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Allerlei Zündstoff

Der Beschluss zur Reform der Verbandsstruktur wird verschoben: Das hat die Beiratssitzung des Württembergischen Fußballverbandes ergeben. Der Hohenloher Bezirksvorsitzende Ralf Bantel ärgert sich über einige Punkte dieser Sitzung.

Marc Schmerbeck
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Die Sportplätze werden noch eine Weile brach liegen. Es könnte sein, dass in einigen Jahren andere Gastmannschaften als gewohnt den Rasen betreten werden. Doch die Abstimmung über die Strukturreform ist erstmal verschoben. Foto: Marc Schmerbeck

Der Ärger schwang noch deutlich mit. Auch einige Tage nach der Beiratssitzung des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) am vergangenen Freitag. Nicht der Abbruch und die Annullierung der Saison brachte den Hohenloher Bezirksvorsitzenden Ralf Bantel in Rage. Es ging ihm um die Diskussionen zur geplanten Reform der Spielklassen und der Verbandsstruktur.

"Im Vorfeld hatte ich viele Gespräche, auch mit anderen Bezirksvorsitzenden, die meinten, es gibt viele Dinge, mit denen sie nicht konform sind und denen man Einhalt gebieten sollte. Als es dann zur Abstimmung kam, sind fast alle umgefallen", schildert er seinen Unmut. Und er suchte nach den richtigen Worten. "Ich will ja niemanden beleidigen", meinte er und sagte dann: "Man hat mir vorher anderes vermittelt als man dann abgestimmt hat. Das ist eines Bezirksvorsitzenden nicht würdig. Das ist enttäuschend."

Bantel sieht Hohenlohe als Leidtragender

Zur Sachlage: Der Verband will die Struktur der Spielklassen und damit einhergehend auch die Struktur der Bezirke reformieren. Hohenlohe wäre davon insofern betroffen, dass der Bezirk auseinander gerissen wird. Und zwar würden die Bereiche Schwäbisch Hall/Crailsheim in Zukunft dem jetzigen Bezirk Rems-Murr zugeschlagen und der Hohenlohekreis sowie Bad Mergentheim würden mit dem Unterland zusammengelegt. Denn das Spielsystem im WFV-Gebiet soll in Zukunft zwar weiter eine Verbandsliga und vier Landesligen wie bisher haben, aber nur noch zwölf statt 16 Bezirksligen (1-4-12). Dadurch soll es auch nur noch zwölf Bezirke geben.

Und Bantel sieht Hohenlohe als Leidtragenden der geplanten Reform. Sollte diese beschlossen werden, gibt es noch eine Übergangszeit bis zum nächsten Verbandstag 2024. WFV-Präsident Matthias Schöck weiß um die Konsequenzen der Reformen, hat jedoch keinen Zweifel an deren Notwendigkeit: "Das bestehende Spielsystem hält den Anforderungen eines fairen, leistungsorientierten Wettbewerbs nicht länger stand. Eine Weiterentwicklung des Herren-Spielsystems und damit verbunden der Verbandsstruktur bringt vorübergehend Härten mit sich, ist aber unumgänglich. Wir müssen jetzt handeln, um ein starkes, faires und nachhaltiges Fußballangebot in Württemberg sicherzustellen."

Die Entscheidung wurde um ein Jahr verschoben

Über die Reform hätte ursprünglich am Verbandstag Ende Juli abgestimmt werden sollen. Die Entscheidung wurde nun bei der Beiratssitzung nun um ein Jahr verschoben. "In Anbetracht der Bedeutung der auf den Weg gebrachten Veränderungen hält es der WFV-Beirat für zwingend erforderlich, dass die Beratungen dazu in Präsenz stattfinden", heißt es in einer Pressemitteilung des WFV. Doch wegen der anhaltend hohen Zahlen der Corona-Pandemie können sowohl die Delegiertenbesprechungen als auch der 33. ordentliche Verbandstag am 24. Juli nur virtuell stattfinden.

Deshalb beschloss der Beirat, die Entscheidung über eine Reform des Spielsystems der Herren und der Verbandsstruktur auszuklammern und auf einen außerordentlichen Verbandstag im ersten Halbjahr 2022 zu vertagen. "Es ist uns wichtig, dass über dieses Thema in Präsenz entschieden wird, und dies auch erst dann, wenn alle Argumente ausgetauscht und alle Rahmenbedingungen bekannt sind", sagt WFV-Präsident Matthias Schöck. "Und deshalb wollen wir warten, bis ein direkter und persönlicher Austausch wieder möglich ist, das sollte im nächsten Jahr hoffentlich der Fall sein."

Am Ende gab Bantel die einzige Gegenstimme ab

Bantel vermutet allerdings, dass der Verband befürchtete, in diesem Jahr mit seinen Reformplänen zu scheitern und deshalb die Verschiebung forcierte. Schließlich hatte auch er im Vorfeld angekündigt, alles zu tun, damit der Beschluss nicht genügend Befürworter hat. "Ob sie es auch verschoben hätten, wenn sie geahnt hätten, dass die Abstimmung so reibungslos durchgeht?"

Ebenfalls ärgerte er sich darüber, dass im Paket abgestimmt wurde und nicht einzeln für jeden Punkt. Er hätte der Änderung des Spielklassensystems auf das 1-4-12 zugestimmt, jedoch nicht der Änderung der Bezirksstruktur. So hatte er am Ende die einzige Gegenstimme für das Gesamtpaket abgegeben.

Was ihn ebenfalls irritierte: "Fachleute des Fußballs sollten eine Stellungnahme zu dieser Bezirksstrukturreform abgeben. Dies sollte in der Beiratssitzung präsentiert werden. Es wurde aber totgeschwiegen. Auf meine Rückfrage hieß es, es sei keine Zeit mehr", sagt Bantel. "Das Plädoyer für die Reform hat großen Raum eingenommen. Könnte auch sein, dass nicht allzu gute Noten vergeben worden sind. Aber das weiß ich nicht. Das ist eine Vermutung. Ein Ergebnis habe ich noch nicht."

Vorwurf: Die Bezirksvorsitzenden würden wie Fürsten an ihren Stühlen kleben

Und weiter: "Es wurde mir auch vorgeworfen, wir würden in den Bezirken wie Fürsten an unseren Stühlen kleben. Das halte ich für eine Frechheit. Ich bin in dieses Amt gewählt und nicht hineingeboren. Wenn ich aufhöre, stelle ich mich entweder nicht mehr zur Wahl oder ich werde abgewählt", sagt Bantel.

Es war also allerhand Zündstoff in der Sitzung - allerdings vor dem Beschluss, die Saison abzubrechen und zu annullieren. Da war sich der Beirat dann einig.

Der Plan im Bezirk

Der Hohenloher Bezirkstag soll am 31. Mai stattfinden. Und zwar virtuell. "Ins Freie möchte ich nicht unbedingt. Und da der Verband die wichtigen Entscheidungen vertagt hat, sehe ich die Notwendigkeit nicht, dass man sich unbedingt trifft", sagt der Vorsitzende Ralf Bantel. Der Pokalwettbewerb dieser Saison läuft erstmal weiter. "Wer spielen möchte, soll es uns nochmal klar zum Ausdruck bringen, wer nicht möchte, braucht nicht. Das Spiel wird dann einfach abgesetzt", sagt Bantel. Ob der Wettbewerb aber wirklich zu Ende gebracht werden kann, bleibt abzuwarten. "Bis Anfang Juli sollten wir einen Bezirkspokalsieger für den WFV-Pokal melden", sagt Bantel. "Vielleicht können wir es noch etwas nach hinten ziehen." 

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