Der VfR-Präsident, der nur 29 Tage im Amt war

Fußball  Vor 40 Jahren wurde Rainer Röhr an die Spitze des bekanntesten Vereins der Stadt gewählt - und kurz darauf abgesetzt. Zwei Jahre später trat der Student bei der Wahl zum Heilbronner Oberbürgermeister an, danach verliert sich seine Spur.

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Das Frankenstadion wurde erst nach Röhrs kurzer Amtszeit gebaut und eröffnet. Vorher befand sich das Städtische Stadion an dieser Stelle. Foto: Archiv/Krüger

Mitte Februar 1981 - vor genau 40 Jahren - wurde Rainer Röhr zum Vorsitzenden des VfR Heilbronn gewählt – nach nur 13 Tagen im Amt wurde er vom Ehrenrat des Vereins bereits wieder suspendiert. In der an Skandalen nicht armen Historie des bekanntesten Heilbronner Sportvereins ist diese Episode des 29-Tage-Präsidenten besonders bizarr. 

Rainer Röhr wurde am 13. August 1946 in Lübeck geboren, wuchs in Westerburg im Westerwald auf. Ende 1987 kam der Theologie- und Geschichtsstudent nach Heilbronn. Seine Frau Helga, die er während des Studiums in Bonn kennengelernt hatte, arbeitete als Unterrichtsschwester an der Heilbronner Kinderkrankenpflegeschule.

Ausschluss wegen vereinsschädigendem Verhaltens

An seinem neuen Wohnort engagierte sich Röhr vielfältig, war Vorstandsmitglied im FDP-Kreisverband, stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Liberalen und gehörte dem Kreisvorstand des Bundes der Vertriebenen an. 

Rainer Röhr. Foto: Archiv/Eisenmenger

Am 1. Januar 1981 trat er dem VfR Heilbronn bei – 43 Tage später war er nach einer turbulenten Hauptversammlung bereits dessen Vorsitzender. Wiederum nur zwölf Tage danach beantragte das VfR-Präsidium den Vereinsausschluss seines Vorsitzenden und der Ehrenrat suspendierte Röhr wegen vereinsschädigenden Verhaltens. Es begann eine zweiwöchige öffentliche Schlammschlacht, ehe Röhr den Rückzug antrat. Offiziell war er 29 Tage im Amt. 

Gut zwei Jahre später kandidierte Röhr dann als Oberbürgermeister-Kandidat in Heilbronn. Wie erwartet war er mit 23 Stimmen bei der Wahl am 11. September 1983 chancenlos, klagte im Anschluss aber monatelang gegen die Anerkennung des Wahlergebnisses. Bereits im Herbst 1983 begab sich Röhr freiwillig zur Behandlung ins Psychiatrische Krankenhaus in Weinsberg. 

Danach verliert sich seine Spur. 

Nehmen Sie gerne mit der Stimme-Sportredaktion Kontakt auf, falls Ihnen bekannt ist, wie es Rainer Röhr ergangen ist. Gerne per Mail an stephan.sonntag@stimme.de oder telefonisch unter 0162/7415889. 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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