Der erste Kick fühlt sich ungewohnt an

Fußball  Im ersten Testspiel des Sommers gegen den FC Astoria Walldorf II verkauft sich der VfB Eppingen trotz ener 0:1-Niederlage überwiegend sehr gut. Dabei steht der offizielle Trainingsauftakt an diesem Samstag erst noch aus.

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Ungewohntes Spielgerät: Eppingens Jan-Hendrik Hoyer (links) macht große Augen, hat die Situation aber im Griff. Überhaupt machte der Landesligist gegen den Oberligisten in seinem ersten Testspiel überwiegend eine gute Figur.

Foto: Klaus Krüger

Ja, der Ball rollt wieder. Und doch ist der Amateurfußball von der Normalität noch meilenweit entfernt. Die ersten Schritte zurück nach mehr als viereinhalb Monaten fühlen sich für die Protagonisten noch merkwürdig an. Das haben auch die Spieler und Verantwortlichen des VfB Eppingen eingestanden: Der Verbandsligist bestritt am Dienstagabend gegen den FC Astoria Walldorf II sein erstes Testspiel der Vorbereitung. Die aber hatte noch gar nicht begonnen. Offizieller Trainingsauftakt des VfB ist erst an diesem Samstag.

"Ungewohnt", fand auch Trainer David Pfeiffer die Reihenfolge, überhaupt habe sich alles unter dem Eindruck von Corona, Abstandsregeln und Hygienekonzept "gedämpft" angefühlt. Dabei waren doch immerhin über 50 Zuschauer ins Stadion in der Waldstraße gekommen. "Bei Testspielen sind es sonst nie so viele", gewann Alexander Rudenko diesem Zuspruch schnell Gutes ab. Der sportliche Wert der Partie, die Oberliga-Aufsteiger Walldorf mit 1:0 gewann, war für den VfB unter diesen Umständen gering. Aber das war allen von vorneherein klar.

Rudenko brachte den Wert des Tests am besten auf den Punkt: "Es ging um den Spaß. Einfach mal wieder kicken." Spaß hatten die Spieler des VfB ganz offensichtlich. Von einem zu erwarteten Klassenunterschied war in den 90 Minuten zu keinem Zeitpunkt etwas zu sehen. Die physischen Einheiten, die die Spieler in der langen Pause durchgezogen hatten, halfen, auch ohne taktisches Training oder gar Konzept ins bewährte System zu finden. Eppingen lief den Gegner gut an, setzte den Ballführenden unter Druck, wollte immer den Ball haben. Die Handschrift Pfeiffers: Sie braucht nach Jahren der Zusammenarbeit keine Trainingseinheiten, um erkennbar zu sein. "Das war ein guter Testspielgegner für uns", meinte Walldorfs Trainer Andreas Kocher, der mit seinem Team seit zwei Wochen in der Vorbereitung steckt.

Der 45-Jährige war mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden, auch wenn es in den Abläufen noch deutlich haperte. "Wir waren fast fünf Monate nicht auf dem Platz, da muss man viele Dinge, die sonst selbstverständlich sind, erst wieder reinbringen." Den Walldorfer Treffer zum 1:0 (58.) brockte sich die Defensive des VfB Eppingen selbst ein, was Pfeiffer dann doch auf den Plan rief. Er war zwar ohne jede Erwartung in das Testspiel gegangen, unnötige Gegentore jedoch ärgern ihn trotz der Umstände.

Das billige Gegentor ärgert den Trainer

Für den Moment herrschte dann doch ein Stück weit Normalität. "Das war ganz billig", schimpfte Pfeiffer, der diese Worte schon oft nach Gegentoren seines Teams hatte benutzen müssen. "Wir haben genügend Leute hinter dem Ball - und spielen unnötig auf Abseits." Einen Schuss von links wehrte Neuzugang Akar Akin im Tor der Eppinger noch ab, gegen den Abstauber von Joshua Keßler, einem Eppinger in Diensten Walldorfs, war der 19-Jährige dann aber machtlos. Trotzdem hätten die Gastgeber die Partie nicht verlieren müssen, auch danach hatte der VfB, den David Pfeiffer zur Pause mit elf Spielern runderneuerte, genug Gelegenheiten.

Abgesehen vom Gegentor wollte der Eppinger Coach am Spiel seines Teams nichts weiter aussetzen. "Ich kann ja nichts kritisieren, wenn ich noch nichts trainiert habe." Mit dem offiziellen Trainingsstart an diesem Samstag wird Pfeiffer wieder genauer hinsehen, sechs Wochen lang, bevor Anfang September die neue Runde in der Verbandsliga startet. Nach den Aufstiegen von FC Astoria Walldorf II und dem FC Bruchsal sowie dem Rückzug von Gartenstadt wird es eine neue Ordnung geben. "Und ich glaube, Eppingen wird eine sehr gute Rolle spielen", sagt Kocher.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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