Die allerletzte Arbeitswoche für Mario Gomez beim VfB

Fußball  Mario Gomez, der am 10. Juli 35 Jahre alt wird, schaut auf eine lange Laufbahn beim VfB zurück: Der Stürmerstar hat für die Stuttgarter in 229 Pflichtspielen 109 Tore geschossen. Am Sonntag wird er offiziell verabschiedet, wegen der aktuellen Corona-Krise aber nicht vor Zuschauern.

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Geteilte Freude: Mario Gomez (rechts) jubelt mit Trainer Pellegrino Matarazzo in Nürnberg.

Foto: imago images/Zink

Mario Gomez ist noch immer ein schneller Angreifer. Mit wilden "Jaaaaa!"-Schreien und Jubelgesten stürmte der 34-Jährige die Zuschauerränge des Max-Morlock-Stadions in Nürnberg hinunter, rannte immer wieder hüpfend Richtung Trainerbank, wo er einer schwarzen Tasche einen Tritt verpasste und dem nächstbesten Mitspieler um den Hals fiel. Als hätte der Stoßstürmer zum zweiten Mal die Champions League gewonnen.

Gomez ragt nach wie vor heraus 

Na ja, so ähnlich: Der VfB Stuttgart, in dessen Jugend der Unlinger als knapp 16-Jähriger wechselte, hat am Sonntagnachmittag nach zuvor 32 höchst wechselhaften Spieltagen auf spektakuläre und wundersame Weise (fast) den Sprung zurück in die Bundesliga geschafft. Mit dem Fußballer des Jahres 2007 und Bundesligatorschützenkönig von 2010/11 - als Ergänzungsspieler. Der bei seinem Herzensclub in die allerletzte Arbeitswoche geht.

Mario Gomez ragt nach wie vor heraus. Aufgrund seiner 1,89 Meter Körpergröße. Aufgrund seiner Erfahrung von 170 Toren in 328 Bundesligaspielen. Aufgrund seines Oberteils: Während sich beim Gastspiel des VfB gegen den 1. FC Nürnberg alle Auswechselspieler mit ihren roten Aufwärmshirts auf die Haupttribünenplätze setzen, trägt Gomez sein weißes Trikot mit der Nummer 27 unter dem gelben Leibchen. Weil er weiß, dass er nicht zum Einsatz kommen wird?

Unglaubliche elf Tore hat der VfB in den vergangenen beiden Zweitligaspielen geschossen - Gomez war lediglich beim Aufwärmen beteiligt: in Nürnberg als auch am Mittwoch zuvor gegen den SV Sandhausen beim Torschuss im zentraler Stürmerposition, als Zuspieler. Der einen erfolgreichen Abschluss eines seiner Kollegen beziehungsweise Konkurrenten beklatscht. Seine Körpersprache könnte man mit dem Wort gelangweilt umschreiben. Oder mit extrem routiniert. In bisher 22 Ligapartien (nur in fünf spielte er durch), schoss er sechs Tore. Am Dienstag in einer Woche läuft sein Vertrag aus. Und dann? Offiziell hat sich Mario Gomez noch nicht zu seiner Zukunft geäußert.

"Auch in der Kabine wichtig"

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo betonte nach dem 6:0 gegen den Club, dass alle, wirklich alle das Team nach vorne gepeitscht hätten. Mario Gomez war der lebende Beweis dafür, beklatsche beispielsweise ausgiebig das 3:0 von Sasa Kalajdzic.

Es war das erste Tor für den VfB des lange verletzten 22-jährigen Österreichers. Sportdirektor Sven Mislintat sagte im Laufe der komplizierten Saison immer wieder: "Mario ist auch in der Kabine ein ganz wichtiger Faktor." Gomez sei auch ganz wichtig für Nicolás González, so Mislintat, der 22-jährige Argentinier ist mit 14 Ligatreffern bester VfB-Torjäger. So ähnlich war einst das Verhältnis von Kevin Kuranyi mit Mario Gomez.

Zuletzt im Derby gegen den KSC eingewechselt

Der 18-jährige Mario hat mit dem bald 35-jährigen Gomez noch immer sehr viel gemeinsam. Nach seinem allerersten Profieinsatz für den VfB, am 9. März 2004 beim 0:0 im Achtelfinale der Champions League beim FC Chelsea, trug der Youngster mannschaftsdienlich eine große Alukiste.

Eine Weltkarriere später, mit 78 Länderspielen (31 Tore) und Engagements unter anderem beim FC Bayern, AC Florenz und Besiktas Istanbul, ist er noch immer mannschaftsdienlich, bescheiden. Auch wenn er nicht spielt.

109 Tore für Stuttgart 

Die Einwechslung gegen den Karlsruher SC war Gomez" 229. Punktspiel für den VfB, 109 Tore schoss er für Stuttgart. Was ihm für die Startelf fehlt? "Es geht nicht darum, was Mario fehlt", sagte Pellegrino Matarazzo am Freitag. "Wenn er nicht spielt, ist es keine Entscheidung gegen ihn, sondern für einen anderen."

Wie Gomez am Sonntag verabschiedet wird? "Es ist schade, dass so jemand wie er, mit so einer Karriere, nicht vor Zuschauern gehen kann", sagte Sven Mislintat am Montag. Man bespreche sich die Tage in Ruhe. "Damit es das bestmögliche letzte Spiel für Mario wird."

 


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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