Wie Bayern-Fans aus der Region auf Hoeneß' Rückzug reagieren

Fußball  Das Unvorstellbare wird bald Realität: Vereinspatron Uli Hoeneß will seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern abgeben. Fans aus der Region stehen trotz mancher Skandale fest hinter dem langjährigen Chef - dem Rückzug sehen sie mit gemischten Gefühlen entgegen.

Hoeneß und Hainer
Uli Hoeneß (l) im Gespräch mit Herbert Hainer.

Sie fahren Woche für Woche ins Stadion oder fiebern bei jedem Spiel von zu Hause aus mit: Auch in der Region bewegt der FC Bayern München viele Fußballfreunde. Am heutigen Donnerstag vielleicht noch ein bisschen mehr als sonst. Uli Hoeneß verkündet nach insgesamt 40 Jahren als Manager oder Präsident des Vereins am Abend, dass er bei der Jahreshauptversammlung im November nicht mehr als Präsident kandidieren will. Anhänger nehmen die Entscheidung, die bereits vorher angenommen wurde, mit gemischten Gefühlen auf.

"Schade" und "traurig" sind häufige erste Reaktionen. Kein Wunder. "Er war schließlich über Jahrzehnte der Macher im Klub", sagt Jürgen Schönleber vom Fanclub Seckachtal 95. 

Wobei, so ganz ohne den 67-Jährigen dürften die Münchner auch in Zukunft nicht dastehen. "Im Hintergrund wird er weiter die Fäden ziehen", sagt Steffen Lagerbauer. "Der FC Bayern München ist sein Baby, das lässt er nicht allein." Lagerbauer ist Vorsitzender der Kornlupfer Bazi Offenau, die sämtliche Heimspiele in der Allianz Arena mit dem Reisebus ansteuern. 

Gleiche Erfolgsgeschichte ohne Hoeneß? Für die Fans undenkbar

Über Hoeneß' Werk bei den Bayern gibt es bei den befragten Fans keine zwei Meinungen. "Er hat den FC Bayern von kleinen Anfängen zu einem Weltverein geformt", sagt Andre Suleder von den Rot-Weißen Bayern-Daifl aus Kupferzell - und ergänzt: "Rein sportlich gesehen ist das gigantisch." Meisterschaften und Pokalsiege en masse, 2001 und 2013 der Champions League-Titel - eine derartige Erfolgsgeschichte ohne Hoeneß' Mitwirken? Unvorstellbar für die hiesigen Fans. 

Dass der Bayern-Boss dabei nicht komplett tadellos agiert hat, das bestreiten auch die Anhänger nicht. "Er hat manchmal vielleicht zu scharfe Töne angeschlagen", erwähnt Andre Suleder. Zu Hoeneß' Biografie gehört zudem der Prozess wegen Steuerhinterziehung und die Verurteilung zu einer Haftstrafe. "Er ist zu seinem Fehler gestanden und hat die Strafe abgebüßt", betont Steffen Lagerbauer diesbezüglich. Gar nicht gefallen hat Lagerbauer, dass der Fall für viele ein gefundenes Fressen war, "für manche Bekannte, aber auch für die Medien". 

Kritik an der Art der Vereinsführung

Beobachter gehen davon aus, dass die Jahreshauptversammlung Ende November 2018 eine entscheidende Rolle für Hoeneß' Entschluss gespielt haben dürfte. Ungewöhnlich scharf war er, der Macher, dort aus den eigenen Reihen kritisiert worden. Auch für seine Art der Vereinsführung. "Das hat ihm weh getan", glaubt Steffen Lagerbauer. Man müsse aber beachten, dass es "nicht die Masse war", die hinten den Äußerungen gestanden habe. 

Ein Ende der Vormachtstellung im deutschen Fußball befürchten die Anhänger nicht, jetzt, wo der "Ober-Bayer", der als gebürtiger Ulmer eigentlich Schwabe ist, kürzertritt. "Ich glaube nicht, dass der FC Bayern nun untergeht", sagt Jürgen Schönleber. Und Markus Kemm von Rot-Weiß Kraichgau sieht es ganz emotionslos: "Dass sich mal etwas ändert, ist völlig normal. Es geht immer überall weiter." 

 

 

 


Tobias Wieland

Onlineredakteur

Tobias Wieland kümmert sich um die onlinespezifische Aufbereitung eigener und fremder Artikel auf Stimme.de. Er erstellt Zeitleisten, Listicles, Grafiken und mehr. 

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