Der Hüter des Heeres geht mit allen Ehren

Fußball  Herwig Werschak gibt den Kreisvorsitz nach 26 Jahren ab und wird beim Kreistag gleich zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Für ihn schließt sich in Sinsheim ein Kreis.

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Nachdenklich: Herwig Werschak (rechts) hat den Kreisvorsitz nach 26 Jahren an Nachfolger Johannes Schinko abgegeben.

Foto: Klaus Krüger

Nein, schlecht würde es ihm nicht gehen, wieso sollte es auch, fragte Herwig Werschak am Montagabend in kleiner Runde in der Dr-Sieber-Halle in Sinsheim. Ein wenig wirkte es, als würde der 72-Jährige sich selber prüfen, wusste er so kurz nach dem Schlussakkord vielleicht noch nicht, wie es ihm denn gehen sollte. Nach 26 Jahren als Kreisvorsitzender war am Montag die Ära Werschak offiziell zu Ende gegangen. Der Hüter des Heeres, so die Bedeutung seines altdeutschen Namens, wurde mit allen Ehren in den Ruhestand verabschiedet.

"Es ist ein komisches Gefühl", gestand Werschak am Ende doch. Eine festgelegte Altersgrenze hatte eine Wiederwahl von vorneherein unmöglich gemacht. Werschak hatte genug Zeit, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Als es aber konkret war, war die Wehmut doch spürbar. Die Altersgrenze fände er nicht schlecht, meinte Werschak, schließlich würde ihm manches schwerer fallen als noch vor zehn oder 15 Jahren. "Aber ich hätte schon noch gekonnt", sagte der 72-Jährige, der als Kreisvorsitzender manchen Wandel miterlebt hat.

Werschak steht weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung

Ganz weg wird Herwig Werschak auch noch nicht sein: Als Ehrenvorsitzender, zu dem ihm sein Nachfolger und die Vertreter der Vereine am Montag machten - er ist nach Werner Fitterer erst der zweite im Fußballkreis Sinsheim überhaupt -, hat Werschak noch Sitz und Stimme im Kreisvorstand. "Ich werde weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen und unterstützen, wo ich gebraucht werde", sagte er. Und noch ist er im Verbandsvorstand vertreten. "Mich bist du jedenfalls noch nicht los, für mich ist das heute keine Abschied", frohlockte der Präsident des Badischen Fußballverbands, Ronny Zimmermann, der samt Präsidium am Montag zu Ehren Werschaks nach Sinsheim gekommen war.

Für den 72-jährigen Werschak ist es auch eine Art Abschied auf Raten, wobei sich mit der ersten Rate am Montagabend in Sinsheim ein Kreis schloss. Der SV Sinsheim ist sein Heimatverein, hier hat er als Bub einst das Kicken gelernt und später im Vereinsheim seine Frau kennengelernt. Auch führte ihn sein Schulweg an der Stadthalle vorbei. "Wenn ich mich schon verabschiede, dann hier", sagte Werschak nach dem Kreistag.

Geschenke wurden coronabedingt keine überreicht

Coronabedingt fiel der Rahmen jedoch weitaus distanzierter aus als es sich die Gratulanten für ihn gewünscht hatten. Geschenke wurden keine überreicht, sofern es sie gab, wurden sie nur abgestellt oder fernmündlich überbracht. Eine Flasche Wein hier, ein Essen mit Sinsheims Oberbürgermeister Jörg Albrecht da. Einzig den standesgemäßen Blumenstrauß für seines Frau gab es nicht. Herwig Werschak nahm es locker. "Ich gehe mal mit ihr essen", versprach Werschak, der seit Anfang der 80er Jahre ehrenamtlich tätig ist, ehe er 1994 den Kreisvorsitz übernahm. 26 Jahre im Amt: Das kann sich sein Nachfolger nicht vorstellen.

"Dann wäre ich 84", sagte Johannes Schinko. Wäre es nach dem bisherigen Stellvertreter Werschaks gegangen, hätte sich zumindest für ihn gar nichts ändern müssen. "Der Job, den ich bisher hatte, hätte mir völlig gereicht", sagte der Kreisspielleiter a.D. Ob er seine einstimmige Wahl annehme, beantwortete Schinko mit den Worten "Ja, es bleibt ja nichts anderes übrig."

Wahlleiter Dr. Andreas Pitz, Vorsitzender des Verbandsgerichts, konterte mit Humor. "Ich hoffe, du hast das nicht auch bei deiner Hochzeit so gesagt." Die erste Amtshandlung von Schinko war, Werschak ob seiner Verdienste für den Ehrenvorsitz vorzuschlagen. Der wäre ja auch für mehr gut, fand Sportkreis-Vorsitzender Willi Ernst: "Mit deinem Alter wärst Du in den USA der jüngste Präsidentschaftskandidat."

Neue Struktur

Vorbehaltlich der Zustimmung beim Verbandstag im Oktober erhält auch der Fußballkreis Sinsheim eine neue Führungsstruktur: Hinter dem neuen Vorsitzenden Johannes Schinko wird es künftig gleich vier Stellvertreter geben. Arno Kuch (Stellvertreter Finanzen) und Werner Bauer (Öffentlichkeitsarbeit) würden dem Vorstand erhalten bleiben, sie wurden am Montag in ihren Ämtern bestätigt. Hinzu kommen mit Steven Höhn (Spielbetrieb) und Benjamin Rudolf (Entwicklung) zwei neue Gesichter, die der Vorstand unter Werschak für eine Mitarbeit im Kreisvorstand gewinnen konnte.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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