Andrej Kramaric: Vom Elfmeterpunkt ins Geschichtsbuch

Fußball  Der Stürmer der TSG Hoffenheim wird mit zwei verwandelten Strafstößen beim 3:0 gegen den 1. FC Köln zum erfolgreichsten kroatischen Bundesligatorjäger. 74 Treffer gelangen ihm in gerade einmal 146 Spielen.

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Der Blick geht nach oben: Andrej Kramaric, hier beim Jubel nach seinem 73. Bundesligator − hat eine neue Zahl vor Augen: die 100. Foto: imago images/Jan Huebner

Andrej Kramaric bedeuten Rekorde durchaus etwas. 22 Monate ist es her, dass der kroatische Stürmer mit seinem 47. Bundesligator zum Rekordtorschützen der TSG Hoffenheim in der deutschen Eliteliga aufstieg. Nach einem 4:1 gegen Leverkusen streifte er sich noch auf dem Spielfeld das graue T-Shirt mit dem Schriftzug "Rekordtorschütze" über, ließ sich von den Fans feiern. Im Fan-Shop ging das Shirt für 19.95 Euro über den Tresen.

Jubel, Trubel, Heiterkeit. Im Januar 2021 sind nicht nur in Sinsheim die Arenen leer, Fan-Shops geschlossen. Beim 3:0 (2:0) der TSG Hoffenheim gegen den 1. FC Köln hat Andrej Kramaric am Sonntagabend den nächsten Karriere-Meilenstein erreicht. Mit einem eher unspektakulären Elfmetertor (Handspiel Sava-Arangel Cestic) in der 7. Minute hat sich der Kroate ins Buch der Bundesligarekorde eingetragen und seinen Landsmann Ivica Olic als erfolgreichsten Landsmann aus selbigem verdrängt.

In der 74. Minute legte er erneut vom Punkt das 3:0 nach, weil der Ex-Hoffenheimer Anthony Modeste Christoph Baumgartner gefoult hatte. Der junge Österreicher verantwortete das sehenswerte Hacken-2:0 (28.).

Hoeneß zum Rekord: "Innerhalb von fünf Jahren - das ist einfach stark"

Ivica Olic erzielte einst 72 Tore, unter anderem für den FC Bayern, Kramaric steht nun bei 74 in gerade einmal 146 Spielen. "Innerhalb von fünf Jahren zum kroatischen Topscorer zu avancieren, das ist einfach stark", sagt Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß.

Fast zwei Jahre, so erzählt es Andrej Kramaric, habe er auf diesen Moment am Sonntagabend hingearbeitet. Seit jenem Freitagabend im März 2019. "Der Olic-Rekord war in meinem Kopf drin", verriet er im Vereins-TV. Er werde mit Olic telefonieren, versprach Kramaric nach dem 3:0 am Sonntag lächelnd. "Ich habe nie gedacht, dass ich den Rekord schaffe." Nach dem einen Rekord ist vor dem nächsten.

Frostige Erinnerungen an harte Anfangszeiten

So tickt dieser Stürmer, der seit ziemlich genau fünf Jahren an der Hoffenheimer Erfolgsgeschichte mitschreibt. Im Januar 2016 kam er leihweise von Leicester City. Tauschte den Tabellenführer der Premier League gegen Bundesliga-Abstiegskampf ein. "Es war kalt, es lag Schnee", erinnert sich der 29-Jährige an harte Anfangszeiten: "Wir sind drin geblieben. Der Rest ist Geschichte." Es folgten: "Viele, viele schöne Momente." Die besten TSG-Jahre seit 1899 sind eng mit Andrej Kramaric verknüpft, den Sportchef Alexander Rosen zum "Unterschiedsspieler" kürte.

Andrej Kramaric: Vom Elfmeterpunkt ins Geschichtsbuch

Der dritte Heimsieg der Saison der TSG Hoffenheim ist ein Erfolg der ganzen Mannschaft − aber einer ragt heraus: Doppeltorschütze Andrej Kramaric (r.). Foto: dpa

Geht es dem flexiblen Stürmer gut, dann steht auch der Kraichgauclub gut da. Das weiß auch der aktuelle Trainer Sebastian Hoeneß, der den besten Kramaric in den ersten Saisonwochen erlebte: "Wir haben alle gesehen, dass er zu diesem Zeitpunkt der beste Spieler der Bundesliga war." Dann kam Corona. Raubte ihm Gesundheit, Form, Fitness und Präzision. Beim 3:0 in Berlin traf Kramaric am Dienstag bereits doppelt, steht nun bei zwölf Toren in 14 Spielen.

Außergewöhnlich in puncto Raumgefühl und Spielintelligenz

"Er erarbeitet sich die Dinger, er läuft sehr viel, ist sehr viel unterwegs", lobt Hoeneß den 1,77 Meter-Mann. "Er ist in puncto Raumgefühl und Spielintelligenz außergewöhnlich. Das sind Sachen, die du an keinen Werten ausmachen kannst, aber die du bemerkst, wenn du ihm zuschaust", hat der aktuell verletzte TSG-Kapitän Benjamin Hübner das Tor-Phänomen Andrej Kramaric einmal beschrieben. Gut für Hübner und alle bei der TSG: "Er weiß, was er an Hoffenheim hat, dass er hier funktioniert."

Ein neues Ziel hat Kramaric längst vor Augen. Es ist nur noch 26 Treffer entfernt. "100 Tore in der Bundesliga, das wäre ein schöner Moment", sagt er. Einer, der sich dann hoffentlich auch wieder in einem vollen Stadion genießen lässt.

 

Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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