Treffer zum 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach war das insgesamt 3000. Tor in der Bundesligahistorie des VfB.

Sosa foult erst unnötig, dann flankt er überragend

Sowas geht nur, wenn man das Trikot eines Traditionsvereins trägt. Mit jedem Treffer wird der Stürmer interessanter für die finanzstarken europäischen Großclubs. Es war sein sechstes Tor in der laufenden Bundesliga-Saison. "Ich spüre viel Vertrauen", sagte der einst ausdrücklich wechselwillige Nicolas Gonzalez über die Situation in Stuttgart. Absolut sehenswert war sein Flugkopfball zum 1:1. Er hatte das Tor im Mittelfeld selbst vorbereitet, die Flanke von Borna Sosa verwandelte der Argentinier dann in Klassemanier. Gladbachs Christoph Kramer hatte aber auch Lob für Sosas Vorlage parat: "Der Ball ist überragend."

Auch der zweite Toptorjäger des VfB war erfolgreich. Silas Wamangituka erzielte per Elfmeter sein neuntes Tor in dieser Bundesliga-Saison. Und doch wurde es wieder nichts mit dem ersten Heimsieg. Auch im achten Versuch nicht. Fünf Unentschieden und drei Niederlagen lautet die Hinrundenbilanz des Aufsteigers im eigenen Stadion.

Die VfB-Zahlen stimmen gegen Gladbach

Den Trainer stört das nicht übermäßig. "Nein", sagte Pellegrino Matarazzo. "Ich mache mir weniger Gedanken darum." Besorgt wäre er nur, wenn die Leistungen nicht stimmen würden. Aber so ist es nicht. Diesmal waren es 19:8 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. VfB-Sportdirektor Sven Mislintat haderte ein bisschen. "Wir gewinnen alle Statistiken." Aber eben nicht das Spiel. Dabei habe man "ein astreines Spiel gemacht".

Der Tabellenzehnte steht mit 22 Punkten aus 16 Spielen richtig gut da. Allein der Klassenerhalt ist schließlich das Ziel. VfB-Torwart Gregor Kobel findet, das Stuttgarter Team sei "eine geile Truppe, wir geben Gas".

Am Mittwoch (20.30 Uhr/Sky) wird es bei Arminia Bielefeld aber ohne die beiden erfolgreichsten Stürmer gehen müssen. Wamangituka und Gonzalez sahen auf dem neu verlegten Rasen der Mercedes-Benz-Arena jeweils ihre fünften Gelben Karten und sind deshalb gesperrt. Doch "das können wir kompensieren", sagte Mislintat. Der Stuttgarter Startelf-Sturm in Ostwestfalen dürfte von den diesmal eingewechselten Sasa Kalajdzic und Tanguy Coulibaly gebildet werden. "Der Trainer kann immer richtig Qualität von der Bank bringen", betonte der Sportdirektor.

Thomas Hitzlsperger, der Sonnenkönig 2.0?

In der zweiten Halbzeit, als der VfB deutlich besser war als die Mönchengladbacher Champions-League-Mannschaft, stürmten die Weiß-Roten auf ein unübersehbares Großplakat hinter dem Tor der Borussia zu. Darauf stand: "Sonnenkönig 2.0 - habt ihr einen Schatten?"

Die wegen der Coronavirus-Pandemie weiter ausgesperrten VfB-Fans hatten angesichts des eskalierten Machtkampfs der Bosse klar Stellung bezogen. Den Ultras vom "Commando Cannstatt" passt es gar nicht, dass AG-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger den Vereinspräsidenten Claus Vogt frontal attackiert hat und künftig in doppelter Chefposition agieren möchte.

Als Sonnenkönig.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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