Schafft der VfR Heilbronn die dritte Meisterschaft in Folge?

Fußball  Seit der Neugründung fährt der VfR Heilbronn Erfolg um Erfolg ein. Nun auch in der Bezirksliga? Der Beginn der langen Saison 2020/2021 steht kurz bevor. Der SV Schluchtern und die Aramäer Heilbronn sind die Hauptkonkurrenten im Kampf um die Meisterschaft.

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Trainer Andreas Lechner (weißes T-Shirt) und der VfR Heilbronn sind ein heißer Anwärter auf die Meisterschaft und würden mit einem dritten Titelgewinn in Folge Geschichte schreiben.

Fotos: Alexander Bertok

Auf die Vereine der Bezirksliga wartet eine Mega-Saison. Die Punktrunde 2020/2021 ist nicht nur die größte von der Anzahl der Mannschaften her gesehen, sie wird auch die längste ihrer Geschichte. Da in der zurückliegenden Saison, die wegen der Coronavirus-Pandemie abgebrochen werden musste und laut Beschluss des Außerordentlichen Verbandstages keine Absteiger ausgewiesen wurden, ist die Bezirksliga auf 19 Mannschaften angewachsen. Gespielt wird vom 22. August 2020 bis 19. Juni 2021. Auf jedes Team warten an 38 Spieltagen 36 Begegnungen.

Der Geheimfavorit ist ein Neuling

Das Feld der Titelfavoriten ist überschaubar, und beschränkt sich im Vorfeld auf ein Trio. Da wäre der Vizemeister SV Schluchtern, der sich durch den Abbruch um seine Titelchance gebracht sah. Groß war zudem der Ärger, dass über die Quotienten-Regelung zwar Meister, aber keine Relegationsteilnehmer ermittelt wurden. Die Aramäer Heilbronn, zuletzt Herbstmeister, aber beim Abbruch nur Tabellendritter, zählen ebenfalls zu den ambitionierten Anwärtern auf Rang eins oder zwei.

Geheimfavorit ist jedoch der VfR Heilbronn, dem etliche Funktionäre und Trainer den dritten Durchmarsch in Folge seit der Neugründung des Vereins im Jahr 2018 zutrauen. Der Kader des unbesiegten Kreisliga-A2-Meisters wurde deutlich verstärkt und ist gespickt mit etlichen Spielern, die schon in der Landesliga oder höher gespielt haben. Schafft es Trainer Andres Lechner erneut, eine schlagkräftige Truppe zu formen, geht der Weg zum Titelgewinn nur über den VfR.

Die spannende Frage ist: Gibt es eine andere Mannschaft, die den "großen Drei" Paroli bieten kann? Die Sportfreunde aus Lauffen, Vierter der Quotienten-Abschlusstabelle wären ein Kandidat, ebenso die SG Bad Wimpfen unter ihrem neuen Trainer Peter Dobmeier, oder der FC Union Heilbronn. Eventuell auch der VfL Brackenheim.

Bezirksligist VfR Heilbronn vor dem dritten Durchmarsch?

Philipp Matyssek hat den SV Schluchtern verlassen und ist Spielertrainer des Friedrichshaller SV.

Auch dem letztjährigen, unerwartet stark aufspielenden fünftplatziertem Aufsteiger FSV Schwaigern wird viel Potenzial nachgesagt. Wie stark Aufsteiger und Bezirkspokalsieger SC Böckingen einzuschätzen ist, das werden die ersten Spiele zeigen. Gleiches gilt für die SGM Krumme Ebene, die mit mehr als achtbaren Testspiel-Ergebnissen auf sich aufmerksam gemacht hat. Was die Siege, unter anderem gegen die Spvgg Neckarelz (Verbandsliga Nordbaden) oder den FV Elztal (Landesliga Odenwald) Wert sind, wird sich alsbald herausstellen.

Für viele Mannschaften geht es um das sportliche Überleben

Bezirksligist VfR Heilbronn vor dem dritten Durchmarsch?

Vizemeister SV Schluchtern muss "kleinere Brötchen backen". Trainer Tobias Weinreuter (gelbes Leibchen) will vorne mitspielen, ohne den Druck Meister werden zu müssen.

Es wird drei, maximal vier Vereine geben, die letztendlich den Titel unter sich ausspielen und ebenso viele, die sich bis zur Winterpause im Niemandsland der Tabelle festsetzen. Zu den Vereinen im gesicherten Tabellenmittelfeld könnten der FV Wüstenrot, Friedrichshaller SV, SC Ilsfeld, Spfr Untergriesheim und die SG Stetten/Kleingartach zählen.

Spätestens ab Platz acht beginnt die Zone, in der die abstiegsgefährdeten Mannschaften ihr Dasein fristen. Der Kampf um den Klassenerhalt könnte spannender werden, als der um die Meisterschaft. Hier geht es für Aufsteiger Türkspor Obersulm ebenso ums Überleben, wie für den TGV Dürrenzimmern, TSG Heilbronn und die Neckarsulmer Sport-Union II.

Durch die Aufstockung der Bezirksliga auf das Rekordniveau von 19 Mannschaften wurde die Zahl der direkten Absteiger zunächst auf sechs Mannschaften festgelegt. Doch da es der Württembergische Fußballverband den Bezirken freistellte, den verschärften Abstieg zum Erreichen der Normzahl von 16 Vereinen in der Bezirksliga auf zwei Spielzeiten auszuweiten, beschlossen die Vereinsvertreter auf dem Staffeltag Folgendes: Statt sechs, gibt es in der nächsten Saison nur vier Direktabsteiger und der Fünftletzte geht in die Relegation.

Der Bezirksvorsitzende Ulrich Preßler vermeldete dann aber: "Nach Rücksprache mit dem Verbandsspielausschuss muss die Anzahl der Direktabsteiger in der Bezirksliga vorsorglich mit fünf angegeben werden, für den Fall, dass beide Unterländer Landesligisten absteigen sollten."

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Viel Anerkennung für den VfR Heilbronn

Vereine, die den Durchmarsch von der B- über die A-Liga in die Bezirksliga geschafft haben, hat es im Fußballbezirk Unterland in den vergangenen knapp 40 Jahren immer wieder mal gegeben, doch dem VfR Heilbronn ist durchaus mehr zuzutrauen. Deren Vorstand Onur Celik und seine Mitstreiter legen seit der Neugründung ein Tempo vor, das unter der Konkurrenz für viel Anerkennung sorgt. "Wir wollen jetzt ein weiteres Mal oben mitspielen und eine bedeutendere Rolle spielen als ein klassischer Aufsteiger", zeigt sich Celik ambitioniert, schränkt aber ein: "Wir kennen die Liga nicht, und daher auch nicht die Stärke der Konkurrenz. Es gibt in dieser Saison zwei ganz große Favoriten, den SV Schluchtern und die Aramäer Heilbronn. Deren Konstanz und Substanz ist in dieser Liga mit keiner anderen Mannschaft vergleichbar."

Bezirksligist VfR Heilbronn vor dem dritten Durchmarsch?

Matthias Örüm, Trainer der Aramäer Heilbronn, hat seinen Kader zusammengehalten und verstärkt.

Celik sieht sein Team "unter den besten Fünf". Die vielen Vorschusslorbeeren aus den Reihen derer Vereine, die vorne zu erwarten sind, bewertet Celik als Ablenkungsmanöver. "Die versuchen, den Druck auf uns zu schieben." Der VfR Heilbronn hat mit seiner ersten Mannschaft letztmals Mitte Mai 2019 ein Punktspiel verloren. "Das war in Langenbrettach, als wir schon Meister der Kreisliga B2 waren", blickt Celik zurück und zählt saisonübergreifend 17 Begegnungen ohne Niederlage auf.

Eine dritte Meisterschaft in Folge wäre geschichtsträchtig

"Man träumt viel und der Glaube ist da, dass wir für eine Überraschung sorgen können. Mit einer dritten Meisterschaft in Folge würden wir Geschichte schreiben", sagt Celik. "Mittelfristig verfolgen wir schon das Ziel, in die Landesliga aufzusteigen. Aber das ist für uns nicht so selbstverständlich, wie es von außen gesehen den Anschein hat, da steckt viel harte und ehrliche Arbeit dahinter. Vom Tempo unserer Entwicklung sind wir selbst überrascht."

Beim VfR sieht man sich dem Druck ausgesetzt, es müsse nun immer so weitergehen. "Wir stehen aber nicht in der Pflicht, Meister werden zu müssen", macht Celik deutlich. "Unser Kader ist in der Breite sehr gut besetzt, das könnte in einer so langen Runde mit 36 Spielen letztlich aber den Ausschlag geben." Auch finanziell stehen die Heilbronner mit dem Aufstieg vor einer neuen Situation. "Dass wir unseren Spielern in der Bezirksliga keine Punktprämie zahlen, ist ein Gerücht", sagt Celik . "Natürlich gibt es eine Aufwands-Entschädigung. Würde ich etwas anderes sagen, wäre das unglaubwürdig."

Mit einer gewissen Zuversicht blicken die Aramäer Heilbronn auf die neue Saison. "Ich gehe stark davon aus, dass wir uns verstärkt haben", sagt Aramäer-Abteilungsleiter Daniel Maroge. "Der Kader ist weitgehend zusammengeblieben, wir haben keinen Leistungsträger verloren, sondern nur Spieler aus der sogenannten zweiten Reihe."

SV Schluchtern hat nicht den Druck, Meister werden zu müssen

In Alexander Loucaridis, Emiliano Campo, Thomas Can und Johannes Mete wurden vier Spieler verpflichtet, die laut Maroge "alle das Potenzial für die Startelf haben". Vorne mitspielen, so lautet das Ziel des ehemaligen Landesligisten. "Es wird insgesamt gesehen, sehr viele Überraschungen geben, es werden Ergebnisse zu Stande kommen, mit denen im Vorfeld keiner rechnet."

"Platz eins bis vier, wir sind einer der Mitanwärter, die um die Meisterschaft mitspielen können", lehnt sich SVS-Trainer Tobias Weinreuter nicht zu weit aus dem Fenster. "Druck gibt es bei uns keinen und schauen wie sich die Situation so entwickelt. Wir müssen in dieser Runde kleinere Brötchen backen." Weinreuter blickt, was die Top-Kandidaten betrifft, ins Frankenstadion. "Die beiden Heilbronner Clubs haben sich im Vergleich zu uns deutlich mehr verstärkt." In Schluchtern zählt man Schwaigern und Lauffen zu den Teams mit Überraschungspotenzial. "Es wird spannend zu sehen, welche Vereine nach dieser langen Pause am schnellsten in die Saison finden.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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