Dabbur-Bein noch heil, die jüngste Hoffenheim-Bilanz auch

Fußball  Hoffenheim erkämpft sich gegen den VfL Wolfsburg ein 2:1 und freut sich über den Aufschwung mit nun acht Zähler aus vier Ligaspielen.

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Hässlicher Schlusspunkt: Paulo Otavio grätscht Hoffenheims Stürmer Munas Dabbur brutal um und sieht dafür in der Nachspielzeit die Rote Karte.

Munas Dabbur saß keine 20 Minuten nach dem Hoffenheimer 2:1-Sieg über den VfL Wolfsburg hinterm Steuer seines schwarzen Mercedes-Geländewagens, der zügig vom Sinsheimer Arena-Parkplatz auf die A6 gen Heidelberg bog.

Dem Fahrer war die Erleichterung anzusehen, dass der gesunde rechte Fuß auf dem Gaspedal sitzen konnte. Voll funktionsfähig. Unversehrt. Intakt. Zu dem Zeitpunkt hätte der israelische Nationalspieler ja auch im Krankenwagen liegen können. Mit gebrochenem Knöchel oder Ähnlichem.

Ein Blutgrätsche als Notbremse

In der Nachspielzeit stürmte Dabbur dem leeren Wolfsburger Tor, seinem fünften Saisontor in der Liga und dem 3:1 entgegen, als Wolfsburgs Paulo Otavio "retten wollte, was nicht mehr zu retten war", wie es Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner formulierte. Sollte für ein Fußballlexikon der Begriff "Blutgrätsche" zu illustrieren sein: Diese Szene wäre vorzeigbar. Paulo Otavio wurde bei seiner Notbremse zum brutalen Sensenmann. Eine Aktion, für die eine Rote Karte eigentlich gar nicht genügt. "Gott sei Dank", schrieb der reuige Sünder am Sonntagmittag bei "Instagram", "habe ich ihn nicht verletzt." Eine wochenlange Sperre für den Brasilianer durch das DFB-Sportgericht wird sich trotzdem nicht verhindern lassen.

Die beste Nachricht aus TSG-Sicht: Der Hoffenheimer Nachmittag endete nicht mit einem Beinbruch. Weder für Dabbur im Wortsinne, noch für alle anderen im Kraichgauclub im sportlichen Sinn. Dafür brauchte es in der finalen Szene des Spiels, wie schon zuvor, auch etwas Glück. "Heute waren wir nicht besser, aber wir hatten mal einen günstigen Spielverlauf für uns", sagte Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß: "Das hatten wir zuletzt nicht so oft."

Dabbur-Bein noch heil, die jüngste Hoffenheim-Bilanz auch

Schöner Anfangspunkt: Christoph Baumgartner erzielt hier gegen Wolfsburg das sehenswerte Tor zum 1:0.

Fotos: dpa

Comebacker Kaderabek mit zwei Vorlagen

Das lag auch am Mann des Tages, der Pavel Kaderabek hieß und beim Gang in die Kabine nach dem Schlusspfiff beide Fäuste ballte.

Der Tscheche zeigte eindrucksvoll, woran es seinen zahlreichen Vertretern auf der Rechtsverteidiger-Position wie Kevin Akpoguma, Stefan Posch oder Mijat Gacinovic in den vergangenen Monaten mangelte, als Kaderabek verletzt fehlte. Präzise Flanken nämlich. Zwei davon führten zu den Hoffenheimer Toren durch Christoph Baumgartner (8.) und Andrej Kramaric (41.). Wolfsburgs Torjäger Wout Weghorst sorgte für den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich (23.). "Pavel ist jetzt wieder auf dem Weg dorthin, wo er in den vergangenen Jahren war", sagte Sebastian Hoeneß.

Die Hoffnung ist groß, dass mehr personelle Stabilität für einen sportlichen Aufschwung sorgt, der in vier Spielen ohne Niederlage mit acht Punkten bereits sichtbar wird. "Wenn Woche für Woche die Positionen gleich besetzt sind, werden die Abläufe besser und wir zeigen auch besseren Fußball", sagte Florian Grillitsch, der seit vier Liga-Spielen als zentraler Abwehrchef in der Dreierkette fungiert. Mit Erfolg. Der Gegentorschnitt sank auf 1,0 pro Spiel. "Er hat schon mehrfach gezeigt, wie stark er diese Position spielen kann, wie er diese Rolle interpretiert", sagte sein Trainer über den Mittelfeldspieler als Abwehrboss: "Aktuell gibt es keinen Grund, da was zu verändern." Aktuell lässt es auch die Personalsituation nicht zu. Weil Kevin Vogt mit Adduktorenproblemen passen musste, fehlten der TSG am Samstag gleich sechs Innenverteidiger. Mehr als die meisten anderen Teams in der Liga überhaupt im Kader haben. "Das ist einfach eine unfassbare Zahl", sagte Sebastian Hoeneß. Sein Team verteidigte mit Glück und Geschick das 2:1.

Abstiegskampf ist kein Thema mehr

"Wir müssen jetzt nicht mehr nach unten schauen", sagte der 38-Jährige nach den Punkten 28, 29 und 30. Erstmals seit dem 4:1 gegen den FC Bayern zu Saisonbeginn gelang den Kraichgauern ein Erfolg gegen ein Top-Team. Das macht Mut für die nächsten zwei Aufgaben beim VfB Stuttgart und gegen den FSV Mainz 05. "Da wollen wir am besten zwei Mal gewinnen", sagte Pavel Kaderabek. Dann könnte man zumindest wieder in Richtung Rang sieben schielen. Der berechtigt am Ende der Saison eventuell zur Teilnahme an der neuen Conference League.

 

Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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