Als der "alte Fritz" in Heilbronn torlos blieb

Fußball  Die Stadtauswahl verlor 1968 gegen die Prominenten-Elf 2:13. Horst Eckel traf in einer Partie für den guten Zweck sieben Mal und Alfred Lock leitete die Begegnung der Fritz-Walter-Elf als Schiedsrichter.

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Rasenpflege war 1968, als Fritz Walter (am Ball) und seine Prominenten-Elf im alten Städtischen Stadion in Heilbronn spielten, nicht unbedingt angesagt. Im Hintergrund beobachtet Schiedsrichter Alfred Lock das Geschehen.

Fotos: privat

Alfred Lock hat in seiner langen Laufbahn als Schiedsrichter unzählige Fußball-Begegnungen geleitet, darunter einige, die dem 87-Jährigen besonders in Erinnerung geblieben sind. So wie der Auftritt von Fritz Walter und Co. am 20. Juli 1968 im Städtischen Stadion Heilbronn, dem heutigen Frankenstadion. Der "alte Fritz", Spielführer der Helden von Bern, traf mit seiner Mannschaft, der Fritz-Walter-Prominentenelf, auf eine Auswahl des Heilbronner Taxenvereins 2703. Es war ein Wohltätigkeitsspiel zu Gunsten spastisch gelähmter Kinder der Beschützenden Werkstätte Heilbronn.

Auch Horst Eckel und Werner Liebrich waren dabei

"Die Idee zu diesem Spiel hatte Walter Assenheimer", erinnert sich der langjährige Bezirks-Funktionär Lock an "ein einmaliges Erlebnis". Als Linienrichter wurde der Wimpfener vom TSV Jagstfeld durch Erich Pfleiderer (VfR Heilbronn) und Georg Handler (SC Amorbach) unterstützt. In der Prominenten-Elf spielten neben Walter auch dessen ehemalige Weltmeister-Teamkollegen vom 1. FC Kaiserslautern, Horst Eckel und Werner Liebrich. Dabei war zudem Robert Schlienz (1945 bis 1960 beim VfB Stuttgart). In Kurt Vaas und Gerhard Jost waren auch zwei ehemalige Böckinger am Ball, die nach ihrer Zeit bei der Union für den SSV Reutlingen spielten.

Das Endergebnis vor rund 1800 Zuschauern war deutlich. Die "hohe Schule des Fußballs beim 2:13" titelte die Heilbronner Stimme im Nachbericht. Als siebenfacher Torschütze glänzte Horst Eckel. Dass die "Taxifahrer-Auswahl" nicht noch mehr Gegentreffer hinnehmen musste, war auch dem Affaltracher Wolfgang Bauer zu verdanken, der im Tor stand.

Wolfgang Bauer verhindert ein Tor von Fritz Walter

Als der "alte Fritz" in Heilbronn torlos blieb

Wolfgang Bauer

Foto: Bertok

Für den heute 84-Jährigen war dieses Spiel ein echtes Highlight. "Ich habe viele Tore gekriegt, aber der Fritz Walter hat keines geschossen. Er wurde immer angespielt, damit er ein Tor erzielt", erinnert sich Bauer. "Er hatte eine Chance im Eins-gegen-Eins gegen mich, das weiß ich noch ganz genau. Walter wollte mich mit einem Lupfer überspielen, aber ich habe den Ball herunter gefischt."

In der Stimme war zu lesen: "Wenige Sekunden vor dem Abpfiff steuerte Walter aus abseitsverdächtiger Stellung allein aufs Gehäuse des Taxi-Torwarts zu, doch Bauer angelte sich den Ball."

"Affaltrach war mein Heimatverein", erzählt Wolfgang Bauer, der in den 1960ern für zwei Jahre beruflich nach Kanada auswanderte und dort für die Stratford Rangers, eine Art Betriebsmannschaft deutscher Auswanderer im Bundesstaat Ontario, zwischen den Pfosten stand. "Nach meiner Rückkehr habe ich mich dem ESV Heilbronn, den Eisenbahnern, angeschlossen, die damals in der 2. Amateurliga gespielt haben." Bauer beendete später seine Karriere in Affaltrach. Bauer ist zudem Schiedsrichter, leitete 51 Jahre lang Spiele und war noch bis 2019 aktiv, zum Schluss im Frauen- und Jugendbereich.

Als der "alte Fritz" in Heilbronn torlos blieb

Mit diesem Sikorsky-Hubschrauber wurde der Spielball eingeflogen.

Unterhaltsame dritte Halbzeit, ein gemeinsames Essen

Ein Lob für das Gastgeber-Team gab es an jenem Samstagabend 1968 von Gerhard Jost: "Sie haben besser gegen uns gespielt als alle Vereinsmannschaften in den letzten drei Jahren." Wie viele Taxifahrer tatsächlich im Aufgebot der "Taxen-Elf" standen, weiß Wolfgang Bauer nicht. Es war wohl auch mehr eine Auswahl der Heilbronner Stadtvereine. "Es war eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft", erinnert sich Bauer. Dass gegen den Taxenverein gespielt wurde, dürfte wohl auf Sponsor Walter Assenheimer zurückgegangen sein, schließlich gehörten Taxi-Unternehmen zu den Stammkunden seines Autohauses.

Als der "alte Fritz" in Heilbronn torlos blieb

Alfred Lock

Foto: Bertok

Unterhaltsam gestaltete sich die dritte Halbzeit, das gesellige Beisammensein. "Auf Einladung von Assenheimer gab es im Jägerhaus ein Essen", erzählt Alfred Lock von lockeren Gesprächen. "Ich habe den Fritz als Pfundskerl kennengelernt, das war eine tolle Sache. Er meinte, wir sind alles Fußballkameraden und sagen du zueinander." Natürlich gab es auch original unterschriebene Autogrammkarten vom Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft. "Die habe ich heute noch", berichtet Bauer. "Ich denke oft noch daran zurück und habe erst vor Kurzem mein Fußball-Fotoalbum durchgeblättert. Da hatte sich diese Autogrammkarte wieder in der Hand."

Es gibt viele Fußballspiele, die unvergesslich sind, für Lock und Bauer zählt die Partie mit Fritz Walter und Co. dazu.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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