Von Beginn an ein goldendes Feuerwerk

Fußball  Türk Gücü Sinsheim gewinnt das Relegationsspiel gegen Türkspor Eppingen verdient mit 2:0 und steigt in die Kreisliga auf. Allerdings hätten die Sinsheimer das Spiel schon in der Anfangsphase entscheiden müssen.

Von Martin Peter
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Von Beginn an ein goldendes Feuerwerk

Hängende Köpfe: Bei Eppingen herrschte nach Abpfiff Fassungslosigkeit.

Noch lief die Partie. Doch Serkan Akin wusste, dass er und sein Team geschlagen waren. Statt noch einen letzten und verzweifelten Versuch zu starten, suchte der Stürmer von Türkspor Eppingen am Samstag in Hilsbach kurz vor Spielende die gegnerische Bank auf, gab Volker Keitel die Hand - gratulierte. Zum verdienten Sieg. Zum Aufstieg mit Türk Gücü Sinsheim.

Kurze Zeit später war das Relegationsspiel zwischen den beiden türkischen Vereinen dann wirklich vorbei: Der vermeintliche Außenseiter, der Tabellendritte der Kreisklasse A, hatte seiner unerwartet erfolgreichen Saison mit einem 2:0-Erfolg die Krone aufgesetzt.

Der Abstieg schmerzt Türkspor Eppingen

Ein Sieg, der Türk Gücü Sinsheim die Kreisliga bringt, Türkspor die A-Klasse. Und das völlig zurecht, da gab es am Samstag in Hilsbach keine zwei Meinungen unter den 950 Zuschauern. "Wir haben es heute verdient abzusteigen", gab Eppingens Kapitän Abdullah Özdemir unter Tränen zu. Ja, der Abstieg schmerzte. Doppelt sogar. So wollte sich der 28-Jährige, den es nun nach Mosbach in die Landesliga zieht, sicher nicht verabschieden.

Was Özdemir und Co. so wehtat, war nicht die Tatsache des Abstiegs alleine. Sondern vielmehr, wie er zustande kam. "Wir haben einen Scheiß-Fußball gespielt", sagte er sehr deutlich. Und in der Tat hatte Eppingen unfassbares Glück, Sinsheim nicht schon kurz nach dem Anpfiff gratulieren zu müssen.

Von Beginn an ein goldendes Feuerwerk

Goldjungs: Spätestens mit dem 2:0 war klar, dass Türk Gücü Sinsheim in die Kreisliga aufsteigen würde. Entsprechend groß war da schon der Jubel, der nach Schlusspfiff in Gesängen und Bierduschen gipfelte.

Fotos: Mario Berger

Der Auftakt: völlig untypisch für ein Relegationsspiel. Abtasten? Völlig überbewertet, für Anfänger. Der A-Klassen-Vertreter brannte gleich ein Feuerwerk ab. Alleine in den ersten vier Minuten hätten die Sinsheimer drei Tore erzielen müssen, doch Andrei Porfireanu (1./4. Minute) und Masum Altas (3.) verzogen frei vor Torhüter Matko Horvat jeweils knapp.

Geplant war der Sturmlauf so nicht

Geplant war der Sturmlauf der in golden Trikots gekleideten Sinsheimer indes keineswegs. "Wir wollten eigentlich aus der Defensive heraus über unser Umschaltspiel kommen", sagte Keitel hinterher. Das war aber nicht notwendig, weil Türkspor gar nicht auf dem Platz war. "Bei uns hat gar nichts gepasst", sagte Özdemir enttäuscht.

Entspannte Lage

Die Bedenken im Vorfeld des Duells zweier türkischer Teams waren riesig. Doch vom befürchteten Hochsicherheitsspiel war am Samstag in Hilsbach nichts zu spüren. "Da geht es in anderen Relegationsspielen sicher heißer her", sagte Osman Aydin von TG Sinsheim. Und auch Adalbert Kuczynski vom SV Hilsbach war angetan: "Alles rundum gelungen. Wir können meinetwegen jedes Jahr so eine Veranstaltung ausrichten."

So hatte die Mannschaft von Volker Keitel weiterhin leichtes Spiel: Das vermeintliche 1:0 von Masum Altas (8.) wurde wegen abseits zurückgepfiffen, ein Schuss von Mohamed (13.) landete abgefälscht nur an der Latte, Porfireanu köpfte noch in der selben Minute am Pfosten vorbei. Sechs beste Chancen, aber noch immer: null null. Gefährlich.

Volker Keitel wäre eine Trinkpause recht gekommen, um seine Spieler noch einmal sanft daran zu erinnern, dass es für einen Aufstieg eigene Tore braucht. "Allerdings hätten wir ins stille Kämmerlein gemusst", deutete er an, dass es durchaus hätte lauter werden können. Zum Glück für seine Spieler gab es keine Trinkpause.

Noch vor der Pause belohnt sich Sinsheim

Zwar ebbte der Sturmlauf ein wenig ab, auch Türkspor kam zu ersten, aber durchaus guten Chancen, darunter ein Schuss an den Außenpfosten von Özdemir (22.). Das änderte nichts daran, dass Türk Gücü dominierte. Und sich doch noch belohnte. Kurz vor der Pause traf Altas zum 1:0, er rutschte nach einem unglücklichen Klärungsversuch in den frei liegenden Ball (43.).

Von Beginn an ein goldendes Feuerwerk

Gute Stimmung: Die Fans beider Seiten trugen zu einem gelungenen Nachmittag in Hilsbach bei, blieben fair und friedlich, zündeten aber Bengalos.

In der zweiten Hälfte gab es weit weniger zu sehen. Keitel, der sein Team am Morgen bei einem gemeinsamen Frühstück und vielen Einzelgesprächen in der Moschee in Sinsheim eingestimmt hatte, hatte sein Team zurückgepfiffen. "Weil Eppingen ja ein Tor machen musste, und wir es verhindern", begründete er. Seine Jungs spurten: "Die hören ihrem Trainer noch zu." Zur Belohnung gab es das 2:0 durch Porfireanu (77.) und den Aufstieg. "Das tut gut", fand Keitel. Die Glückwünsche nahm er gerne an. "Jetzt lasse ich die Sau raus", sagte er.


Türk Gücü Sinsheim: Ritt - Mohamad Ali, T Aydin, B. Altas, Kharchenko (82. Pamuk) - Balducci, Hamoud - Mahamed (78. D. Akseven), Porfireanu (78. Ertürk), Ergin (62. I. Akseven) - M. Altas.

Türkspor Eppingen: Horvat - Özdemir, Rodewald, Hempel, C. Fistikci (81. Yulafci), Temel (67. Alpaslan) - Karaduman (50. Coskun), Sowe, Sayan - A. Özdemir, Akin.

Tore: 1:0 (43.) Masum Altas, 2:0 (77.) Porfireanu. Schiedsrichter: Robin Siegl (Hüffenhardt). Zuschauer: 950.

 

 

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