"Wir haben einige Wochen mehr zur Verfügung als andere Bundesländer"

Fußball  Der deutsche Amateurfußball spielt in der Corona-Krise weiter auf Zeit. WFV-Präsident Matthias Schöck spricht über die Situation im Amateurfußball und das Zeitfenster fürs Saisonende.

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Ein Unterland-Hohenlohe-Duell in der Landesliga: Wann sehen sich der SV Leingarten und der TSV Pfedelbach auf dem Feld wieder? Diese Frage lässt sich nicht beantworten. "Bis auf weiteres" ruht der Betrieb in den Amateurligen. Foto: Archiv/Bertok

Seit Mai 2015 ist Matthias Schöck Württembergs oberster Fußballer. Im Telefon-Interview erklärt der 46-jährige Bürgermeister von Hildrizhausen im Landkreis Böblingen, warum die Amateurfußballer bundesweit wegen der Corona-Pandemie auf Zeitspiel setzen und der Ball nicht nur in Württemberg "bis auf weiteres" ruht.

 

Herr Schöck, wo sind Sie gerade mehr als Krisenmanager gefordert: Als Bürgermeister von Hildrizhausen oder als Präsident des Württembergischen Fußballverbandes?

Matthias Schöck: Beides sind aktuell herausfordernde Jobs. Aber auch in normalen Zeiten überwiegt das zeitliche Engagement als Bürgermeister. Ich sage immer: Man muss ja auch durchaus wissen, was Hauptamt und was Ehrenamt ist.

 

Warum ist der Spielbetrieb im württembergischen Fußball nur bis auf weiteres ausgesetzt und nicht wie in anderen Sportarten wie Volleyball oder Tischtennis beendet?

Schöck: Kein Mensch kann im Moment sagen, wie es in allen Lebenslagen weitergeht. Sei es im Beruf, in der Familie oder in der Freizeit. Eine Prognose ist extrem schwierig. Wir können noch keine Aussagen treffen, ob es weitergeht. Deshalb fahren wir einfach auf Sicht.

 

Gibt es eine Deadline für die Entscheidung, ob der Ball in dieser Saison nochmal rollt?

Schöck: Das muss am Ende die Politik entscheiden. Egal, ob auf Bundes- oder Landesebene. Das ist eine schwierige Entscheidung, die da zu treffen ist. Wir sind uns alle einig: Gesundheit steht an erster Stelle und nicht der Fußball. Das ist das oberste Gebot. Der Fußball als schönste Nebensache hat sich unterzuordnen.

 

Mannschaftstraining ist in Baden-Württemberg bis zum 15. Juni per Landesverordnung nicht erlaubt. Wäre es nicht sinnvoll, diesen Termin für die Wiederaufnahme ins Visier zu nehmen?

Schöck: Nein, weil niemand weiß, wie sich die Lage und die Rechtsverordnungen ändern. Es weiß ja auch kein Arbeitnehmer, wann er wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren kann, das Homeoffice verlassen darf. Mit dieser Situation müssen wir alle lernen umzugehen.

 

Was heißt das konkret?

Schöck: Wir bereiten uns als Verband auf unterschiedliche Szenarien vor. Die Spielordnungen werden gerade innerhalb des DFB so verändert und angepasst, dass in den Landesverbänden flexible Lösungen möglich sind. Da geht es um die Dauer des Spieljahres, aber beispielsweise auch um Regelungen zu Vereinswechseln. So schaffen wir die Grundlage dafür, die Saison möglicherweise auch über den 30. Juni hinaus verlängern zu können.

 

"Wir haben einige Wochen mehr zur Verfügung als andere Bundesländer"

Matthias Schöck ist seit fünf Jahren WFV-Präsident.

Foto: WFV

Wann soll die nächste Entscheidung fallen, wie es weitergeht?

Schöck: Nach Ostern wird es sicherlich nicht gleich neue Wasserstandsmeldungen geben. Im Laufe des Monats Mai könnte man möglicherweise klarer sehen. Aber auch hier gilt: Wir sind abhängig von politischen Entscheidungen. Und über allem steht die Gesundheit.

 

Muss es eine bundeseinheitliche Regelung im Amateurfußball geben?

Schöck: Das wird schwierig. Es gibt Bundesländer, in denen die Sommerferien Anfang Juni beginnen, bei uns ins Baden-Württemberg oder in Bayern aber erst Ende Juli. Wir haben grundsätzlich einige Wochen mehr zur Verfügung als andere Bundesländer.

 

Das heißt, bis zum Sommerferienbeginn in Baden-Württemberg muss die Saison 2019/20 beendet sein?

Schöck: Ausschließen würde ich gar nichts. Ich halte das Saisonende in den Sommerferien nur für schwer durchführbar.

 

Könnte sich der Verband denn finanzielle Hilfen für Clubs leisten, die extrem von der Krise betroffen sind?

Schöck: Wir müssen da ehrlich, offen und transparent gegenüber den Vereinen sein. Direkte Finanzhilfen gehen allein schon aus steuerlichen Gründen nicht, da wir andernfalls unsere Gemeinnützigkeit gefährden würden. Außerdem müssen wir als Verband ja auch gravierende Einbußen durch fehlende Spieltagsabgaben oder fehlende Sponsoringeinnahmen kompensieren.

 

Auch im Fußball sinken seit Jahren vielerorts die Zahlen im Mannschaftsbetrieb. Haben Sie Angst, dass sich diese Entwicklung nun durch die Auswirkungen der Coronavirus-Krise noch beschleunigt?

Schöck: Wir können nur appellieren, dass die Mitglieder ihren Vereinen treu bleiben. Es gibt so viele gute Ideen und Aktionen, wie Menschen gerade über ihren Verein Gutes tun und zusammenhalten. Niemand weiß, wie schnell sich die wirtschaftliche Lage erholt und wir wieder auf den Stand in unserem Leben von Ende Februar kommen. Aber für uns alle gilt: Wir müssen positiv bleiben!

 

Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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