Am Tischkicker macht VfB-Trainer Matarazzo alles richtig

Fußball  Pellegrino Matarazzo sammelt als Trainer des VfB Stuttgart im Degerlocher Quarantäne-Hotel Erfolgserlebnisse. Beschert seine Mannschaft ihm auch in Gladbach Freude?

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Wie wird es für Pellegrino Matarazzo laufen, wenn es nicht um Tore beim Kickern geht, sondern wenn der richtige Fußball im Gegner-Gehäuse landen soll?

Foto: dpa

Alarmzustand beim VfB Stuttgart. Als im Video-Pressegespräch am Freitagvormittag ein knappes Viertelstündchen vorbei ist, sorgt ein Rauchmelder für eine Unterbrechung. Es piept bei Pellegrino Matarazzo, der Trainer muss für ein Weilchen stummgeschaltet werden. Die Journalisten in der Videokonferenz feixen.

Dass es beim VfB brennt, sportlich, war man in den vergangenen Jahren gewohnt. Oft lief es nicht wie gewünscht. Aber die Saison 2020/21 ist für den Aufsteiger in die Bundesliga zur Erfolgsgeschichte geworden. Matarazzo hat sein Team fern gehalten von allen Abstiegssorgen. Die beiden letzten Spiele an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei Borussia Mönchengladbach und am 22. Mai zu Hause gegen Arminia Bielefeld sind keine Nervenproben unter großem Druck.

Es geht noch um den Titel des besten Teams im Ländle

Allenfalls um die baden-württembergische Landesmeisterschaft geht es für den VfB noch. Im Mittelfeld der Bundesliga-Tabelle stehen der SC Freiburg (Platz 9, 44 Punkte), die Stuttgarter (10, 42) und die TSG Hoffenheim (11, 39) nah beieinander. Pellegrino Matarazzo rückt den Nummer-eins-Status nicht in den Mittelpunkt allen Bestrebens, doch "wir nehmen das sehr gerne mit", sollte es gelingen, vor den beiden badischen Landesrivalen ins Ziel zu kommen. Der Trainer weiß: "Die Fans würden es sehr gerne sehen." Grundsätzlich gilt für Matarazzo: "Wir wollen den maximalen Erfolg." Also am besten gleich an diesem Samstag einen Auswärtssieg in Gladbach.

Allerdings warnt der VfB-Trainer nach der 0:6-Abreibung, die die Borussia zuletzt beim FC Bayern verpasst bekam: "Ich gehe davon aus, dass die eine Reaktion zeigen wollen." Im Heimspiel zuvor fertigten die Gladbacher Bielefeld mit 5:0 ab. Matarazzo lobt sie als "spielstarke Mannschaft durchs Zentrum" mit einem "guten Tempo". Der Tabellen-Siebte habe "ein sehr gutes Umschaltspiel".

Kaum dass dies gesagt ist, geht der Alarm los. Aber Pellegrino Matarazzo kann wenig später mit einer kleinen Witzelei die Personalprobleme beim VfB entdramatisieren. Zwar fehlt vor allem durch die verletzten Silas Wamangituka, Nicolas Gonzalez, Tanguy Coulibaly und Mateo Klimowicz viel Schnelligkeits-Potenzial in der Stuttgarter Offensive, aber: "Ich hab noch Fußballschuhe."

Massimo ist wieder fit

43 Jahre ist der Trainer alt. Seine Spielerkarriere verbrachte Matarazzo auf defensiven Positionen fernab des großen Ruhms. Das weiß er genau. "Ich hab keinen Speed mehr, nie gehabt." Gut möglich also, dass der nicht mehr ernsthaft angeschlagene Roberto Massimo auf der rechten Seite und Borna Sosa auf der linken Außenbahn für Tempo sorgen werden. Und für Vorlagen, die Mittelstürmer Sasa Kalajdzic verwerten soll.

Die Angriffsmentalität, die das Stuttgarter Spiel in dieser Saison oft geprägt hat, will der Trainer auch in den beiden Abschlusspartien sehen - und darüber hinaus. "Diesen Offensivgeist möchte ich beibehalten." Auch in der Saison 2021/22. "Wir wollen offensiv weiterhin ein Risiko eingehen."

Pellegrino Matarazzo präsentiert sich vor dem 33. Spieltag sehr entspannt, erzählt davon, wie er im Quarantäne-Hotel in Degerloch zusammen mit Zeugwart Michael Meusch dem im Teamumfeld wichtigen Helferduo Günther Schäfer und Peter Reichert beim Tischkickern "eine Lektion erteilt" habe. Als es darum geht, um welchen Einsatz gekickert wurde und ob schon eine Revanche terminiert worden ist, bricht die Verbindung ab und lässt sich vom VfB auch nicht wiederherstellen. Man sieht minutenlang den zum Standbild eingefrorenen, lachenden Matarazzo.

Erfolgserlebnisse am Tischkicker im Teamhotel

Er lacht auch auf dem Whatsapp-Video, das der Bundesligist eine halbe Stunde nach dem Internet-Zusammenbruch an die Journalisten verschickt. Die Antwort auf die letzte Frage wird nachgereicht. Der VfB-Trainer hat weitere Tischkicker-Erfolgserlebnisse während der von der DFL zur Coronarisiko-Minimierung vorgeschriebenen Hotel-Isolation fest im Plan. "Sicherlich wird am Sonntag Zeit da sein, um die nächste Partie zu gestalten." Einen Einsatz gibt es nicht. "Es ist belohnend genug, wenn man sieht, wie Michael Meusch jedes Tor feiert." Auch beim richtigen Fußball würde er das sicherlich tun.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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