Warum das Stadion der TSG Hoffenheim in Sinsheim steht

Fußball  Vor zehn Jahren wurde die Arena der TSG 1899 Hoffenheim eingeweiht, die ursprünglich ganz woanders stehen sollte. Ein Rückblick.

Von Florian Huber

 

Der Plan war klar umrissen. Mäzen Dietmar Hopp wollte 2005, 2006 in den Profifußball. Dafür musste auch ein neues Stadion her. Dass dies seit zehn Jahren in Sinsheim steht, das war nicht immer klar.

 

11. März 2006: "Heimvorteil für Standort Heidelberg" titelt die Heilbronner Stimme. Nicht in Walldorf oder Wiesloch, sondern in Eppelheim bei Heidelberg soll das Stadion gebaut werden. FCH Heidelberg 06 wird der neue Club heißen. Der weltbekannte Name Heidelberg soll genutzt werden. Ein Fusionsgebilde, über das die Kritiker spötteln und den geplanten Bundesliga-Verein SG Neureich-Bimbesheim taufen. "Die Überlegung war ganz rational, dass es in Sinsheim schwierig werden könnte, alle 14 Tage so ein Stadion zu füllen", hat Dietmar Hopp gerade in einem Interview mit dem TSG-Vereinsmagazin verkündet.
 

15. Mai 2006: Die Rolle rückwärts: Der Stadionbau in Eppelheim platzt, weil die Wild-Werke (Capri Sun) den Zuschlag für das Gelände östlich der A5 erhält. Das Werk soll erweitert werden. Wild ist der größte Gewerbesteuerzahler, 500 neue Arbeitsplätze entstehen. Der Gemeinderat spricht sich für Wild − und gegen Hopp aus. "Gut, dass es so gekommen ist", sagt Hopp heute. Wäre Hoffenheim auch eine Erfolgsgeschichte, wenn das Stadion in Heidelberg stünde, so wie es einst geplant war? "Ich finde Hoffenheim ist deswegen so authentisch, weil dort die Geschichte von Dietmar Hopp angefangen hat, das ist sein Heimatclub", sagt Jochen Rotthaus, der ehemalige TSG-Geschäfstführer. "Deshalb ist Sinsheim als Stadionstandort für mich ideal."
 

20. September 2006: Sinsheim erhält den Zuschlag. Der Gemeinderat gibt schneller als erwartet grünes Licht für den Standort an der A6, gegenüber des Technikmuseums.


25. Mai 2007: Beim ersten Spatenstich ist Hoffenheim frischgebackener Zweitliga-Aufsteiger. Was da noch keiner ahnt: Als das Stadion 20 Monate später fertig ist, heißt der Erstliga-Tabellenführer TSG 1899 Hoffenheim. "Sinsheim wird ins Rampenlicht der Öffentlichkeit rücken", orakelte Sinsheims Oberbürgermeister Rolf Geinert damals schon. Eine neue Autobahnausfahrt (Sinsheim-Süd) entsteht. 40 Millionen Euro soll die Arena kosten, am Ende sind es 60 Millionen Euro, die Dietmar Hopp bezahlt, insgesamt hat er rund 350 Millionen in den Club investiert. In Stadionnähe entsteht 2012 die Badewelt, 2019 kommt noch die Klima Arena hinzu.
 

24. Januar 2009: Das wäre doch mal eine Millionen-Frage für die TV-Show "Wer wird Millionär?": Wer hat das erste Tor in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena geschossen? Die Antwort: Christian Bolm (Wormatia Worms). Mit dem Duell einer Auswahl der Metropolregion Rhein-Neckar gegen die Hoffenheimer Profis erlebt das neue Stadion seine Premiere. Die Profis gewinnen 6:2, der erste Torschütze in Minute 15 ist aber kein Bundesliga-Profi, sondern Bolm, Christian Bolm.

Auch Fußballer aus der Region wirken mit. Stefan Beierle vom VfB Eppingen, Steffen Eßlinger (Union Böckingen) und Peter Wagner vom FC Heilbronn stehen in der Auswahl der Amateurkicker. Peter Wagner hat sein weißes Trikot von damals noch. "Ich würde noch reinpassen, aber keine gute Figur machen", ist sich der ehemalige Spieler des VfR Heilbronn sicher. David Garett geigt. Ein imposantes Feuerwerk erleuchtet den Abend-Himmel über Sinsheim. Grund für Ärger gibt es bei der Eröffnungsfeier aber auch. Der Rasen? Schmierig. Zu Beginn der zweiten Hälfte ist die Haupttribüne zudem fast komplett verwaist. "Das war sonderbar. Die Vips sind lieber im Warmen geblieben und haben sich das Stadion von innen angeschaut", erinnert sich Peter Wagner daran, dass es bei seiner Einwechslung zur zweiten Spielhälfte wenig stimmungsvoll zuging.

Auch Ralf Rangnick, der damalige Hoffenheimer Trainer, mault: "Wenn das nächste Woche immer noch so ist, dann kriege ich Probleme mit meinem Gemüt." Eine Woche später, beim ersten Bundesligaspiel gegen Energie Cottbus, ist das Stadion ausverkauft, stimmungsvoll − und Hoffenheim gewinnt 2:0. Der erste Bundesliga-Torschütze in der Sinsheimer Arena heißt Demba Ba.

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