Debütanten-Ball für zwei Trainer

Sebastian Hoeneß und Pellegrino Matarazzo stecken beide in ihrem ersten Cheftrainer-Jahr in der Bundesliga und müssen wie im direkten Duell immer wieder mit Rückschlägen klar kommen.

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Herzliches Hallo mit zwei Fäusten: Der Hoffenheimer Trainer Sebastian Hoeneß (rechts) und sein Kollege Pellegrino Matarazzo vom VfB Stuttgart.

Foto: dpa

Die Erstligakarrieren der Cheftrainer Sebastian Hoeneß und Pellegrino Matarazzo sind noch jung. Hoeneß hat den FC Bayern München II in der 3. Liga auf Platz eins geführt, ehe er im vergangenen Sommer zur TSG Hoffenheim gekommen ist. Matarazzo war immerhin schon Assistenztrainer bei eben jener TSG, ehe er als Chef mit dem VfB Stuttgart in die Bundesliga aufgestiegen ist.

Hoeneß muss sehr viele Steine mit sich herumtragen

Jetzt wollen sich beide Trainer in der deutschen Eliteklasse beweisen. Der 42-jährige Matarazzo steht in der Tabelle drei Punkte vor dem 38-jährigen Hoeneß. Beim VfB war es zuletzt ruhig, ohne die oft erlebten Stuttgarter Fußball-Turbulenzen. Der Trainer konnte konzentriert arbeiten. Im Kraichgau hingegen war vor allem wegen der Corona-Lawine, die über die TSG hereingebrochen ist, mächtig was los. Der Hoffenheimer Sportchef Alexander Rosen bringt eine entsprechend hohe Toleranz auf für die im Bundesliga-Betrieb bislang zu dürftige Performance. "Ich weiß nicht, wie viele Trainer jemals in ihrer Debütsaison so viele Steine in ihren Rucksack gelegt bekommen haben", sagte er im ZDF-Sportstudio. Verletzungsausfälle bei wichtigen Spielern kamen ja noch dazu. Aber Hoeneß sei, so Rosen, "total" stressresistent. "Er ist einfach sehr fokussiert, er geht voran, er ist der Leader der Mannschaft, er lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen."

Das seelische Gleichgewicht von Sebastian Hoeneß war aber schon kurz erschüttert, als der ersehnte Sieg gegen den VfB wegen des Ausgleichs in der 93. Minute doch nicht zustande kam. Der Hoffenheimer Trainer war auf der Bank sichtlich bedient. Sein Gesichtsausdruck sagte mehr als Worte.

Später versicherte Hoeneß: "Auch das werden wir wegstecken." Sein Team habe in der zweiten Halbzeit "trotz der Widrigkeiten, denke ich, eine Superreaktion gezeigt". Viele Stammspieler fehlten wegen der Corona-Misere. Der Trainerkollege Matarazzo durfte den späten Ausgleich bejubeln, moserte aber: "Die entscheidenden Zweikämpfe haben wir in der zweiten Halbzeit nicht gewonnen." Man habe "das Momentum des Spiels verloren".

VfB-Trainer nimmt die Führungsspieler in die Pflicht

Matarazzos Vorwurf nach dem deutlichen Leistungsabfall im zweiten Spielabschnitt: "Da wünsche ich mir von allen Führungsspielern, die auf dem Platz stehen, ein bisschen mehr Körpersprache, eine andere Körpersprache, eine andere Kommunikation." Die Forderung des VfB-Trainers: "Alle Führungsspieler sollten ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen."

Darauf wird es im nächsten Spiel noch viel mehr ankommen, denn dann empfängt der VfB Stuttgart den FC Bayern München. Das könnte ein Höhepunkt werden in der noch jungen Bundesliga-Cheftrainerkarriere von Pellegrino Matarazzo. Als Sebastian Hoeneß Ende September als Herausforderer des deutschen Dauermeisters debütierte, gab es einen Hoffenheimer 4:1-Sieg.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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