Bis Ende des Jahres kein Spiel mehr?

Fußball  Nach der Unterbrechung der Saison im Amaterufußball ist unklar, wann und wie die Runde fortgesetzt wird. Das erneut verschobene Kreispokalfinale, das am Freitag hätte stattfinden sollen, steht womöglich ganz auf der Kippe.

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Die drei Fußballverbände in Baden-Württemberg haben gestern reagiert und die für dieses Wochenende angesetzten Spiele abgesagt.

Foto: imago images/Noah Wedel

So spontan fehlten Johannes Schinko am Donnerstagmittag die Worte. Die Kunde, dass bereits für dieses Wochenende alle Spiele abgesagt wurden, war noch gar nicht bis zum neuen Kreisvorsitzenden der Fußballer in Sinsheim durchgedrungen. "Ich sitze ja nicht ständig vor dem PC", stellte Johannes Schinko deswegen als erstes klar.

Mit der Entscheidung der drei Verbände im Ländle steht fest, dass der Ball ruht. Bis Ende November, mindestens. Neben dem "ganz normalen" Spielbetrieb dieses Wochenendes ist davon vor allem das Finale im Kreispokal, das heute Abend hätte steigen sollen, betroffen.

Ausgerechnet. "Was soll ich dazu sagen", fragte Schinko mit Blick auf die besondere Vorgeschichte dieser Partie, die den Wettbewerb der Vorsaison endlich hätte abschließen sollen. Nachdem der TSV Steinsfurt im August mit einem 3:0 beim noch immer amtierenden Kreispokal-Sieger VfB Eppingen II ins Finale eingezogen war, musste Gegner FC Zuzenhausen II nachsitzen.

Steinsfurt wollte nicht unter der Woche spielen

Das Halbfinale in Sulzfeld musste wegen des positiven Corona-Falls beim FVS ebenso verschoben werden wie das für den 22. August anvisierte Endspiel. Aber damit noch nicht genug, gingen die Terminfindungsprobleme erst richtig los, als Zuzenhausen II nach dem 2:1 nach Verlängerung in Sulzfeld als Final-Gegner feststand.

"Wir wollten auf keinen Fall unter der Woche spielen", sagt Steinsfurts Jannis Richter. Lieber an einem Freitag oder Samstag - damit der Sieger auch feiern kann. Das wollte Zuzenhausen aber nicht, weil es zeitlich zu nah am Spiel der ersten Mannschaft in der Verbandsliga liegt.

Das ist wegen der besonderen Konstellation in Zuzenhausen ein Problem: "Wir wollen den Spielern die Möglichkeit geben das Finale zu spielen, die es sich auch erarbeitet haben", sagt Steffen Schieck. Wie der Coach und sein Co. Marcel Groß sind inzwischen indes auch ein Teil der Spieler der zweiten Mannschaft zur ersten Garnitur aufgerückt. "Deswegen wäre es uns lieber gewesen, nicht freitags zu spielen", sagt Schieck.

Stumpf zweifelt daran, dass das Endspiel noch stattfindet

Jetzt wird gar nicht gespielt. "Das ist ein Nackenschlag", findet Christian Stumpf. Der Trainer der Steinsfurter war nach einer schmerzhaften Darmentzündung gerade erst fit geworden und wie sein Team heiß darauf, den Pokal zum ersten Mal überhaupt nach Steinsfurt zu holen. Entsprechend groß war gestern die Enttäuschung.

Zumal Stumpf mit Blick auf den Lockdown im November die Fantasie fehlt, wann die vielen Spiele nachgeholt werden sollen. "Gerade zweifele ich daran, dass das Finale noch gespielt wird." Damit ist der Steinsfurter Trainer nicht alleine.

"Ich denke, dass wir dieses Finale trotz der ganzen Anstrengungen bisher nicht mehr erleben", sagt Johannes Schinko. Zumal der Pokalwettbewerb, erst recht der Vorsaison, nicht Priorität hat. "Er dient einzig der Siegerfindung. Der Ligabetrieb hat absoluten Vorrang", sagt Schinko. Und der dürfte den Verantwortlichen genug Kopfzerbrechen bereiten. "Sollte tatsächlich bis Ende des Monats kein Training möglich sein, wird es in diesem Jahr wohl auch keine Fußballspiele mehr geben", schätzt er.

Jetzt kommen alternative Modelle ins Spiel

Damit würden bis zu sieben Spieltage ausfallen, die als Nachholspiele in einem ohnehin bereits engen Rahmenplan wieder untergebracht werden müssten - immer vorausgesetzt, es geht irgendwann überhaupt weiter. "Eine Horroraufgabe", sagt Johannes Schinko, der dann ein alternatives Spielmodell für möglich hält. "Vielleicht wird die Vorrunde noch zu Ende gespielt, dann ein Cut gemacht und anschließend eine Auf- und Abstiegsrunde gespielt." Das würde der Verband aber gemeinsam mit den Vereinen auf den Weg bringen wollen.

Die Trainer müssen kurzfristiger denken und sich überlegen, wie sie ihre Spieler jetzt fit halten. "Neben individuellem Training ist wie im Frühjahr auch ein gemeinsames Cybertraining denkbar", überlegt David Pfeiffer vom VfB Eppingen. Trotz der unklaren Lage versucht der Coach des Verbandsliga-Vierten auch das Positive zu sehen: "Der Blick auf die Tabelle macht in den nächsten Wochen Spaß."

Die TTG ist am Sonntag noch gefordert

Das Spiel der Volleyballerinnen des SV Sinsheim diesen Samstag gegen Aufsteiger Saarlouis hatten die Vereine bereits abgesagt. Und auch im Handball ist seit ein paar Tagen klar, dass nicht mehr gespielt wird. Sogar bis Ende des Jahres nicht mehr. Nur die Tischtennis-Frauen der TTG Neckarbischofsheim scheinen ihre Partie am Sonntag in Gamshurst auszutragen. "Stand jetzt spielen wie, außer der Gegner sagt noch ab", sagt Trainer Andreas Dörner. 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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