VfB-Trainer mit heißem Herz und kühlem Verstand

Fußball  Nico Willig sieht sein Team vor dem Relegations-Heimauftakt bereit für eine Top-Leistung. Die Stuttgarter könnten jetzt was gewinnen - und sollten dankbar für die Chance gegen Union Berlin sein.

Von Andreas Öhlschläger

Mit heißem Herz und kühlem Verstand

Noch zwei Spiele, dann wird Nico Willig wieder Jugendtrainer beim VfB Stuttgart sein. Als Interimscoach bei den Bundesliga-Profis hat er die Mannschaft vorwärts gebracht. Nun muss aber in der Relegation ein finaler Erfolg her.

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Die Vorgabe ist eindeutig: volle Konzentration. Die Profis des VfB Stuttgart sollen vor den beiden Relegationsspielen gegen den 1. FC Union Berlin "alle anderen Dinge nebendran ausblenden". So hat es Nico Willig gesagt.

Aber am Montagabend hat der Trainer dann selbst woanders hingeschaut, nicht auf die so immens wichtigen Entscheidungspartien um den Klassenerhalt in der Bundesliga. Willig hat zwei Mannschaften im Herzen. Die Profis, die er als bereits dritter Trainer in dieser missratenen Saison retten soll. Und die U19 des VfB, von der er zum Bundesliga-16. abkommandiert wurde.

Willigs A-Junioren stehen im Finale

Die A-Junioren schafften am Montag in einem Elfmeter-Krimi beim VfL Wolfsburg den Einzug ins Finale um die deutsche Meisterschaft. Nico Willig war am Fernseher mit dabei. "Die Wände haben gewackelt", berichtete er am Dienstag. "Es gab den einen oder anderen Jubelschrei." Nach der Relegation wird Willig zu den VfB-Junioren zurückkehren. Der neue Trainer bei den Profis heißt Tim Walter.

Ihm möchte der Interimscoach ein Erstligateam übergeben. Deshalb hat Nico Willig neben dem Juniorenspiel vor allem ganz, ganz viele Spielszenen des Zweitliga-Dritten Union Berlin angeschaut. Es geht um viel, für den Club, die Fans, die Region. Willig weiß, dass der Erfolgsdruck enorm ist. Er will dem entsprechen. "Wenn wir uns alle in den Armen liegen vor Freude, ist das ein gutes Bild." So hat er sich das Happy End ausgemalt, zu dem es am Montag nächster Woche beim Rückspiel in Berlin kommen soll.

Mit breiter Brust soll sein Team die Aufgabe angehen

Aber erst einmal geht es an diesem Donnerstag (20.30 Uhr, Eurosport Player) darum, zu Hause ein gutes Ergebnis vorzulegen. Mit breiter Brust soll sein Team die Aufgabe angehen. "Wir haben was geleistet in den letzten Wochen", sagt der Trainer. In vier Spielen wurden immerhin sieben Punkte geholt. Es gab nur eine Niederlage. Zur Erinnerung: "Ich hab's nach einem Nullsechs übernommen." Das Debakel in Augsburg bedeutete den Rauswurf von Markus Weinzierl.

Nico Willig hat schnell Rückhalt gehabt in der Mannschaft. "Wir als Gruppe vertrauen uns." Man habe "eine Wellenlänge gefunden", auf der man gemeinsam agieren könne. Bei Weinzierl war das nicht mehr der Fall. Willig hat versucht, den Spielern positives Denken einzuimpfen. Das tut er immer noch.

Die Relegation ist in seinen Augen keine Drohkulisse, auch wenn es natürlich sportliche Hochrisikospiele sind. Der Abstieg wäre ein immenser Rückschlag für den VfB. Doch Willig betont das Gute. "Wir müssen dankbar sein für diese Chance." Mit nur 28 Punkten aus 34 Spielen wären die Stuttgarter in vielen anderen Jahren direkt abgestiegen. Aber noch ist nichts vorbei. "Wir können jetzt was gewinnen." Wenn die Leistung stimmt. Nico Willig erwartet von den Spielern, "dass sie ganz genau auf den Tag X bereit sind, eine Top-Leistung abzurufen. Den Eindruck habe ich."

Der Berliner Frust muss kein Vorteil für den VfB sein

Den 1. FC Union hat er intensiv analysiert. "Das ist eine ganz, ganz harte Nuss." Die Mannschaft des Zweitliga-Dritten sei kampfstark, "bis zur allerletzten Sekunde", "sie verteidigen ihr Tor super", Union sei "sehr, sehr kompakt" auf dem Platz. Der Berliner Frust über den ganz knapp verpassten direkten Aufstieg müsse nicht zwingend zu einem Vorteil für den VfB werden. "Das kann auch zu einer Trotzreaktion führen."

Also: volle Konzentration auf Stuttgarter Seite. Und nicht Vollgas geben. Denn das ersehnte Happy End für den VfB erfordere "neben dem heißen Herz auch einen kühlen Verstand". Cleverness ist auch wichtig. "Es ist nicht nur der Donnerstag, es sind zwei Spiele." Für Willig ist klar: "Man braucht eine gewisse Geduld." Da könnten die A-Junioren als Vorbild dienen. Nach einem Unentschieden zu Hause gab es auch in Wolfsburg ein Remis nach 90 Minuten. Und dann den großen Jubel beim Elfer-Thriller.

Mercedes-Benz Bank bleibt Hauptsponsor

Im Bundesliga-Fußball geht es um Siege, Titel, Ruhm und Ehre. Aber auch um viel Geld. Noch fehlt dem VfB Stuttgart der finale Nichtabstiegs-Erfolg. Doch gesichert ist immerhin, dass der Daimler-Konzern als Anker-Geldgeber weiterhin hohe Summen auch als Trikotsponsor überweisen wird. Der Schriftzug Mercedes-Benz Bank wird auf der Brust der Profis bleiben. Der Vertrag wurde nun um vier Jahre verlängert.

Dieses Sponsoring soll dem VfB zuletzt bis zu acht Millionen Euro pro Jahr eingebracht haben. In diesem Bereich würden die Zahlungen bleiben, sollte der VfB nicht in die 2. Liga absteigen. Im Misserfolgsfall gäbe es einen deutlichen Abschlag. Auch auf dem Ärmel ist der Daimler-Konzern künftig vertreten. VfB-Präsident Wolfgang Dietrich sieht darin "ein klares Signal für das Vertrauen in den VfB und seine Führung". Jochen Röttgermann, der Marketingvorstand des Bundesligisten, sagte: "Wir schätzen uns glücklich, mit Daimler ein weltweites Aushängeschild des Wirtschaftsstandortes Deutschland an unserer Seite zu haben, welches sich klar zu seinen Wurzeln und zum VfB Stuttgart bekennt." Die Daimler AG hält auch Anteile an der 2017 ausgelagerten Profifußball-Aktiengesellschaft des VfB.

 

Wenn der VfB Stuttgart am Donnerstagabend auf den 1. FC Union Berlin trifft, berichten wir auf stimme.de in einem Live-Blog aus dem Stadion.


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