Sieben Minuten fehlen Neckarsulm zur Sensation

Fußball  Neckarsulm muss sich nach einer 2:1-Führung im WFV-Pokal gegen Großaspach mit 2:5 geschlagen geben. Die Aspacher stehen damit im Achtelfinale des WFV-Pokals, das trifft die NSU ins Herz.

Von Florian Huber
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Untröstlich: Neckarsulms Steven Neupert war nach dem Spiel tief enttäuscht. Gerade einmal sieben Minuten hatten dem Außenseiter für die Pokal-Sensation gefehlt.

Fotos: Mario Berger

Gekämpft, gejubelt − und am Ende doch geärgert. 15 Minuten lang führten die Oberliga-Kicker der Neckarsulmer Sport-Union am Mittwochabend gegen den Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach mit 2:1. Der große Favorit wankte im württembergischen Verbandspokal lange und gewaltig. Aber er fiel am Ende doch nicht. 5:2 nach Verlängerung setzten sich die Aspacher in der 3. Runde durch und stehen damit im Achtelfinale des WFV-Pokals.

0:5 hieß es noch am Oberliga-Wochenende aus NSU-Sicht gegen den Bahlinger SC. "Wiedergutmachung kann man nur in der Liga betreiben", sagte Sportdirektor Marco Merz vorher. Trotz des 2:5 nach 120 Minuten − bei den 730 Zuschauern betrieben die NSU-Kicker viel Wiedergutmachung. "Das war ein begeisternder Pokalfight", sagte Merz hinterher.

Erst sah es nach einer heftigen Klatsche für die NSU aus

Dabei sah es früh nach der nächsten heftigen NSU-Klatsche aus. Aspachs Timo Röttger hatte schon nach drei Minuten Pech, als seine Kopfballbogenlampe vom auf der Linie postierten Neckarsulmer Steven Neupert an die Latte geköpft wurde. Sechs Minuten später schepperte es lautstark über den Pichterich. Jonas Meister hatte aus der Distanz abgezogen − und den Ball ans Torgestänge gesetzt. Die Null auf Neckarsulmer Seite wackelte mit der Latte um die Wette. Und sie fiel Minuten später. Makana Nsimba Baku, der Bruder des Mainzer Erstligaprofis Ridle, legte für Timo Röttger auf. Der vollendete eiskalt zum 1:0 (16.).

Der Zwei-Klassen-Unterschied war durchaus deutlich ersichtlich. Marcel Susser rettete in der 24. Minute mit einem Reflex gegen Baku das Neckarsulmer 0:1. NSU-Trainer Marcel Busch hatte vorher eine besondere Informationsquelle angezapft. Daniel Thioune, der Trainer des Drittliga-Spitzenreiters VfL Osnabrück, versorgte seinen ehemaligen Ahlener Teamkollegen mit Infos über die Aspacher. Es waren nicht die schlechtesten Tipps.

Später drehte die NSU das Spiel noch

Sieben Minuten fehlen zur Sensation

Die Neckarsulmer um Maximilian Gebert (rechts) leisteten dem Drittligisten Sonnenhof Großaspach lange heftige Gegenwehr.

Allzu leichtfertig vergab der Drittligist seine Möglichkeiten auf das zweite Tor. Timo Röttger schob nach Wiederbeginn den Ball aus elf Metern freistehend am Neckarsulmer Tor vorbei (49.). Wie heißt eine goldene Fußballregel? Wer seine Chancen nicht nutzt, der? kassiert aus dem Nichts den Ausgleich. Nach 57 Minuten zirkelte Neckarsulms Ouadie Barini einen Freistoß aus rund 25 Metern zum Ausgleich ins Aspacher Tor − 1:1.

Nur drei Minuten später setzte wieder einmal Baku den Ball zum bereits dritten Mal an die Latte des NSU-Tores. Mangelndes Glück durften nur die Gäste beklagen.

Nach 68 Minuten war das Spiel aus NSU-Sicht gedreht. Neuzugang Maximilian Gebert zirkelte den Ball punktgenau in die Mitte. Dort entwischte Barini seinen Bewachern und traf volley zum 2:1. Der kleine Wirbelwind schrie seine Freude lauthals hinaus in die Welt. Neckarsulm hatte sogar die Chance aufs 3:1. Großaspach hingegen verzweifelte langsam. An sich selbst. An Neckarsulm. Und an einer akuten Aluminium-Allergie. Baku schoss aus 16 Metern an den linken Pfosten (79.).

Das Kopfballtor von Hercher traf die NSU ins Herz

In einem intensiven Fight setzte Aspach den nächsten erfolgreichen Schlag. Neckarsulms Marco Romano foulte acht Minuten vor dem Ende als letzter Mann Philipp Hercher. Schiedsrichter Tobias Endriß zeigte auf den Punkt und Romano die Rote Karte. "Ich habe ihn nicht einmal berührt, das war kein Elfer", sagte der Sünder hinterher.

Der eingewechselte Yannick Thermann traf vom Punkt zum 2:2 (83.). Neckarsulm rettete sich mit viel Leidenschaft in die Verlängerung. Dort war von der personellen Überzahl des Favoriten lange nichts zu sehen. Dann traf Philipp Hercher in der 105. Minute per Kopf zum 3:2 ins Tor − und ins NSU-Herz. Nur Sekunden später sorgte Stephane Mvibudulu mit einem Lupfer zum 4:2 für den NSU-Pokal-K.o. Das 5:2 von Baku besaß nur noch statistischen Wert. "Das war total verdient, die Verlängerung war bei unseren vielen Chancen total unnötig", sagte Sonnenhof-Trainer Sascha Hildmann. "Mit dem Elfer haben sie uns den Stecker gezogen", sagte NSU-Mann Marc Schneckenberger.


Neckarsulm: Susser, Gotovac, Romano, Schmelzle, Klotz (ab 79. Kappes), Islamaj, Schneckenberger, Neupert, Gebert (ab 76. Ayvaz, ab 110. Albert), Barini, Demir (ab 89. Müller).

Großaspach: Reule, Pelivan, Leist, Burger, Choroba (ab 67. Binakaj), Bösel Gerezgiher (ab 79. Thermann), Hercher, Meiser (ab 79. Owusu), Röttger (ab 89. Mvibudulu), Baku.

Tore: 0:1 (16.) Röttger, 1:1 (57.) Barini, 2:1 (68.) Barini, 2:2 (83.) Thermann (Foulelfmeter), 2:3 (105.) Hercher, 2:4 (106.) Mvibudulu, 2:5 (112.) Baku

Rote Karte: Marco Romano (83.)

Schiedsrichter: Tobias Endriß (Bad Ditzenbach)

Zuschauer: 730

 

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