Der VfB Stuttgart und das liebe Geld: Hitzlsperger spricht Klartext

Fußball  Stuttgarts Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger nimmt Stellung zu heiklen Finanzthemen. Dabei würde der Vorstandsvorsitzende viel lieber über positive Dinge beim Erstliga-Rückkehrer VfB Stuttgart sprechen.

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Thomas Hitzlsperger sprach gestern bei einer Video-Pressekonferenz ausführlich über das Krisenmanagement beim VfB Stuttgart.

Foto: dpa

Thomas Hitzlsperger würde so gerne über den Doppel-Aufstieg der beiden Profi-Mannschaften des VfB Stuttgart sprechen. Den Neu-Erst- und Viertligisten, den genehmigten Stadionumbau für die EM 2024. Positive Dinge. Stattdessen geht es in der 75-minütigen Videokonferenz mit dem Vorstandsvorsitzenden des VfB Stuttgart am Mittwochnachmittag um viele kritische Themen.

Den beantragten Kredit bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Kurzarbeit, Gehaltsverzicht. "Ich weiß ja, dass das eure Aufgabe ist", sagt der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart und wünscht sich, dass man in den negativen Dingen "nicht permanent rumbohrt. Wir werden so oft damit konfrontiert, was alles schlecht ist", hadert der 38-Jährige. Thomas Hitzlsperger sprach unter anderem über:

  • den beantragten KfW-Kredit, wohl in Höhe von zehn bis 15 Millionen Euro:
    "Das Geld ist nicht ausschließlich für die Lizenzspielerabteilung, sondern für alle, die hier angestellt sind. Es geht um einen Kredit, der zurückbezahlt werden muss und wir warten noch auf eine Antwort. Die gestundeten Gehälter der VfB-Mitarbeiter wurden bereits zurückgezahlt, früher als es angedacht war. Da waren die Mitarbeiter besser gestellt als die Profis."
  • einen erneuten Gehaltsverzicht der VfB-Profis:
    "Diese Option haben wir immer auf dem Tisch, die Spieler wissen, dass das wieder Thema sein kann. Nur in welcher Größe, das ist eine Frage, die wir uns auch stellen."

  • den VfB-Weg durch die Krise:
    "Die populistischste Entscheidung wäre gewesen, die Mannschaft verzichtet in großem Maße auf Geld. Wir haben einen anderen Weg gewählt. Wir haben unser Transferbudget total heruntergefahren. Wir haben eine zweistellige Millionensumme weniger für Transfers zur Verfügung als vorgesehen und setzen auf junge, günstigere Spieler. Wir geben viel weniger aus als geplant war, die Kosten der Lizenzmannschaft wurden deutlich reduziert, etwa um zehn Prozent verglichen mit den alten Planungen. Wenn ich nur bedenke, wie das Budget beim Aufstieg 2017 im Vergleich zu jetzt aussah. Ich erwarte nicht, dass unser aktueller Etat noch steigt, sondern eher noch weiter sinkt. Aber wir können das nicht in dem Maß machen, dass wir nicht mehr konkurrenzfähig ist. Wir sind nicht mehr der Club, der Superstars anlockt, sondern liegen auf Platz 16 der TV-Geldtabelle. Man geht nicht in die Bundesliga rein und hat den Anspruch, wir gehören in die erste Tabellenhälfte."

  • den möglichen Verkauf von Leistungsträgern wie Nicolas Gonzalez:
    "Wir können nur investieren, wenn wir Geld einnehmen. Wenn man Qualität abgibt, dann muss man sie auch adäquat ersetzen. Wir brauchen auch jemand, der Tore schießt. Wir sind vorbereitet auf den Moment, wenn wir einen Spieler abgeben, der Geld einbringt. Wenn wir uns entschließen Nicolas Gonzalez abzugeben, dann muss es schon sehr teuer sein."
  • fehlende Zuschauereinnahmen:
    "Wenn man ein großes Stadion mit hoher Auslastung hat, dann ist man schon stark betroffen. Natürlich entgeht uns ein siebenstelliger Betrag pro Heimspiel ohne Zuschauer. Bei weniger als 10.000 Zuschauern wird es schwierig, Profit zu machen. Klar ist aber auch, wenn es soweit ist: Jeden Zuschauer, den wir reinlassen können, den wollen wir auch reinlassen. Es ist unsere Pflicht, den Fans etwas anzubieten. Am Ende werden aber nicht alle glücklich sein können."

  • die mangelnde Euphorie rund um den Club im Vergleich zum Aufstieg 2017:
    "Ich vermag nicht vorherzusagen, ob das ein Vorteil ist. Vor drei Jahren war das Stadion voll, wir waren sehr heimstark, es war viel Euphorie dabei. Jetzt spielen wir in einem leeren Stadion. Wir halten den Ball flach und wollen die Klasse erhalten."

  • das Abenteuer Bundesliga mit einer sehr jungen Mannschaft:
    "Erfahrung ist per se nicht mit Qualität gleichzusetzen. Pellegrino Matarazzo hatte auch keine Zweitligaerfahrung und ist aufgestiegen. Man hat auch mit wenig Erfahrung die Möglichkeit, Lösungen zu finden."

Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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