VfB Stuttgart spielt 2:2 gegen Hannover 96: Trainerfrage ungewiss

Fußball  Zweitligist VfB Stuttgart muss sich bei Mitabsteiger Hannover 96 mit einem Zähler begnügen. Ob Tim Walter im Jahr 2020 weitermachen darf, bleibt unklar. Sportdirektor Sven Mislintat kündigt eine harte Analyse an.

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Hannovers Edgar Prib (Mitte) jubelt nach seinem Tor zum 2:2. Foto: dpa

Uhrzeit und Ort sollen geheim bleiben. „Sonst stehen ja die ganzen Fotografen da“, sagt Sven Mislintat, Stuttgarts Sportdirektor, über die Analyse der sportlichen Führung des VfB Stuttgart. Er lacht im Bauch der HDI-Arena, versucht Lockerheit auszustrahlen. Den einen Ort und die eine Uhrzeit soll es gar nicht geben. „Das ist ein fortlaufender Prozess“, formuliert Mislintat die Bestandsaufnahme mit Sportvorstand Thomas Hitzlsperger und Trainer Tim Walter, die schon auf der Rückreise aus Niedersachsen am Samstag beginne. „Wir haben keinen Zeitdruck. Es wird nicht morgen eine Entscheidung geben“, sagte Mislintat beiläufig.

Ein Ergebnis, das keinem so richtig weiterhilft bei der Entscheidungsfindung

Hannover 96 - VfB Stuttgart
Stuttgarts Trainer Tim Walter gestikuliert am Spielfeldrand. Foto: dpa

Der 47-Jährige sprach auch von einer knallharten Analyse, bei der alles auf den Tisch komme. An deren Ende ein großer Knall und der Trainerwechsel steht? Ein Tagesordnungspunkt auf der Agenda: Die Zukunft des Trainers. Mit einem 2:2 (0:1) bei Hannover 96 hat der VfB Stuttgart das finale Zweitligaspiel des Jahres 2019 beendet. Ein Ergebnis, das keinem so richtig weiterhilft bei der Entscheidungsfindung. Nicht dem Trainer, nicht der sportlichen Führung und auch nicht der Mannschaft, welche die Patzer der Konkurrenz, bestehend aus Arminia Bielefeld (0:3 in St. Pauli) und Hamburger SV (2:2 in Darmstadt), nicht nutzte und als Dritter mit 31 Punkten ins Fußballjahr 2020 startet. Mislintat will die Trainerfrage nicht aufs Spiel in Hannover reduzieren: „Ein Spiel kann das Pendel nicht ausschlagen lassen.“ Das Remis in Hannover war jedoch wie ein spiegelverkehrtes Bild der bisherigen Saison. In der begann der VfB stark, ließ dann aber stark nach. In Hannover starteten die Gäste schwach, zeigten aber einen starken Zwischenspurt.

Hannover: das klar bessere Team

Die Stuttgarter spielten in der ersten Hälfte eher wie ein Abstiegs- und nicht wie ein Aufstiegskandidat. Hannover war das klar bessere Team, attackierte die Stuttgarter früh und aggressiv. „Wir haben nichts auf den Platz bekommen“, sagte auch Mislintat. Der VfB war mit dem 1:0 von Hannover durch Marvin Duksch (13.) gut bedient. „Wir hatten Blei in den Beinen“, erkannte nicht nur Trainer Tim Walter.

Ein Grund dafür: Der Druck aus der Berichterstattung vom angeblich bevorstehenden Trainerwechsel. „Das ist nicht einfach, wenn die Spieler lesen müssen, dass die Entscheidung gegen den Trainer im Prinzip schon gefallen ist“, sagte Mislintat. Viele Gespräche mit den Spielern seien nötig gewesen. „Das hat uns in den Abläufen gestört.“ Tim Walter brachte in der nach Halbzeitpause Nicolas Gonzalez, der nach zwölf Sekunden zum 1:1 traf. „Das war der Dosenöffner“, befand VfB-Verteidiger Pascal Stenzel. Silas Wamangituka legte das 2:1 (62.) nach. Die Schwaben versäumten jedoch das 3:1 und kassierten bei einem Konter das 2:2 durch Edgar Prib (74.). „Die zweite Hälfte war top. Man kann sagen, dass die Jungs sehr viel für ihren Trainer investiert haben“, machte Tim Walter Werbung in eigener Sache. Ob sie auch die Herren Mislintat und Hitzlsperger überzeugt? Man kann es nämlich auch so sehen wie Sven Mislintat: „Wir haben fünf Niederlagen, sind heute knapp an der sechsten vorbeigeschrammt. Eins von drei Spiele zu verlieren, das entspricht nicht der Bilanz eines Aufsteigers.“


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik. 

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