Luca Pfeiffer: Aus Hohenlohe in die Champions League

Fußball  Der Gommersdorfer Luca Pfeiffer erlebt seine Champions-League-Premiere und darf als Joker mit dem FC Midtylland beim FC Liverpool ran.

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Schau mir in die Augen, Kleiner! 1,96-Meter-Mann Luca Pfeiffer (links) nach dem Spiel mit Liverpools Xherdan Shaqiri (1,69 Meter)

Foto: imago images/PA Images

Luca Pfeiffer huschte ein Lächeln übers Gesicht, wie er da so in der 81. Minute an der Seitenlinie stand. Er zog die Stutzen hoch, richtete das weiße Trikot des FC Midtylland und rannte los, raus aufs Spielfeld des FC Liverpool. Das Theater der Träume liegt ja eigentlich rund 50 Kilometer entfernt in Manchester, das Stadion von Manchester United wird so genannt. Aber für Luca Pfeiffer aus dem kleinen Gommersdorf verwandelte sich die ruhmreiche Anfield Road des FC Liverpool am Dienstagabend ins persönliche Theater der Träume. "Ich hätte nie gedacht, dass ich da mal spiele. Da ging schon ein Traum in Erfüllung", sagt Luca Pfeiffer am Tag nach seinem Champions-League-Debüt am Telefon: "Wenn mir das jemand vor vier Jahren oder drei Monaten erzählt hätte, ich hätte ihn ausgelacht."

Gerade einmal 115 Tage liegen zwischen jenem 4. Juli, an dem Luca Pfeiffer mit seinem 15. Saisontor in der 3. Liga die Würzburger Kickers zum Zweitligaaufstieg schoss und diesem 27. Oktober und den ersten Minuten auf der größten europäischen Fußballbühne, der Champions League. Anfang Oktober wechselte Luca Pfeiffer für die Würzburger Rekordsumme von 1,5 Millionen Euro von den dortigen Kickers zum dänischen Meister FC Midtylland.

Erste Minuten in der Champions League

Den ersten Toren für die zweite Mannschaft folgte am vergangenen Wochenende der erste Joker-Einsatz in der dänischen Liga. Nun kamen die ersten Minuten in der Champions League dazu. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht", sagt der 24-Jährige. Die Dänen zeigten am Dienstagabend ein starkes Spiel, hielten lange mehr als nur mit und verpassten kurz vor Spielende das durchaus verdiente 1:1.

Am Ende sicherte sich die Klopp-Truppe mit einem 2:0 die drei Punkte. Pfeiffer nahm hingegen ein Souvenir fürs Leben mit nach Jütland. Das Trikot von Abwehrspieler Joe Gomez. "Wenn man mal vor so einem Spieler steht, dann fragt man", sagt Luca Pfeiffer über die Begegnung mit Profis, die auch er sonst nur aus dem TV oder vom Konsolenspiel kennt. "Das wird in nächster Zeit vielleicht noch drei, vier Mal auf mich zukommen", ahnt er mit Blick auf den Spielplan. Bergamo und Amsterdam heißen die weiteren Reiseziele für den Außenseiter.

Dänen setzen auf datenbasiertes Scouting

Die Dänen mischen den Fußball ihres Landes seit Jahren durch datenbasiertes Scouting auf. Vereinfacht ausgedrückt: Man füttert den Computer mit erhobenen Daten und lässt ihn Algorithmen berechnen. Am Ende steht die Frage: Welcher bezahlbare Spieler ist der richtige für uns? Welcher vielleicht unterschätzt, noch nicht so auf dem Radar? "Es war überraschend, dass es mich trifft", sagt Luca Pfeiffer über seinen Wechsel.

Das alles erinnert stark an die Baseballer aus Oakland, deren Weg, aus wenig Geld viel Erfolg zu machen, 2011 in "Moneyball" mit Brad Pitt verfilmt wurde. Wie in einem Hollywoodfilm ist sich auch Luca Pfeiffer am Dienstagabend vorgekommen. Der 24-Jährige wurde in der gleichen Minute eingewechselt wie ein anderer ehemaliger Hoffenheimer beim Gegner. Dessen Name: Roberto Firmino. Brasilianischer Nationalspieler. Englischer Meister. Champions-League-Sieger.

Firmino verließ den Kraichgauclub für mehr als 40 Millionen Euro, Pfeiffer ging 2013 ablösefrei aus der U17 der TSG Hoffenheim zum FSV Hollenbach zurück, wo er bis vor vier Jahren spielte. Über die Stuttgarter Kickers, den VfL Osnabrück und die Würzburger Kickers ist er beim dänischen Meister gelandet. Nun kreuzten sich ihre Wege am Spielfeldrand und auf dem Spielfeld.

Stolzer Vater schaut sich Spiel im Fernsehen an

Ein Hohenloher in der Königsklasse des Fußballs. "Das hat es auch noch nie gegeben", sagt Vater Karl-Heinz Pfeiffer am Tag danach. "Das macht mich schon Stolz", sagt der sympathische und heimatverbundene Luca Pfeiffer. Den Mittwochabend verbrachte er übrigens vorm Fernseher. Die Champions League lief natürlich.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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