Besonderes Arbeitsplatzmodell bei den Neckarsulmer Fußballern

Fußball  Nico Bayha und Lukas Mai sollten sich im Oberliga-Tor abwechseln, nun wird einer der beiden Neckarsulmer Keeper vorerst ausgebremst. An diesem Samstag kommt Kellerkind SSV Reutlingen auf den Pichterich.

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Zupackender Typ: Sommer-Neuzugang Lukas Mai wird in den nächsten Wochen das Tor von Oberligist Neckarsulmer Sport-Union hüten.

Foto: Archiv/Krüger

Es gibt einige unumstößliche Gesetzmäßigkeiten im Fußball, die über Herberger-Weisheiten hinausgehen. Der Ball ist rund, ein Spiel dauert 90 Minuten. Und ein Trainer braucht eine klare Nummer eins im Tor. Einer, der immer spielt. Bei Oberligist Neckarsulmer Sport-Union ist diese Saison alles anders auf dieser so wichtigen Position. Das liegt an einer Hüftbeugeroperation bei Marcel Susser, eigentlich seit Jahr und Tag die Nummer eins. Seit August und mindestens bis November fällt Susser aus. Nico Bayha startete als Vorjahresnummer zwei als neue Nummer eins in die Saison, wurde aber immer wieder ausgebremst. Ein Oberligaspiel verpasste er, weil er Vater wurde, dann warf ihn eine Schulterverletzung zurück. So schlug die Stunde des im Sommer kurzfristig verpflichteten Lukas Mai aus Bonfeld, 21 Jahre alt, zuletzt bei Wormatia Worms aktiv.

 

Beide Keeper sind auf Augenhöhe

Mai machte wie auch Nico Bayha zuvor seine Sache gut - und stürzte das Neckarsulmer Trainerteam in ein Dilemma, das auf ungewöhnliche Art gelöst wurde. "Mit beiden Torhütern war besprochen, dass sie sich abwechseln", sagt Trainer Marcel Busch vor dem Heimspiel gegen den SSV Reutllingen an diesem Samstag (14 Uhr, Pichterichstadion). Der Modus: zwei Spiele für den einen, zwei Spiele für den andern. Ein Job-Sharing der besonderen Art. "Solange sich beide auf Augenhöhe befinden und das Modell funktioniert, lassen wir es so", sagt Marcel Busch.

Das Modell besteht vorerst nur noch auf dem Papier. Denn Nico Bayha hat sich beim 1:1 in Freiberg am vergangenen Samstag einen Finger gebrochen. Der 25-Jährige aus Hohenlohe muss nun für fünf, sechs Wochen zuschauen. Lukas Mai wäre absprachegemäß am Samstag eh wieder dran gewesen, nun macht er aber mehr als zwei Spiele am Stück - und ist aktuell der einzig fitte Keeper aus dem Trio Susser, Bayha, Mai.

 

Kreative Lösungen sind auch in der Offensive gefragt

Auch am anderen Ende des Spielfelds, vorne im Sturm, sind die Neckarsulmer Personalsorgen groß. Die offensiven Fachkräfte Alex Albert, Domenico Botta, Mario Cancar, Pasqual Pander waren und sind verletzt/angeschlagen. Auch hier fanden Marcel Busch und Nikola Grgic zuletzt eine kreative Lösung.

Fußball ist manchmal eben doch Rasenschach. In Freiberg wurde der Turm Steven Neupert von der Sechserposition zum Springer im Sturm. Ein Schachzug, der aufging. Mannschaftskapitän Steven Neupert erzielte das Neckarsulmer Tor in Freiberg. "Das hätte er in defensiverer Rolle nicht gemacht", ist sich Marcel Busch sicher. Der verdiente Punkt beim Überteam der Oberliga aus Freiberg (zumindest auf dem Papier) war ein schmerzhaftes Erlebnis. Marco Romano nahm eine Zerrung mit nach Hause, Claudio Bellanaves Souvenir als Cut überm Auge ist deutlich besser sichtbar. Philipp Seybold wurde böse umgegrätscht. "Zum Glück ist unser Kader groß", sagt Marcel Busch, der mit einer kleinen Gruppe diese Woche im Training vorlieb nehmen musste.

Klares Ziel: der nächste Heimsieg

Yannick Eitelwein und der zuletzt starke Nicolai Bauer hat jeweils eine Erkältung erwischt. Bei Leon Rasic und Robin Neupert sollte es zumindest für einen Platz auf der Bank reichen. Marcel Busch wird wieder als Improvisationskünstler gefordert sein. Das ändert aber nichts am Arbeitsauftrag für die Startelf. "Unser klares Ziel ist ein Heimsieg", sagt Busch vor dem Duell des Tabellenneunten (17 Zähler, elf Partien) mit den Reutlingern, die mit gerade einmal fünf Punkten aus acht Spielen im Oberligakeller feststecken. Auch weil man im Gegensatz zu Neckarsulm eine Corona-Zwangspause einlegen musste. "Die nächsten drei, vier Wochen stellen die Weichen für diese Saison", blickt Marcel Busch schon einmal voraus. Sich vorne festbeißen, den Abstand auf die Abstiegsränge vergrößern, das ist die Devise: "Wir wollen unsere gute Ausgangslage nicht verschenken", sagt Marcel Busch.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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