Der Erlenbacher Dietmar Grabotin: Vom Verteidiger zum Vertriebsleiter

Fußball  Der Ex-Bundesligaprofi pflegt auch als Wahl-Rheinländer die Beziehungen in die alte Heimat. Vom Unterland war er in die Jugend des VfB Stuttgart gewechselt, später absolvierte der Erlenbacher 36 Erstligaspiele für Fortuna Düsseldorf.

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Ursula und Dietmar Grabotin bei einem Länderspiel 2019.

Foto: privat

Auch nach mehr als 40 Jahren im Rheinland ist der schwäbische Zungenschlag bei Dietmar Grabotin noch vernehmbar. "Die Leute fragen nach, woher man kommt. Schon bist du im Gespräch", sagt der 62-Jährige. Seine Antwort lautet dann stets: Erlenbach. "Ein Erlenbacher ist etwas Besonderes, es gibt nicht so viele davon", sagt er und lacht.

Geschichten vom Weinbau und Besenwirtschaften

Dann kann Dietmar Grabotin aus Wülfrath den Rheinländern vom Weinbau, den Besenwirtschaften erzählen, seiner Heimat, die er in jungen Jahren verließ und es in Düsseldorf zum Bundesliga-Fußballer brachte. Die Bindung an die alte Heimat ist trotz räumlicher Distanz eng. Und lässt sich nicht nur an Besuchen bei den Schwestern, alten Freunden oder dem traditionellen Weinfest festmachen. Vor zwei Jahren feierte Grabotin drei Tage lang seinen 60. Geburtstag in Erlenbach.

"Ich wollte allen zeigen, wo ich herkomme", sagt er. Schon als 15-Jähriger trainierte er in der Saison 1974/75 mit den Zweitligafußballern des VfR Heilbronn, nach einem Jahr folgte der Sprung zum VfB Stuttgart, die technische Lehre bei Audi absolvierte er trotzdem. Es war die VfB-Zeit der ersten jungen Wilden, Karl-Heinz Förster, Hansi Müller. "Ich war ein Jahr zu jung, bin zum falschen Zeitpunkt aus der Jugend gekommen", erinnert sich Grabotin. Bei Alemannia Aachen findet der Verteidiger eine neue Heimat, verpasst in den fünf Zweitliga-Jahren dort jedoch den Erstliga-Aufstieg.

Fitness, Wille und Aggressivität

Mit Mitte 20 soll sich der Traum von der Bundesliga bei Fortuna Düsseldorf erfüllen. Dort merkt er, dass er an seine Fußball-Grenzen stößt. Wie es sich in den 80ern als deutscher Vorstopper gehört, kommt Grabotin über die Fitness, den Willen, die Aggressivität. "Irgendwann merkst du: Meine technische Voraussetzungen sind nicht wie bei den anderen." Immer am Limit, in jeder Trainingseinheit gibt er 120 Prozent, um mitzuhalten. Die körperliche Spielweise fordert ihren Tribut.

Achillesprobleme verhindern mehr als 36 Erstligaspiele in den drei Jahren bei Fortuna Düsseldorf. Höhepunkte und Tiefpunkte liegen nah beieinander. Mit Düsseldorf gewinnt Grabotin im März 1986 3:2 bei den Bayern, eine Woche später setzt es ein 0:7 daheim gegen den VfB Stuttgart.

Mit Joachim Löw in der Jugendnationalmannschaft gespielt

Der Erlenbacher Dietmar Grabotin: Vom Verteidiger zum Vertriebsleiter

Der Erlenbacher Dietmar Grabotin (Zweiter von links im Fortuna-Trikot) muss sich im August 1986 um die Frankfurter Thomas Berthold, Karl-Heinz Körbel und Andreas Möller (rechts) kümmern. Foto: imago images/Eissner

"Es mit meinem Können so weit gebracht zu haben, da kann man stolz sein", sagt er heute und lacht: "Mit meinem Biss hätte Joachim Löw 100 Länderspiele gemacht." Beide spielten einst zusammen in der Jugend-Nationalmannschaft. Nach zwei Jahren bei Zweitligist VfL Osnabrück ist für Grabotin klar: Es geht nicht mehr. Bei Alemannia Aachen wird er mit 30 Jahren als Berufsanfänger zum Manager. Der Verein steigt ab, das Kapitel Profi-Fußball ist schnell beendet.

Als Bundesligaspieler bei Fortuna Düsseldorf hatte Grabotin noch eine Ausbildung absolviert, dieses Mal als Bankkaufmann. Das erleichtert den Sprung weg vom Profifußball. Bei Emka, einem großen Beschlagteile-Unternehmen in Velbert, startet die zweite Karriere. Grabotin ist mittlerweile mehr als 30 Jahre im Unternehmen und zum Vertriebsleiter aufgestiegen.

Sportlicher Leiter beim Wuppertaler SV

Dem Amateurfußball ist Grabotin lange eng verbunden geblieben. Wülfrath führte er vor vielen Jahren in die damals noch drittklassige Oberliga, beim Wuppertaler SV war er Sportlicher Leiter, zuletzt Trainer beim Landesligisten Heiligenhaus. Dort war vor fünf Jahren Schluss. "Ich hatte keine Lust mehr nach der Arbeit zum Training zu kommen und 25 Absage-Nachrichten aufs Handy zu kriegen,", sagt Grabotin: "Wenn der Geburtstag der Oma wichtiger ist, dann höre ich auf." Ende des Jahres wird die Zeit reif für den Unruhestand eines rastlosen Rentners. Die aus Neckarsulm stammende Gattin Ursula, die drei Töchter in Düsseldorf und die mittlerweile zwei Enkelkinder wird es freuen. "Ich habe schon noch etwas vor in meinem Leben", sagt Dietmar Grabotin.

 

Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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