Wildes 3:3 zwischen Hoffenheim und dem VfB

Sinsheim  Die Hoffenheimer: konsterniert. Die Stuttgarter: dann doch keine Verlierer. In der vierten Minute der Nachspielzeit schoss der VfB das 3:3 im badisch-schwäbischen Prestigeduell, das vierte Unentschieden in Folge für die Stuttgarter. Die enorm coronageplagte TSG verpasste den erträumten Befreiungsschlag.

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Der Hoffenheimer Andrej Kramaric (li.) im Zweikampf mit VfB-Profi Wataru Endo. Foto: Uwe Anspach/dpa

Es sah so aus, als würden Sebastian Hoeneß und Pellegrino Matarazzo beim selben Herren-Ausstatter einkaufen. Schwarze Jacken, schwarze Hosen, weiße Sneakers. Am Schluss standen dann auch beide Trainer mit jeweils einem Punkt da. Marc Oliver Kempf hatte  im Bundesliga-Landesduell für den VfB Stuttgart ganz spät getroffen und Coach Matarazzo damit vor der Niederlage gerettet.

Die richtigen Worte

TSG-Trainer Sebastian Hoeneß hatte in der Halbzeitpause eigentlich alles richtig gemacht. Seine Hinweise und Umstellungen fruchteten. In der ersten Halbzeit war der VfB Stuttgart die bessere Mannschaft gewesen, hatte mit 2:1 geführt, doch dann war Hoffenheim richtig drin im Spiel, bissiger, willensstärker, aktiver, mit einer Ordnung auf dem Feld, die plötzlich funktionierte. Es sah nach einer Drei-Punkte-Wende aus, als Torjäger Andrej Kramaric in der 71. Minute per Elfmeterschuss zum 3:2 traf. Der Kroate war nach seiner Corona-Zwangspause in die Hoffenheimer Mannschaft zurückgekehrt und sorgte in diesem Moment für große Erleichterung bei den zuletzt enorm coronageplagten Badenern, aber letztlich nicht für ein Happy End. Ryan Sessegnon hatte zum 2:2 ausgeglichen (48.), Christoph Baumgartner war zum 1:0 erfolgreich gewesen (16.).

Die Top-Szene: Wamangituka trifft und González muss verletzt raus 

Es lief die 27. Minute, als es sich so richtig lohnte, genau hinzuschauen. Erst köpfte VfB-Stürmer Nicolás González den Ball an die Latte des Hoffenheimer Tores, dann traf Silas Wamangituka beim Nachschuss den rechten Pfosten, schließlich war es erneut der Stuttgarter Linksaußen, der  den wiederum abgeprallten Ball beim zweiten Versuch ins TSG-Tor bugsierte. Es war die 2:1-Führung für die schwäbischen Gäste. Der Treffer hatte allerdings einen bitteren Beigeschmack, denn beim Fallen nach seinem Kopfball verletzte sich Nicolás González und musste in der 32. Minute den Platz verlassen. Zuvor hatte er seinen Tore-Lauf fortgesetzt und zum 1:1 getroffen (18.). Tor Nummer fünf in Folge nach den Elfmeter-Treffern in der Liga auf Schalke und gegen Frankfurt sowie seinen beiden von je einem Tor gekrönten Länderspielauftritten im argentinischen Nationaltrikot.

Überraschungsposition des Nachmittags: Bebou verteidigt

Eigentlich ist Ihlas Bebou Stürmer. So steht es in den Datenbanken, so weiß man es. Aber im Duell mit dem VfB Stuttgart war Bebou in der ersten Halbzeit sehr oft als Rechtsverteidiger gefordert. Sein Gegenspieler auf der Außenbahn war Silas Wamangituka. Und der Stuttgarter Stürmer zwang Bebou mit seinem Vorwärtsdrang immer wieder ganz weit nach hinten. Silas Wamangituka ist ein verdammt schneller Mann. Vor der Partie wies er bei bundesliga.de mit 35,42 km/h den Liga-Spitzenwert in der Kategorie Top-Speed auf. Nach der Halbzeitpause blieb Bebou konsequent im Angriff. Wamangituka wechselte nach einer Stunde Spielzeit auf die rechte Seite des VfB-Spiels, forderte dann Ryan Sessegnon.

Blick auf die Statistik: Sechstes Spiel ohne Sieg für Hoffenheim

Die TSG Hoffenheim hatte von den vorangegangenen fünf Heimspielen gegen den VfB vier gewonnen, hinzu kam ein Unentschieden. 13 Tore hatten die Kraichgauer in diesen fünf Partien erzielt, die Stuttgarter nur vier. Seit dem 15. Februar 2014 ist die TSG zu Hause gegen den VfB ungeschlagen. Das gilt weiterhin. Immerhin, die Stuttgarter verlängerten beim 3:3 im Sinsheimer Stadion ihre Bundesligaserie auf sieben Spiele in Folge ohne Niederlage. Aber das war eine ganz knappe Sache. Die von großer Personalnot geplagte TSG Hoffenheim blieb im sechsten Ligaspiel hintereinander ohne Sieg. 

Stenogramm:
TSG Hoffenheim: Baumann - Posch, Nordtveit, Akpoguma - Bebou, Grillitsch (76., Gacinovic), Samassekou, Geiger, Sessegnon -  Baumgartner (86. Klauss), Kramaric (90+1. Beier) 

VfB Stuttgart: Kobel - Stenzel (75. Klement), Anton, Kempf -   Endo,  Mangala - Castro (75.Förster), Didavi (59. Klimowicz) - Coulibaly (59. Sosa), González (32. Kalajdzic), Wamangituka

Tore: 1:0 Baumgartner (16.), 1:1 González (18.), 1:2 Wamangituka (27.), 2:2 Sessegnon (48.), 3:2 Kramaric (71., Elfmeter), 3:3 Kempf (90. + 4) 


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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