Bei den Fußballern der NSU bleibt nicht nur der Trainer

Fußball  Marcel Busch hat lange überlegt, dann aber doch verlängert. Der 38-Jährige geht im Sommer in seine vierte Spielzeit als Übungsleiter des Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union.

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Marcel Busch bleibt über die aktuelle Punktrunde hinaus eine weitere Saison Chefcoach des Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union. Auch die ersten Spieler haben ihre Zusage für 2021/22 gegeben. Foto: Alexander Bertok

Marcel Busch hat sich vor seinem Ja-Wort so viel Bedenkzeit wie noch nie gelassen. Das hat nichts damit zu tun, dass man derzeit mitunter mehr Freizeit hat, als einem lieb ist. "Ich habe mir lange Zeit genommen, um mit Frau und Kindern zu reden", sagt Marcel Busch, der seit 2018 Trainer beim Fußball-Oberligisten ist. Die Familie gab grünes Licht.

"Ohne ihr Okay würde ich den Job nicht machen", sagt der Lehrer, für den nur zwei Optionen in Frage kamen: "Entweder ich mache in Neckarsulm weiter oder ich höre als Trainer ganz auf."

Nach den Weihnachtsferien sagte Busch zu

Marcel Busch bleibt auch in der Spielzeit 2021/22 Trainer der klassenhöchsten Fußball-Vereins in der Region, er hat seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängert. Nach den Weihnachtsferien gab es die Zusage. Auch, weil die vergangene Spielzeit unvollendet blieb, der aktuellen ein ähnliches Schicksal droht - und Busch seine Spielerkarriere nach einer Verletzung von heute auf morgen beendete.

"Es muss nicht schon wieder irgendwas unvollendet bleiben", sagt er - und lacht ins Telefon. Die Devise dabei: "Ich will einfach von Jahr zu Jahr schauen. Wenn die Familie zu sehr darunter leidet, dann wäre Schluss", sagt Busch, der wie es in Neckarsulm Tradition ist, um ein Jahr verlängert hat.

Mit seinem Ja-Wort für die Spielzeit 2021/22 ist er nicht alleine. Auch Co-Trainer Nikola Grgic bleibt der NSU treu, dazu die Teamleader Steven Neupert und Maximilian Gebert. Auch Eigengewächs Jan Stascak steht für eine weitere Spielzeit im Wort. Der Sportliche Leiter Thorsten Damm spricht in Sachen Vertragsverlängerungen von einem Fünferpack. Doch eigentlich ist es ein Sechserpack, denn auch Damm bleibt der Neckarsulmer Sport-Union treu. "Es macht einfach Spaß in der Konstellation mit dem Team ums Team", sagt Marcel Busch.

Spieler werden aktuell nach "Corona-Tarif" bezahlt

Dass es gemeinsam weitergeht, ist ein Signal. Anders als beim Handball-Oberliga-Pendant. Dort spart sich die Sport-Union die Oberligamannschaft künftig ein. Bei den Fußballern soll auch künftig finanziell wie sportlich auf dem Niveau dieser Saison operiert werden. "Wenn wir ein paar Euro einsparen können, dann tut uns das allen gut. Im Prinzip wollen wir alles so lassen", sagt Rolf Härdtner.

Im Moment werde nach "Corona-Tarif" bezahlt, sagt der Vereinsvorsitzende, ohne konkrete Zahlen zu nennen. "Die Jungs sind sehr vernünftig, dafür muss man sie auch mal loben", sagt Härdtner. Dem Vernehmen nach verzichten die Fußballer auf 70 Prozent, bei anderen Oberligisten fließt aktuell gar kein Geld. Kein Spielbetrieb, keine Bezahlung lautet dort die Devise.

Allenfalls die Beendigung der Hinrunde scheint realistisch

Die große Frage bei allen Vereinen lautet : Wie geht es weiter in der Oberliga Baden-Württemberg mit ihren 21 Teams? Illusorisch geworden ist mittlerweile das angedachte Playoff-Modell, denn dafür müsste der Spielbetrieb Anfang März beginnen. Durch die Verlängerung des Lockdowns bis mindestens Mitte Februar erscheint allenfalls die Beendigung der Hinrunde ab Anfang April noch möglich. "Aber der Glaube, dass der Ball diese Saison noch mal rollt wird von Woche zu Woche kleiner", sagt Rolf Härdtner.

Laufen, mehr bleibt den Oberliga-Akteuren derzeit nicht übrig. Wochenlang gab es von Trainer Marcel Busch Laufpläne für seine Spieler, aktuell setzt er auf die Eigenverantwortlichkeit einer Jungs. "Die sind professionell genug", sagt er. Zudem zieht es ja jeden in diesen Zeiten an die frische Luft. "Ich laufe auch drei Mal die Woche", sagt der Ex-Profi, der mit seinen Spielern per Telefon und Whatsapp in Kontakt bleibt.

Den eigenen Fußball-Horizont erweitert Busch, indem er die Spiele von alten Weggefährten wie HSV-Trainer Daniel Thioune schaut. Auch sein Schwager Alexander Ende als Cheftrainer bei Regionalligist Fortuna Köln ist derzeit im Spielbetrieb gefordert. "Das ist dann keine Fortbildung im eigentlichen Sinn, aber man bleibt mit dem Spiel in Kontakt", sagt Busch.

Engerer Kontakt ist momentan unmöglich.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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