Fußball
Lesezeichen setzen Merken

Bloß kein verfrühtes Hoffenheimer Erfolgsgetöse

Mit einem Sieg der TSG gegen Eintracht Frankfurt könnte der Sprung auf Platz vier in der Bundesliga-Tabelle gelingen.

Andreas Öhlschläger
  |  
Bloß kein verfrühtes Hoffenheimer Erfolgsgetöse
Es ist nicht so, dass der Hoffenheimer Trainer Sebastian Hoeneß zuletzt beten musste für den Erfolg. Dem 2:0 gegen Leipzig folgte das 6:3 in Fürth. Foto: dpa

Sebastian Hoeneß ist kein Sprücheklopfer. Der Hoffenheimer Trainer wirkt oft spröde, weil er am liebsten Dinge sagt, die einen direkten Bezug zu seiner akribischen Denkweise haben. Hoeneß beschäftigt sich hingebungsvoll mit dem Kernbereich des Fußballbetriebs, damit, wie er seine Mannschaft besser machen kann. Mit flapsigen Formulierungen für Lacher oder gar für Schlagzeilen zu sorgen, wie es sein Hoffenheimer Vor-Vorgänger Julian Nagelsmann mit großem Talent getan hat, das ist nicht die Sache von Hoeneß, zumindest nicht in Pressekonferenzen.

Also sagt der Trainer der TSG zwar: "Dann wollen wir auf jeden Fall in die Champions League", als er darauf angesprochen wird, dass sein Team am kommenden Wochenende auf den vierten Tabellenplatz in der Bundesliga klettern könnte, sollte Hoffenheim samstags zu Hause Eintracht Frankfurt schlagen und der bisherige Vierte SC Freiburg am Sonntagabend in Mönchengladbach nicht gewinnen. Doch Hoeneß fügt sogleich hinzu: "Das ist doch genau das, was Sie von mir hören wollen." Dann sagt er in aller Deutlichkeit: "Nein!"

Vor kurzer Zeit noch im tiefgrauen Niemandsland

Sebastian Hoeneß will nicht über ganz große Perspektiven reden - und das ist auch gut so, schließlich war die TSG Hoffenheim vor kurzer Zeit noch im tiefgrauen Niemandsland des Bundesliga-Klassements beheimatet. Dort, wo die Platznummern schon zweistellig sind. Erst durch die jüngste Mini-Erfolgsserie mit zwei Siegen in Folge, dem 2:0 gegen Leipzig und dem 6:3 in Fürth, haben sich die Kraichgauer auf Rang fünf nach oben gearbeitet. Jetzt will Hoeneß weitere Taten sehen und nicht forsche Töne spucken. Also sagt er: "Sie haben selber geschmunzelt, während Sie mir die Frage gestellt haben. Deswegen, glaube ich, stellen Sie sie einfach, nur um sie gestellt zu haben, um irgendetwas bei mir zu provozieren."

Versuch fehlgeschlagen.

1:0 für Hoeneß.

Kein Europapokal-Gerede.

"Wir sind froh über die Tabellensituation, weil es eine Dokumentation oder ein Zeugnis einer ganz guten Entwicklung ist. Und trotzdem, wenn man dann recht genau auf die Tabelle schaut, sieht man, dass der Gegner, gegen den wir jetzt spielen, der ist Zwölfter - aber sie sind nur zwei Punkte hinter uns."

Verweis auf das Trügerische an der Tabelle

Der Hoffenheimer Trainer benennt damit präzise die aktuellen Prognose-Risiken. Eintracht Frankfurt hat 18 Punkte auf dem Konto, sieben Plätze weiter oben kommt die TSG Hoffenheim auf 20 Zähler. Dicht beieinander sind die Teams im Mittelfeld der Bundesliga. Hoeneß verweist auf "das Trügerische an der Tabelle".

Sollte seiner Mannschaft aber ein Sieg gegen die Eintracht gelingen (es wäre der fünfte hintereinander im Sinsheimer Stadion nach dem 3:1 gegen Wolfsburg, dem 5:0 gegen Köln sowie den beiden 2:0-Erfolgen gegen gegen die Hertha und Leipzig), wäre dann doch eine Position erreicht, die man mit höheren sportlichen Ambitionen in Verbindung bringen dürfte.

Oder müsste?

Sebastian Hoeneß bleibt extrem vorsichtig: "Nochmal, wir können uns bestärkt fühlen insofern, dass wir jetzt in die richtige Richtung gehen, dass sich das dann auch tabellarisch zeigt", aber jetzt sei es nur wichtig, ans nächste Spiel zu denken. Und tatsächlich, auch bei der Eintracht handelt es sich um einen "erstarkten Gegner".

Ja, es dürfte schwer werden, Hoeneß" Grundprämisse umzusetzen: "Wir wollen unsere Heimserie weiter ausbauen."

Der TSG-Coach schaut mit viel Respekt auf die jüngsten Frankfurter Siege gegen zwei Teams aus dem Vorderfeld der Tabelle, das 2:1 gegen Union Berlin und zuvor das 2:0 beim SC Freiburg. "Das waren ihre besten Saisonleistungen, zumindest in der Bundesliga." Die Eintracht sei eine Mannschaft, die nach einem holprigen Start in die Saison inzwischen "richtig gut unterwegs ist".

Auch weil die Frankfurter es zu einer großen Meisterschaft im Erzielen von ganz späten, aber sehr wichtigen Toren gebracht haben. Bis zur letzten Sekunde werden die Hoffenheimer konzentriert sein müssen. Oder? "In erster Linie versuche ich mal, über den vierten Offiziellen die Nachspielzeit zu reduzieren", sagt Sebastian Hoeneß.

Ein Witz?

Aber ja. Vorgetragen mit todernster Miene. Da muss man sich beim spröden Herrn Hoeneß noch dran gewöhnen.

Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
  Nach oben