Da muss noch mehr kommen bei der TSG Hoffenheim

Sechs Punkte sollten für den Hoffenheimer Klassenerhalt noch mindestens her. Offensiv harmlos wie nie startet die Elf von Sebastian Hoeneß in die finalen sechs Saisonspiele.

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Augen zu und durch: Der Leverkusener Wendell im Duell mit Hoffenheims Pavel Kaderabek (rechts).

Foto: dpa

Was wäre das in der Sinsheimer Arena für ein lautes Pfeifkonzert geworden am Montagabend, so gegen 22.20 Uhr. Das Fiepen im Ohr hätte die Profis der TSG Hoffenheim und von Bayer Leverkusen nach ihrer trostlosen Nullnummer später ins Bett begleitet, sie am Einschlafen gehindert. Bundesliga anno 2021 heißt eben: keine Zuschauer, keine Pfiffe, Buh- oder Trainer-raus-Rufe. Nur Stille.

Noch nie gab es so wenige Torschüsse in einem Bundesligaspiel

Bei der Wahl zum unansehnlichsten Spiel der Saison wird das letzte Montagabendspiel der Bundesligageschichte auf Rang zwei landen. "Es gab selten Bundesligaspiele, in denen so wenig Torschüsse kreiert wurden", sagte Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß über 93 Minuten mit äußerst wohlwollend gezählten sieben Torschüssen der 22 Akteure: Seit die Daten dafür erfasst werden, gab es noch nie so wenige Torschüsse. "Ich kann nachvollziehen, dass das kein Leckerbissen war. Den Punkt nehmen wir mit, ohne dass wir in Freudentaumel übergehen."

Noch grausiger kam nur das 0:0 von Schalke 04 und Mainz 05 Anfang März daher. Damals das Duell Letzter gegen Vorletzter. Das sagt leider viel aus über den Zustand der TSG Hoffenheim und von Bayer Leverkusen, jeweils Europa-League-Teilnehmer. Teams, deren eigener Anspruch in der Bundesligatabelle nach 28 Spielen jeweils zehn Punkte größer ist. Teams, die ihre Saisonziele ziemlich sicher, ziemlich deutlich verpassen.

Sicherheit zuerst ist das TSG-Motto

Das Schöne am Fußball: Auch in unschönem Gekicke lässt sich Positives finden. Als da wäre: Die Devise "safety first", sie ging für Hoffenheim tatsächlich auf. 90 Minuten ohne Gegentor, die gab es für die TSG 1899 in den vergangenen elf Pflichtspielen nur einmal.

In einer Fußball-Talkshow hätte Sebastian Hoeneß für diesen Satz hier zahlen müssen, der Hoffenheims Ex-Trainer Huub Stevens sicher große Freude bereitete: "Wenn du zu Null spielst, kannst du schon mal nicht verlieren." Auf dem Podium im verwaisten Presseraum der Sinsheimer fehlt so ein Phrasenschwein jedoch. Verunsicherung, nein, die habe er bei seiner Elf nicht gesehen, sagte Hoeneß dann noch: "Dass das Selbstvertrauen nicht bombastisch groß ist, wenn man drei Spiele verloren hat, das muss jedem klar sein." Dann komme halt auch mal so eine Partie heraus, bilanzierte Christoph Baumgartner.

So eine Spielweise passt nicht zur TSG

Bedenklich dabei: Hoffenheim erspielte sich keine einzige Torchance. Etwas, das einen Abstiegskandidaten charakterisiert - und so gar nicht zur DNS des Clubs, den Vorgaben und Erwartungen der Vereinsbosse passt. "Wir wissen, dass wir nach vorne Dinge haben vermissen lassen", sagte Hoeneß. Seine Mannschaft wusste in Ballbesitz nichts mit dem Spielgerät anzufangen. Die Hoffnung auf ein "dreckiges Tor" (Hoeneß) in Durchgang zwei, sie ging nicht auf.

Steckt Hoffenheim nun als Tabellenzwölfter mit 31 Punkten im Abstiegskampf - oder nicht? Sind fünf Punkte Vorsprung auf Rang 16 viel oder wenig? Alles eine Frage der Perspektive. Darüber herrscht Uneinigkeit innerhalb Hoffenheims Austria-Fraktion. "Wir müssen schon eher nach unten blicken in der Tabelle", sagte Stefan Posch. "Ich denke eher nicht", antwortete hingegen Florian Grillitsch auf die Frage nach dem Abstiegskampf: "Wir beschäftigen uns nicht damit, wir brauchen noch so und so viele Punkte." Grillitsch kann jedoch geholfen werden: In den vergangenen Jahren mussten meistens 35 bis 37 Punkte her, um als Tabellen-15. den direkten Klassenerhalt zu schaffen. Vor fünf Jahren führte Julian Nagelsmann die TSG mit 37 Punkten auf den ersten sicheren Klassenerhaltsrang. 32 Zähler wie beispielsweise vor zwei Jahren dürften in dieser Spielzeit für Rang 15 wohl nicht genügen.

Am Ende drohen Kellerduelle

Ein, besser zwei TSG-Siege sollten noch zeitnah her. Erst recht, weil der Spielplan trickreich daherkommt. In den nächsten drei Partien gegen Leipzig (2., am Freitag, 20.30 Uhr), Gladbach (8.) und Freiburg (10.) sollten die Kraichgauer tunlichst punkten, um anschließend nicht in drei direkte Abstiegsduelle gegen Schalke (18.), Bielefeld (16.) und Hertha BSC (15.) verwickelt zu sein.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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