TSG Hoffenheim: Das ist der Stand bei Kramaric und Grillitsch

Fußball  Während beim kroatischen Topstürmer der TSG Hoffenheim viel für einen Verbleib im Kraichgau spricht, ist der Österreicher aus Sicht des Bundesligisten ein Verkaufskandidat. TSG-Sportchef Alexander Rosen hat im Trainingslager einige Aussagen gemacht.

Email
Andrej Kramaric. Foto: dpa

Das passende Getränk zum Geschehen auf dem Transfermarkt steht am Mittwochabend vor Alexander Rosen auf dem Tisch. Bei der Gesprächsrunde am Rande des Trainingsplatzes des FC Rottach-Egern hat der Sportdirektor der TSG Hoffenheim ein alkoholfreies Bier vor sich stehen. 0,0 prangt auf dem Etikett. Im Sommer vor zwei Jahren erlöste der TSG-Manager noch mehr als 100 Millionen Euro. Eine eins mit acht Nullen hinten dran, hätte damals auf einem Schampus-Etikett prangen dürfen.

Alexander Rosen hat als Sportdirektor der TSG Hoffenheim derzeit das gleiche Aufgabenprofil wie 90 Prozent seiner Kollegen. "Den Kader verschlanken, das Gehaltsbudget reduzieren", sagt der 42-Jährige, der seit 2013 als Sportchef des Kraichgauclubs fungiert.

In Zeiten von Corona gelten andere Regeln

Das Problem in der schon zweiten Corona-Sommertransferperiode besteht darin, dass nur die absoluten Top-Spieler einen Markt haben. Ansonsten ist es wie auf einem Basar. Zu viel Ähnliches im Angebot, zu wenig Nachfrage. Und noch 0,0 Bewegung. "Das alles drückt die Preise", weiß Rosen.

Junge Hoffenheimer Spieler wie Elay Elmkies (Admira Mödling) oder Justin Hoogma (Greuther Fürth) sind verliehen. Weitere Abgänge sollen, ja müssen folgen.

Das ist der Stand bei den TSG-Assen Kramaric und Grillitsch
Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen (rechts) hat den Transfermarkt genau im Blick. Foto: dpa

Der Kader der TSG ist mit rund 30 Spielern zu groß, zu überdimensioniert für nur noch zwei Wettbewerbe. Sechs Mittelstürmer sind beispielsweise zu viele. Für alle Positionen gilt: "Der Konkurrenzkampf wird enorm", sagt Rosen. Das ist in der Trainingswoche am Tegernsee gut zu sehen. In den Einheiten ist ordentlich Zug drin. Einige Profis wie Joshua Brenet, Ishak Belfodil und Kasim Adams können und sollen mangels Perspektive gehen.

Anders ist die Situation bei den beiden Leistungsträgern Andrej Kramaric und Florian Grillitsch, deren Verträge in einem Jahr auslaufen. Nur jetzt ließe sich noch eine erkleckliche Ablösesumme für das Duo erzielen.

Top-Spieler ablösefrei ziehen zu lassen, das war mit Ausnahme von Mark Uth (Schalke) in den vergangenen Jahren ein Hoffenheimer Tabu. Die Zeiten haben sich geändert (Corona!), die Grundsatzstrategie vorübergehend auch, zumindest in Bezug auf Andrej Kramaric, der nach seinem EM-Urlaub nächste Woche ins Training einsteigen wird. Der 20-Tore-Stürmer der Vorsaison ist mittlerweile 30 Jahre alt. "Wie viele Ü-30-Spieler wechseln denn noch für hohe Millionensummen den Verein?", fragt Rosen und verweist auf Wiederverkaufswerte, in welche die Clubs mittlerweile investieren. Die Bayern legten vor dreieinhalb Jahren mal eben zwölf Millionen Euro für den 30-jährigen TSG-Stürmer Sandro Wagner auf den Tisch. Es waren andere Zeiten.

Keine Abgabe zum Schnäppchentarif

Das ist der Stand bei den TSG-Assen Kramaric und Grillitsch
Florian Grillitsch. Foto: dpa

Der Blick auf den internationalen Markt zeigt: Spieler über 30 Jahre wechseln heutzutage eher ablösefrei, nach Vertragsende. Georginio Wijnaldum von Liverpool nach Paris, Sergio Ramos von Real Madrid ebenfalls nach Paris. "Die Summen, von denen man mal bei Andrej Kramaric träumen konnte, die sehe ich nicht im Ansatz", sagt der Hoffenheimer Manager und betont, seinen Topstürmer keinesfalls zum Schnäppchentarif ziehen zu lassen. Die Tendenz ist klar: Kramaric bleibt mindestens für die Saison 2021/22 im Kraichgau, Rosen und Co. arbeiten daran, ihn über die Spielzeit hinaus zu halten.

Anders ist die Situation bei Florian Grillitsch, der vor vier Jahren ablösefrei aus Bremen kam und nun nicht zum Nulltarif weiterziehen soll. Interesse am flexiblen Nationalspieler gibt es, bestätigt Rosen und spricht von Grillitsch als Verkaufsspieler. Manchmal ist auch an Gerüchten was dran. Clubs aus Italien sind am 26-Jährigen interessiert. Allerdings seien die Ablöse-Dimensionen ein Jahr vor Vertragsende nicht mehr die, die sie in Vor-Corona-Zeiten waren. Lieber jetzt weniger kassieren, als vielleicht gar nix im nächsten Sommer? Es bleibt spannend bis zum 31. August, dann endet der zweite Corona-Transfersommer.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

Kommentar hinzufügen