Zahl der Fußball-Schiedsrichter sinkt drastisch

Fußball  Nachwuchs gibt es, aber nicht genug: Aufgrund der Engpässe sind viele Referees im Bezirk Unterland doppelt gefordert. Im Nachwuchsbereich werden nicht mehr alle Jugendspiele im jüngeren Altersbereich besetzt.

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Der Schiedsrichter-Job hat deutschlandweit mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Foto: flucas/stock.adobe.com

Neun Männer sind es diesen Herbst, die den Neulingskurs für angehende Schiedsrichter im Fußballbezirk Unterland absolvieren. Es gibt sie also weiterhin: Menschen, die Schiedsrichter im Amateurfußball werden wollen.

Der Job, der so wichtig ist für das emotionale Mannschaftsspiel Fußball, hat deutschlandweit mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Auch in der Region sind immer weniger Schiedsrichter aktiv. "Die Statistik zeigt einen erheblichen und besorgniserregenden Trend", sagt Sascha Wirth, Obmann der Schiedsrichtergruppe (SRG) Kocher/Jagst. Seine SRG deckt zusammen mit der SRG Heilbronn den Fußballballbezirk Unterland ab. In der Saison 2010/2011 gab es hier noch insgesamt 248 aktive Referees, vergangene Saison waren es nur noch 178. Das sind gut 28 Prozent weniger und liegt damit minimal über dem deutschlandweiten Trend.

SGR Heilbronn benötigt mindestens 50 neue Schiedsrichter

Seit 2016 werden aufgrund der Engpässe im Bezirk Unterland keine D-Jugend-Spiele mehr von offiziellen Spielleitern besetzt. 2018 fingen 26 neue Schiedsrichter in Heilbronn an. Laut des Heilbronner Obmanns Florian Geiger benötigt seine Gruppe "mindestens 50 neue Schiedsrichter, "eher sogar mehr, um für einige die Doppelbelastung am Wochenende zu reduzieren". Tasso Kühn, Ausschussmitglied der SRG Heilbronn, ergänzt: "Viele Schiedsrichter pfeifen bis zu vier Spiele pro Woche. Es ist nicht leicht, diesen ehrenamtlichen Job, der höchste Konzentration verlangt, mit Beruf und Familie in Einklang zu bringen."

Einen Grund für den Rückgang sieht Sascha Wirth in den gesunkenen Geburtenraten. "Es gehen ja auch die Spielerzahlen deutlich zurück." Aber auch das heute viel größere Freizeitangebot sei ein Grund. Dazu komme, als Spielleiter nicht selten umstrittene Entscheidungen treffen zu müssen. Wirth: "Keiner will mehr der Depp sein." Tasso Kühn sagt: "Schiedsrichtern empfehle ich eine gute Spielvorbereitung, Humor und Mut zu unpopulären Entscheidungen."

Neulingskurs im Neckarsulmer Brauhaus

Zahl der Fußball-Schiedsrichter sinkt drastisch

Die Schiedsrichter-Ausbilder Hans-Jürgen Ferenz (Siebter von links) und Tasso Kühn (rechts) beobachten im Rahmen des Neulingslehrgangs ein Fußballspiel im Neckarsulmer Pichterich.

Foto: Alexander Bertok

Gut sei, dass die Aufwandsentschädigung für Schiedsrichter seit 2019 erhöht wurde: von 25 auf 33 Euro beispielsweise pro Spiel in der Kreisliga. Der 52-Jährige, seit 27 Jahren als Schiedsrichter aktiv, leitet mit Hans-Jürgen Ferenz, seit mehr als 50 Jahren im Fußball engagiert, den Schiedsrichterneulingskurs im Neckarsulmer Brauhaus. Die Schulung gibt es zweimal im Jahr, im Juni und Oktober. Ferenz erklärt unter anderem die komplexe Regel 12 zu Fouls und unsportlichem Betragen, etwa Gewalt gegen Spieler und Schiedsrichter.

In den Medien flammte jüngst durch Vorfälle im Amateurfußball die Forderung nach mehr Respekt vor Unparteiischen und die These einer gesellschaftlichen Verrohung auf. "Der Ton ist rauer geworden", stellt Kühn fest. Vor allem bei den Zuschauern ist die Hemmschwelle für, meist verbale, Ausreißer geringer geworden.

Nicht jeder lässt sich vom Phänomen Gewalt im Fußball abschrecken

Die Schiedsrichter-Lehrlinge hat das Phänomen Gewalt nicht abgeschreckt. "Darüber mache ich mir keine Gedanken", sagt der 36-jährige Marco Baam vom VfR Heilbronn, "denn dafür liebt man den Sport zu sehr." Kabaker Önder (Türkspor Neckarsulm) ist seit sechs Jahren als ungeschulter Referee im jüngeren Nachwuchsbereich tätig. "Von den Zuschauern habe ich bisher viel Lob für meine Arbeit bekommen", erzählt der 39-Jährige. "Nun möchte ich den Lehrgang absolvieren, damit ist man auf dem Fußballplatz versichert und die Spiele sind für den eigenen Verein anrechenbar."

Sascha Geiwiz von der NSU hat vor drei Jahren mit dem Pfeifen angefangen. Am Schiedsrichteramt reizt den 22-Jährigen vor allem die verantwortungsvolle Aufgabe der Spielkontrolle, die ein Schiedsrichter auf dem Fußballplatz hat.

 

Bigna Fink

Bigna Fink

Volontärin

Bigna Fink ist seit Februar 2019 Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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