"Annullieren darf nicht die Lösung sein"

Fußball  Martin Kleinschrodt, der Trainer des Fußball-Verbandsligisten FSV Hollenbach, hofft auf eine sportliche Wertung der Saison, egal wie. Eine Annullierung der Saison wäre für ihn keine faire Lösung.

Von unserem Redakteur Marc Schmerbeck
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Martin Kleinschrodt hält eine Annullierung für unfair.

Foto: Marc Schmerbeck

Martin Kleinschrodt ist seit der letzten Mitteilung des Württembergischen Fußballverbands (WFV) nicht glücklich, da alles auf den 9. Mai fixiert ist, ohne kurzfristige Änderungen zu berücksichtigen. Denn es hieß von Seiten des Verbandes in dieser Woche, es sei unwahrscheinlich, dass diese Saison - selbst nur die Vorrunde - zu Ende gebracht werden kann. Der Trainer des Verbandsligisten FSV Hollenbach will auf alle Fälle vermeiden, dass die Spielzeit annulliert wird. "Wir als Verein haben uns deshalb an den WFV gewandt", sagt er.

Herr Kleinschrodt, wie haben Sie auf die letzte Nachricht des Württembergischen Fußballverbandes reagiert?

Martin Kleinschrodt: Ich habe mir in den vergangenen Tagen viele Gedanken gemacht. Wir als Verein haben uns jetzt auch an den WFV gewandt. Denn auf Grundlage der geänderten Situation durch Virus-Mutationen und stockende Impfungen, sollte nochmal darüber nachgedacht werden, den möglichen Re-Re-Starttermin vom 9. Mai weiter nach hinten zu schieben und die Saison zu verlängern. Man muss alle Möglichkeiten ausloten, um die Saison sportlich werten zu können.

 

Warum?

Kleinschrodt: Annullieren darf nicht die Lösung sein. Man muss doch schauen, den Spielern gerecht zu werden, die etwas leisten. Wenn es nochmal eine Saison ohne Auf- und Absteiger geben würde, werden wieder die belohnt, die wenig geleistet haben. Wir müssen da entgegenwirken. So eine Ungerechtigkeit darf nicht sein. Wir haben noch acht Spiele, das muss doch machbar sein. Zur Not müssen wir unter der Woche spielen.

 

Und wie soll das funktionieren?

Kleinschrodt: Der WFV soll ein vernünftiges Hygienekonzept entwerfen. Wer sich nicht daran hält, wird disqualifiziert. Dann funktioniert es. Einfach spielen und daheim duschen und umziehen. Wir wollen einfach Fußball spielen. Aber es wird wieder auf den Inzidenzwert geschoben. Man könnte das Saisonende doch weiter nach hinten schieben. Absagen kann man immer noch. Denn was ändert sich für uns bei einer späteren Absage? Nichts. Aber wieder eine Annullierung der Runde wäre für mich das Schlimmste. Dann lieber verlängern und ohne Sommerpause weitermachen. Die Jungs wollen kicken und keine Sommerpause.

 

Sie haben eine Qualifikationsrunde oder Auf- und Abstiegsplayoffs ins Spiel gebracht ?

Kleinschrodt: Ja, warum können wir nicht eine Qualifikationsrunde in der Vorbereitung zur neuen Runde spielen. Es geht da ja auch nur um wenige Mannschaften. Im Pokal ist das vergangene Runde auch gegangen. Und ich glaube, da wären auch alle Teilnehmer einverstanden, weil sie so zumindest die Chance zum Aufstieg hätten. In der Oberliga könnte es ja auch passieren, dass nach nur wenigen Spielen mögliche Aufsteiger in die Regionalliga bestimmt werden.

 

Wäre es für Sie eine Lösung, wenn die bisherigen Punkte mitgenommen werden und die Runde nach dem Sommer weitergespielt wird? So wie es in Bayern geplant war?

Kleinschrodt: Wenn dann die ganze Saison fertig gespielt werden würde, wäre es die letzte Variante, aber immer noch dem Annullieren vorzuziehen. Man muss doch davon ausgehen, dass auch noch eine vierte Welle kommt. Dann hätten wir wieder die Terminprobleme.

 

Warum glauben Sie, dass es eine vierte Welle gibt?

Kleinschrodt: Es gibt Leute, die sind einfach total undiszipliniert und übernehmen keine Verantwortung. Die Verantwortung, die sie auch gegenüber den anderen haben, sehen viele nicht. Und mit dem Impfen werden wir nicht schnell genug vorankommen. Deshalb brauchen wir Alternativkonzepte. Und Freiluftsport geht doch, das zeigen die Profiligen. Warum sollte es im Amateursport nicht funktionieren? Zur Not ohne Zuschauer.


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