Corona-Hotspot Hoffenheim: Ganzes TSG-Team in Quarantäne

Fußball  Positive Corona-Tests bei Sebastian Rudy, Ishak Belfodil und Kevin Vogt haben harte Konsequenzen für Hoffenheim. Was passiert nun mit dem Duell gegen den VfB Stuttgart?

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Duell mit Covid-19-Folgen? Hoffenheims Sebastian Rudy stand gegen den coronageplagten FC Slovan Liberec auf dem Feld. Nun ist der TSG-Profi positiv getestet worden und wie seine Teamkollegen in häuslicher Quarantäne. Foto : dpa

Seit 14.40 Uhr am Mittwoch ist die TSG Hoffenheim endgültig der Corona-Hotspot der Bundesliga. Da vermeldete der Erstligaclub aus dem Kraichgau zwei weitere positive Tests im Erstliga-Team. Monatelang blieb der Club vom Coronavirus verschont, nun sorgt es dafür, dass sich die ganze Mannschaft in Quarantäne begibt.

Am Mittwochmorgen erhielten Sebastian Rudy, Ishak Belfodil und ein Mitglied des Trainerteams ihre positiven Befunde. Ein weiterer Test kam zu einem nicht eindeutigen Ergebnis und musste deshalb wiederholt werden. Der zweite Test ergab, dass sich auch Kevin Vogt infiziert hat. Damit gibt es im Moment acht aktive Corona-Fälle bei der TSG Hoffenheim. Am Dienstag erwischte es bereits Robert Skov (Dänemark) und Munas Dabbur (Israel), die beide bei ihren Nationalteams positive Tests ablieferten. Jacob Bruun Larsen und ein Mitglied des Betreuerteams waren schon vorm Wochenende im Kraichgau isoliert worden. Der kleinste Ort auf der Bundesliga-Karte der Republik ist aktuell der größte Corona-Hotspot. Andrej Kramaric und Kasim Adams haben ihr Covid-19-Erkrankung eben erst überstanden.

Hoffenheim kann die Häufung nicht erklären

"Wir können uns die Häufung nicht erklären", sagt Alexander Rosen, der Sportdirektor. "Wir halten uns seit Monaten akribisch und gewissenhaft an das Hygienekonzept. So kamen wir über Monate ohne einen einzigen positiven Fall durch die Pandemie, die uns nun knüppelhart trifft."

Fragen gibt es viele: Ob das am 21. November, also in wenigen Tagen, angesetzte Bundesliga-Spiel der TSG Hoffenheim gegen den VfB Stuttgart auch wirklich stattfinden kann? Oder wird es das erste Bundesligaspiel seit dem Re-Start im Mai, welches wegen Corona verschoben werden muss?

Das Hoffenheimer Mannschaftstraining fiel bereits am Dienstag aus. Weil alle nun erstmal bis auf weiteres in Quarantäne sind, gibt es Cybertraining und individuelle Trainingspläne. Wie lange? Das hängt von den weiteren Testergebnissen ab. Auf Anfrage teilt der Verein mit, dass man gemeinsam mit dem Gesundheitsamt die weiteren Schritte abstimme.

Acht TSG-Spieler mit Nationalmannschaft unterwegs

Acht TSG-Spieler sind mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. DFB-Torwart Oliver Baumann ist ebenso wie Ryan Sessegnon (U21 von England) bereits abgereist und auf dem Weg in häusliche Quarantäne. Der Österreicher Christoph Baumgartner war für das Spiel gegen Luxemburg nicht vorgesehen - und reist nun gar nicht erst für die Nations-League-Spiele an.

"Gerade in solchen herausfordernden Situationen gilt es kühlen Kopf zu bewahren und klar, abgestimmt und verantwortungsvoll zu handeln", sagt Alexander Rosen über das Vorgehen. "Wir stehen in engem Austausch mit unseren Nationalspielern und den Verantwortlichen der Nationalverbände."

Blase aus Dauertestungen

Bundesliga-Vereine wie die TSG 1899 Hoffenheim bewegen sich seit dem Neustart der Bundesliga im Mai in einer Blase aus Dauertestungen. So eine abgeschlossene Welt lässt die Mitglieder vielleicht auch in trügerischer Sicherheit wiegen. Getreu dem Motto: Hier drin kann uns nichts passieren. Tritt ein Fall in der sogenannten Blase auf, kann der weitreichende Folgen haben. Bei Negativserien, wie sie die Kraichgauer gerade in der Fußball-Bundesliga erleben, heißt es ja gerne: Das Team muss jetzt zusammenrücken. Es ging zuletzt im Charterflieger nach Belgien, nach Bremen und Wolfsburg. Die Spieler sitzen gemeinsam im Bus, in der Kabine.

Einzelne Infektionsketten nachzuvollziehen ist schwierig bis unmöglich für die Vereinsverantwortlichen, deshalb hilft das Gesundheitsamt mit. Das Problem: Es gibt ja nicht nur das Profiwesen in der Fußball-Blase, sondern auch den Papa, die Lebensgefährtin mit sozialen Kontakten. Wer trägt dieses Virus wo hin? Wo kommt es her? Ein Ansatz bei der Suche nach der Hoffenheimer Corona-Quelle dürfte auch das Europa-League-Spiel gegen Slovan Liberec vor rund einer Woche sein. Bei den Tschechen fehlten 15 Spieler wegen Corona. Vielleicht spielte bei der 0:5-Niederlage der Nordböhmen jedoch trotzdem jemand mit, der gar nicht wusste, dass er das Virus in sich trägt.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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