Abpfiff für die Amateure sorgt in Oberliga für Zwist

Fußball  Aufsteiger in die Regionalliga? An Schnittstelle von der Fünftklassigkeit in den Profifußball gibt es noch immer viele Fragezeichen. Ein Streit ist entbrannt, Befürworter und Gegner bekämpfen sich inzwischen mit offenen Briefen.

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Ungeklärte Situation in der Oberliga: Auch Thorsten Damm, Sportlicher Leiter der Neckarsulmer Sport-Union, hat eine Stellungnahme abgegeben.

Foto: Archiv/Bertok

Der am Freitag von den Fußballverbänden in Württemberg und Baden verkündete Saisonabbruch der Amateurspielzeit 2020/21 mit der Annullierung der Punktrunde hat nicht überrascht. Von der Verbandsliga abwärts gibt es weder Auf- noch Absteiger. Die Pokalwettbewerbe sollen jedoch zu Ende gespielt werden.

Was die Oberliga betrifft - die sich aus den Verbänden Baden, Südbaden und Württemberg zusammensetzt - gilt es noch zu klären, ob es Aufsteiger in die Regionalliga geben soll. Durch den Zusatz "in der Regel" in der Spielordnung könnte dies möglich sein, da in der Regionalliga die Runde zu Ende gebracht wird. Das sofortige Saisonende ist aber in den Oberligen alternativlos.

Aktuell habe es von der Oberliga-Spielkommission keine endgültige Entscheidung gegeben, sagt Thorsten Damm, Sportlicher Leiter des Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union. "Wir wurden nur bei der letzten Videokonferenz am 26. März aufgefordert, eine Stellungnahme zu einer möglichen Aufstiegsregelung abzugeben. Am Freitag gab es eine Info über die grobe statistische Auswertung der Stellungnahmen."

Neckarsulmer Sport-Union gibt keine Stimme, aber ein Feedback ab

Demnach meldete sich ein Viertel der Vereine nicht, während ein Viertel den Vorschlag der Spielkommission mit dem Aufstieg des aktuellen Tabellenführers und der Relegation des Zweitplatzierten befürwortet. Die anderen 50 Prozent stimmten diesem Vorschlag nicht zu.

"Wir haben ein Feedback und keine Stimme pro oder contra Aufsteiger abgegeben, vielmehr als neutraler Beobachter zum Ausdruck gebracht, dass aus unserer Sicht kein Oberligist, der lediglich acht beziehungsweise 13 Spiele absolviert hat, aufsteigen sollte", sagt Damm, "während ein Regionalligist absteigt, der unter widrigen Pandemie-Bedingungen 42 Partien absolviert hat." Es ist eine Stellungnahme aus moralischer und nicht aus sportlicher Sicht.

Das heißt aber nicht, dass die Neckarsulmer und auch andere Vereine dem SGV Freiberg oder den Stuttgarter Kickers nicht den Aufstieg gönnen. Was vielen aufstößt, ist die Vorgehensweise der Oberliga-Spielkommission.

Einige Oberligisten fühlen sich überrumpelt

Einige Clubs fühlten sich von der plötzlichen Aufstiegsmöglichkeit überrumpelt. Wie der Neunte Dorfmerkingen. "Als dann der Zusatz "in der Regel" in die Argumentation kam, drängte sich uns vollends der Eindruck auf, dass bereits im Vorfeld ein geplanter Ausweg für die verfahrene Situation gefunden werden sollte. Auch scheinen einige Vereine im Vorfeld via E-Mail informiert gewesen zu sein. Wir nicht. Wir finden es keine gute Idee des Verbandes, hier nicht alle Vereine mitgenommen zu haben. Das ist enttäuschend und unfair", heißt es auf der Internetseite. Und: "Dass das auslegbare (...) "in der Regel" in dem bisher erwähnten Zusammenhang aufgekommen ist, stößt uns sehr sauer auf. Da sollte sich auch niemand unnötig angegriffen fühlen."

Angreifen will auch Damm niemanden, steckt jedoch in einem Zwiespalt: "Sieht man rein die Bilanz von Freiberg, kann man sagen, die müssen aufsteigen, weil sie es sich verdient haben. Auf der anderen Seite gibt es den abgeschlagenen Regionalligisten Stadtallendorf, der sich sportlich so schlecht präsentiert, dass man sagen muss, die sollte man absteigen lassen." Als fairere Lösung nennt er eine Relegation mit den bestplatzierten Oberligisten und den abstiegsbedrohten Regionalligisten - sofern dies die Corona-Lage zulässt. Eine Idee, die zumindest sportlich fair klingt.

Befürworter und Gegner tragen ihren Kampf mit offenen Briefen aus

Doch mittlerweile ist die Lage so verfahren, dass sich Regionalliga, aufstiegswillige Oberligisten und solche, die gegen diese Option sind, via Offener Briefe bekämpfen. In einem stellt Regionalliga-Sprecher Rafael Kowolik die Hintertür in der Oberliga-Satzung als fragwürdig dar. Zudem wollten auch viele Regionalligisten die Saison nicht fortsetzen. Wäre diese ebenfalls unterbrochen und annulliert worden, wären alle 22 Teams in der Liga verblieben. Kowolik versucht Argumente gegen den Aufstieg von Oberligisten aufzuzeigen. Einige davon hat auch Thorsten Damm aufgegriffen.

Gekontert wurde dies in Form eines Offenen Briefs der Stuttgarter Kickers. Darin zeigt Präsident Rainer Lorz kaum argumentativ auf, warum Oberligisten mit acht bzw. 13 Partien ein Aufstiegsrecht haben, während es stets hieß, es müsse mindestens die Vorrunde gespielt sein, damit die Tabelle sportliche Aussagekraft besitze.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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