Der Eppinger Pausentee wirkt Wunder

Fußball  Ein leidenschaftlicher VfB Eppingen macht aus einem 0:2 ein 5:2 und fügt Tabellenführer SV Spielberg die erste Niederlage seit zwei Jahren zu. Allerdings hatten die Eppinger auch viel Spielglück.

Von unserem Redakteur Martin Peter map
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Trikottauschen wollten Nico Plattek (rechts) und seine Spielberger in Eppingen weniger, vielmehr hatte er Mühe, Alessandro Sautter hier aufzuhalten.

Foto: Klaus Krüger

Was David Pfeiffer seinem Team in den Pausentee gegeben hatte, ließ sich später nicht mehr eruieren. Ein paar klare Sätze hatte der Trainer den Spielern des VfB Eppingen sicher eingeschenkt. "Das waren schon zwei, drei Worte zum Thema, wie man in so einem Spiel auftreten muss", sagte Pfeiffer, der am Tag zuvor 39 geworden war. Und nach einem nachträglichen Geburtstaggeschenk von seinem Team sah es gegen Spitzenreiter SV Spielberg lange Zeit wirklich nicht aus.

Am Ende einer "meiner ereignisreichsten zweiten Halbzeiten" indes hatte sein Team David Pfeiffer doch noch ein hübsches Drei-Punkte-Paket geschnürt: Mit 5:2 (1:2) gewannen die Eppinger ein spektakuläres Fußballspiel - und fügten ihren Gästen eine Niederlage historischen Ausmaßes zu. Zum letzten Mal hatte der SV vor zwei Jahren verloren: Am 26. Oktober 2019 und seitdem bis zum Samstag in Eppingen in 23 Spielen dazwischen lediglich drei Mal Unentschieden gespielt.

Spielberg lässt Großchancen zum vorentscheidenden 3:1 liegen

Entsprechend stolz waren die Eppinger nach dem furiosen 5:2. Wobei sie den Sieg auch richtig einzuschätzen wussten. Als Giacomo Wiczynski in der 62. Minute eingewechselt wurde, hätte der VfB längst erledigt sein können. Und wenn nicht bis dahin, dann doch in den fünf Minuten bis zum 2:2 (67.). Großchancen zum entscheidenden 3:1 ließen die Spielberger in der 63. und 65. Minute genauso liegen wie unmittelbar nach Wiederanpfiff. "Wir hatten heute 48 hundertprozentige Chancen und das ist noch untertrieben", sagte Gästetrainer Yannick Rolf hinterher.

Natürlich war das völlig übertrieben. Genau wie sein Fazit, dass sein Team auch mit 8:1 hätten gewinnen können. Aber 1:3 oder 1:4 war locker im Bereich des Möglichen. Wohlgemerkt vor dem 2:2.

Mit der ersten guten Aktion erzielt Jan-Hendrik Hoyer den wichtigen Anschlusstreffer

"Wir hatten heute einfach das Spielglück, das uns in den letzten Wochen gefehlt hat", sagte Jan-Hendrik Hoyer, der kurz vor der Pause den Anschlusstreffer zum 1:2 erzielt hatte. Ein wichtiger Treffer. "Das war die erste Aktion, in der wir ganz normal Fußball gespielt haben", sagt Pfeiffer. In den 43 Minuten zuvor hatte die Überzeugung gefehlt. In Kombination mit der Nervosität ergab das viele Fehlpässe. "Da hatten wir die Hosen voll."

Der Tee in der Pause bewirkte da schon Wunder - zurück kam ein leidenschaftlicher VfB. Einer, der alles reinwarf, der alles riskierte. Und der sich belohnte. "Das Motto war: Feuer frei", sagt Pfeiffer. Das 2:2, ein Eigentor, hatte Mark Rauh mit einem beherzten Solo erzwungen (67.). Der Türöffner zum ersten Sieg der Eppinger gegen einen der "Big Three".

Die Treffer drei bis fünf der Eppinger gehen auf das Konto der Einwechselspieler

Zwei Minuten später war die Partie gedreht: Wiczynski nagelte den Ball unbedrängt aus 18 Metern zum 3:2 ins Netz. Kurz hatte er überlegt, zu Julius Reinbold zu passen. Doch Spielberg gab ihm Raum und Zeit. "Da dachte ich: Mach mal", beschreibt es der Torschütze, der links im Mittelfeld mit seinem Tempo und Dribblings ein belebendes Element war. Genauso wie der andere Joker: Serhat Ayvaz erzielte sowohl das 4:2 (79.) als auch das 5:2 (85.).

Der Doppeltorschütze blieb aber bescheiden. "Meine Mitspieler haben mich heute gut in Szene gesetzt", sagte er. Er habe einfach richtig gestanden. Und vom Pausentee hatte er nichts abbekommen. Da hatte er sich warmgemacht. Von der Pizza hinterher aber bekamen dann alle was ab.

VfB Eppingen: Zeyrek - Kradija, Hofmann, Elshanaj, Rauh - Durmus, Sautter - Fitze (62. Wiczynski), Rudenko (87. Mrijaj), Hoyer (80. Nyassi) - Reinbold (75. Ayvaz). Tore: 0:1 (28.) Nico Plattek 0:2 (40.) Fabian Geckle, 1:2 (44.) Jan-Hendrik Hoyer, 2:2 (67.) Eigentor, 3:2 (70.) Giacomo Wiczynski, 4:2 (79.) Serhat Ayvaz, 5:2 (85.) Serhat Ayvaz. Schiedsrichter: Christian Schäffner. Zuschauer: 200.

Überraschung im Tor

Murat Zeyrek war selber überrascht, als er kurz vor der Mannschaftssitzung am Samstag erfuhr, dass er gegen Spielberg von Beginn an im Tor stehen würde. "Das war schon mutig von David", sagte der lange verletzte Keeper des VfB über Trainer Pfeiffer. Der wollte die gute Trainingsleistung des 30-Jährigen belohnen, der wieder auf Augenhöhe mit Leon Dobler ist. "Diese Chance hatte Murat sich verdient", sagt der Trainer. Er sollte die Entscheidung auch nicht bereuen. "Er hat uns drei Mal im Eins-gegen-Eins im Spiel gehalten." Zeyrek selber spürte die mangelnde Spielpraxis. "Aber solange wir gewinnen, bin ich zufrieden", sagte der Keeper über sein Comeback-Spiel. map


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