Aufatmen der Hoffenheimer: unwahrscheinlich wichtig, unwahrscheinlich glücklich

Fußball  TSG feiert beim 3:1 gegen den VfL Wolfsburg ein Comeback und den ersten Heimsieg dieser Saison. Andrej Kramaric trifft wieder.

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Fingerzeig zum Kumpel auf der Tribüne: Hoffenheims Christoph Baumgartner jubelt über sein Tor zum 2:1 im Spiel gegen den VfL Wolfsburg. "Wir haben es aufgrund der Mentalität und des Willens gewonnen", sagte der Österreicher.

Foto: dpa

Im modernen Fußball wird das Spiel ja in allerhand Werte zerlegt. Torerzielungs-Wahrscheinlichkeiten, zu erwartende Tore. Und dann sind da Spiele wie das 3:1 der TSG Hoffenheim gegen den VfL Wolfsburg. Mit Dingen, die nicht berechenbar sind, für die keine Wahrscheinlichkeiten ausgewiesen werden. Drei Hoffenheimer Tore gegen die bisher beste Abwehr der Liga? Unwahrscheinlich. Ein Ende der TSG-Sieglos-Serie nach einer schwachen ersten Hälfte und einem 0:1-Rückstand? Noch unwahrscheinlicher. Umso größer sah die Erleichterung bei allen Hoffenheimer Protagonisten aus: "Das war ein Sieg, den wir benötigt und erzwungen haben", sagte Trainer Sebastian Hoeneß über unwahrscheinlich wichtige drei Punkte.

Stürmer Andrej Kramaric erzielte sein erstes Saison-Tor per Kopf. Gegen eine bisher fast unüberwindbare Wolfsburger Defensive (zwei Gegentore in fünf Spielen), mit baumlangen Jungs wie Anthony Brooks, die einen Kopf größer sind als der Kroate. "Wenn ich jetzt hätte wählen müssen, dann hätte ich eher auf einen Abschluss mit dem Fuß gesetzt", sagte Sebastian Hoeneß über das Kramaric-Tor zum 1:1 in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. "Ich war ganz ruhig", sagte Kramaric über seine beendete Flaute.

Kramaric: Fast 500 Minuten ohne eigenen Treffer

Es sei ja nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er trifft. "Dass es heute ist, umso schöner", sagte Sebastian Hoeneß über den Abschluss der fast 500 minütigen Torlosserie des 30-Jährigen. Mit ihr endeten auch andere, unübersehbare Schwachpunkte im TSG-Spiel. Hoffenheim hatte große Probleme mit dem Wolfsburger Pressing und dem eigenen Spielaufbau. "Man hat gemerkt, wie unsicher wir gestartet sind", sagte Christoph Baumgartner und sprach von "Angsthasenfußball".

Wie schon beim 0:2 gegen Mainz und dem 0:0 in Bielefeld offenbarten die Kraichgauer erneut Startschwierigkeiten und spielerische Mängel. "Wir sind im Training vom Spielerischen her drei Level höher als hier am Anfang", sprach Christoph Baumgartner Klartext. David Raums Ballverlust an der Mittellinie und Pavel Kaderabeks Zweikampfverhalten ermöglichten Wolfsburgs Nationalspieler Ridle Baku den sehenswerten Distanzschuss zum 1:0 in der 25. Minute. Der Tabellenzweite war klar besser. "Wenn wir das 2:0 machen, dann ist das Spiel vorbei", grantelte Wolfsburgs Trainer Mark van Bommel hinterher.

Ausgerechnet Kaderabek und Raum

Wahrscheinlich völlig unwahrscheinlich: Ausgerechnet jene zwei Hoffenheimer, die beim Wolfsburger Tor schlecht aussahen, glänzten danach mit jeweils zwei Torbeteiligungen. Linksverteidiger Raum trat die Ecke zum 1:1. Kurz vor der Pause wirkte das laut Hoeneß wie ein "Energielieferant".

In Durchgang zwei traf die TSG dann "aus dem Nichts" wie es Wolfsburgs Mark van Bommel formulierte. Florian Grillitsch setzte Pavel Kaderabek in Szene, der von der Grundlinie aus den Ball an den Elfmeterpunkt zurücklegte. Christoph Baumgartner vollendete nach 73 Minuten zum 2:1. Der Österreicher stürzte bei seinem Jubellauf in Richtung von Kumpel und Landsmann Stefan Kulovits auf der Tribüne (gerade beim SV Sandhausen als Trainer entlassen) über ein Banken-Werbebanner am Spielfeldrand. Der Werbeslogan am Samstag: Baumgartner macht den Weg frei. Das 3:1 kurz danach den Deckel drauf. Ein Freistoß von David Raum landete in der 81. Minute am Pfosten, der Abpraller auf Pavel Kaderabeks Fuß.

Baumgartner: Aufgrund der Mentalität und des Willens gewonnen

Der Jubel war groß, die Erleichterung über die Punkte sechs, sieben und acht im sechsten Bundesligaspiel noch größer. "Wir wussten, dass wir in einer schweren Phase sind, in der es nur mit Kampf geht. Wir haben es aufgrund der Mentalität und des Willens gewonnen", sagte Christoph Baumgartner.

Ja, es war wahrscheinlich auch viel Hoffenheimer Glück dabei am Samstag. "Das Spiel hätte auch in die andere Richtung kippen können", sagte Kapitän Oliver Baumann. 75 Minuten nach Spielende machte er maskiert zahlreiche kleine TSG-Fans unwahrscheinlich glücklich, weil er Autogramme vor der Sinsheimer Arena verteilte.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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