"Das hätten wir uns niemals erträumen lassen"

Fußball  Joachim Heger, Trainer des SV Rohrbach/S., im Interview über den unerwarteten Lauf seiner Mannschaft, Teamgeist und den Lockdown.

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Joachim Heger ist ein alter Hase, wurde aber selbst überrascht.

Foto: Klaus Krüger

Im Sommer war sich Joachim Heger ganz sicher. Sein Team, der SV Rohrbach/Sinsheim, wäre in der neuen Saison kein Favorit. Nicht mal zum erweiterten Favoritenkreis wollte der 45-Jährige sich und seine junge Mannschaft zählen lassen. Ein Findungs-Jahr stehe nach dem großen Umbruch an. Nun: Der SV Rohrbach/S. dominierte die Kreisliga bis zur Unterbrechung beinahe nach Belieben. Es war höchste Zeit für einen Anruf bei Joachim Heger.

Herr Heger, Glückwunsch. Da haben Sie aber alle sauber getäuscht?

Joachim Heger: Nein, wirklich nicht. Ich hätte nie mit so einem Start gerechnet. Wir hatten zwölf Abgänge, hatten bis auf Neuzugang Dominic Roth nur junge Spieler, die in der Liga noch nicht etabliert waren. Wir hätten uns niemals erträumen lassen, dass wir da stehen, wo wir jetzt stehen, auf Platz eins.

Also war Ihre Einschätzung im Sommer auch kein Understatement?

Heger: Nein, absolut nicht. Wir sind in die Saison gegangen mit dem Ziel, einen sicheren Mittelfeldplatz zu holen. Und nicht noch unten reinzurutschen. Auch die Vorbereitung war ja recht holprig.

Und was ist dann passiert?

Heger: Wie die Mannschaft im Laufe unserer Vorbereitung zusammengewachsen ist: Da ist ein Teamgeist in dieser Truppe entstanden, wie ich ihn lange nicht mehr gesehen habe. Das war wirklich phänomenal.

Dennoch ging die Generalprobe im Pokal in Bad Rappenau mit 0:3 ordentlich in die Hose?

Heger: ?noch einmal ein Dämpfer. Wichtig war das erste Spiel in Obergimpern, wo wir 2:0 führen, ein richtig gutes Spiel machen, es eigentlich entscheiden müssen - und plötzlich steht es kurz vor Schluss 2:2. Wir haben es dann noch auf 4:2 gedreht bekommen. Das hat uns auch nochmal Auftrieb gegeben. Wenn man es verliert, dann läuft die Runde vielleicht ein bisschen anders.

Was ist das Geheimnis des Erfolgs?

Heger: Die überragende Defensive mit nur fünf Gegentoren aus diesen zehn Spielen. Das ist nicht allein ein Verdienst der Defensive: Wir haben eine unwahrscheinlich hohe Laufbereitschaft, wirklich alle arbeiten mit nach hinten. Wir sind wirklich positiv überrascht worden.

Gestoppt werden konnte ihr Team nur durch den erneuten Lockdown. In diesem Fall ist das doppelt bitter, oder?

Heger: Ja, wir wurden rausgerissen aus dem Ganzen. Das hat jeden wirklich getroffen. Vor allem unsere jungen Spieler, die gerade aus dem Hintergrund nach vorne gerückt waren, die Verantwortung übernommen haben. Denen hat man das schon angemerkt. Sowieso aus der Situation heraus, wie alle nicht mehr ihr Hobby ausüben zu können. Und auch, weil wir einen super Lauf hatten.

Was glaube Sie, wann wieder gespielt werden wird?

Heger: Ich rechne definitiv nicht damit, dass in diesem Jahr nochmal gespielt wird. Man müsste den Mannschaften nach dem Lockdown erstmal wieder ein, zwei Wochen Vorbereitung geben. Und dann haben wir ja schon Mitte Dezember. Wenn das überhaupt im Dezember wieder freigegeben wird, was ich nicht glaube. Ich hoffe, wenn sich die Zahlen einigermaßen entwickeln, dass wir im Januar wieder trainieren können.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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