Der ehemalige Aufsichtsratschef Martin Schäfer sieht den VfB Stuttgart gut aufgestellt

Fußball  Würth-Manager Martin Schäfer spricht als ehemaliger Aufsichtsratschef des VfB Stuttgart über seine schwere Erkrankung und die Affäre um die Weitergabe von Mitgliederdaten des Bundesligisten.

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Der Mann, der beim VfB die Richtung vorgegeben hat: Martin Schäfer im Juni 2017.

Foto: imago images/Sportfoto Rudel

Die Frage bringt Martin Schäfer ins Grübeln. "Wann ich zuletzt im Stadion war?", wiederholt der ehemalige Aufsichtsratschef des VfB Stuttgart. "Vermutlich im Februar, März." Es sind nur ein paar Monate, aber es kommt uns allen vor wie eine Reise in eine weit entfernte Zeit - vor Corona. Für Martin Schäfer ist es zudem eine Reise in eine Zeit vor eine schwere Erkrankung. Der 63 Jahre alte Würth-Manager lag fast sieben Wochen im Krankenhaus, erst in Palma, dann in Tübingen, kämpfte um sein Leben.

Der lange Weg zurück zur Normalität

Ein Mallorca-Urlaub mit der Familie endete nach wenigen Tagen in der Klinik: bakterielle Hirnhautentzündung und Blutvergiftung. "Es gab eine sehr kritische Phase, alle Organe waren betroffen. Ich hatte extrem schlechte Werte", sagt Martin Schäfer am Telefon. Er klingt gut, hat aber noch eine Strecke Weg vor sich, zum Beispiel einen dreiwöchigen Reha-Aufenthalt. "Ich gehe davon aus, dass alles wieder ziemlich gut wird." Was es ihm gerade etwas einfacher mache: "Im Vorjahr habe ich nach 20 Jahren im Vertrieb die Verantwortung für 3500 Mitarbeiter abgegeben." Schäfer ist aber nach wie vor bei Würth tätig. Was ihm hilft: "Die Familie: Wir haben gespürt, dass wir uns noch eine Zeit lang brauchen. Und Würth hat einen ganz besonderen Familienzusammenhalt."

Nach wie vor gehört sein Herz natürlich auch dem VfB: Martin Schäfer war von 2015 bis 2017 Aufsichtsratschef der Stuttgarter - in diese Zeit fällt die vom "Kicker" aufgedeckte Affäre um die mutmaßliche Weitergabe von Mitgliederdaten. "Ich weiß nicht, was da schief gelaufen ist, habe nichts, aber auch gar nichts von dem ganzen Thema mitbekommen." Natürlich müsse die Geschichte aufgeklärt werden. Schäfer bedauert, dass dieses Thema ausgerechnet in einer Phase des Erfolgs aufgekommen ist. "Es sieht vielversprechend aus, was diese junge Mannschaft an den ersten drei Spieltagen gezeigt hat. Sie hat viel Potenzial, sollte mit dem Abstieg nichts zu tun haben."

Dass Thomas Hitzlsperger als Vorstandsvorsitzender angekündigt hat, die Führungsebene im Verein umzustrukturieren, begrüßt Martin Schäfer. "Er hat die Akzeptanz, will die Struktur schlank halten, um schneller zu werden." Das sei wie in Unternehmen auch: Man müsse Strukturen immer wieder verändern, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Eine wegen der Pandemie sehr herausfordernde Zukunft.

Verschiedene Zahlen unter Kontrolle halten

Martin Schäfer nennt die durch Corona entstandenen Probleme für die Fußball-Bundesligisten "kolossal", spricht von einem Leiden in vielen Branchen. Da wie dort gehe es darum, stärker zurückzukommen. Sprichwörtlich, auch für ihn. Es geht darum, die Zahlen unter Kontrolle zu bekommen und unter Kontrolle zu halten. Die Corona-Kennzahlen. Und die Blutwerte. Martin Schäfer sagt: "Irgendwann werde ich sicherlich wieder im Stadion sitzen und mich über einen Sieg des VfB freuen. Aber dieses Jahr mit Sicherheit nicht."


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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