Sargis Adamyan: Wie aus dem Märchenbuch

Fussball  Hoffenheims Sargis Neuzugang Adamyan ist beim Hoffenheimer 2:1-Coup in München der Mann des Tages. Das Trikot kommt nun daheim gerahmt an die Wand. .

Von Florian Huber
Sargis Adamyan: Wie aus dem Märchenbuch

Gut zugehört und gut gemacht: Benjamin Hübner war in der Trainingswoche als Prophet unterwegs. Sargis Adamyan (rechts) setzte die Vorgaben perfekt um.

In der vergangenen Woche nahm sich Hoffenheims Abwehrchef Benjamin Hübner den Teamkollegen Sargis Adamyan im Training zur Seite. Hör her, sprach Hübner: "Es wäre gut, wenn du gegen die Bayern mal einen Doppelpack machst. Da machst du schön auf dich aufmerksam." Gesagt, getan. Das war beim Hoffenheimer 2:1-Coup in der Münchner Arena zu sehen und hinterher zu hören.

Adamyan musste mit ziemlich lädierter Stimme Auskunft geben "über den schönsten Tag meiner Karriere". In einem Märchenbuch für kleine Fußballfans würde sich die Geschichte des Sargis Adamyan prima lesen. Ein bisserl kitschig zwar, aber halt mit Happy End. Zwei Tore gegen den FC Bayern. Matchwinner in München. Natürlich beim ersten Erstliga-Spiel von Beginn an im Trikot des neuen Clubs.

Vom Herausforderer zum Bayern-Besieger

Als kleiner Bub war er mit den Eltern aus Armenien ausgewandert. Vor zwei Jahren kickte Sargis Adamyan noch in der Regionalliga Südwest beim TSV Steinbach. Beim SSV Jahn Regensburg machte er mit 26 Torbeteiligungen in der vergangenen Zweitligasaison auf sich aufmerksam. Die TSG Hoffenheim holte ihn in der Rolle des Herausforderers. Obwohl es im Offensivbereich seither etliche Abgänge (Grifo, Amiri, Bittencourt) und Verletzte (Kramaric, Belfodil) gegeben hat, kam Neuzugang Adamyan bisher nur zu Jokereinsätzen.

"Die Umstellung hat schon Zeit gebraucht. Jetzt bin ich ganz gut drin", sagt der 26-Jährige. In München verdrängte er Christoph Baumgartner aus der Startelf. Das habe sich im Training schon abgezeichnet, verriet Adamyan.

Sargis Adamyan: Wie aus dem Märchenbuch

Vorbei an allen Roten: Sargis Adamyan trifft hier zum 2:1. Hinterher sprach der Armenier vom schönsten Tag seiner Karriere.

Fotos: dpa

Er verkörperte am Samstag beim ersten Auswärtssieg der Saison jene Effektivität, die bislang in fast jedem TSG-Spiel zuvor gefehlt hatte. Exakt drei Mal schoss Sargis Adamyan aufs Bayern-Tor. Zum ersten Mal nach nicht einmal vier Minuten, als er allein auf Manuel Neuer im Münchner Tor zulief. Jerome Boateng blockte seinen Schuss in letzter Sekunde. "Da hatte ich nicht gedacht, dass der Tag noch so läuft", krächzte der aufgekratzte Doppel-Torschütze.

Alles rechnete mit einem Bayern-Sturmlauf. Von wegen.

Bei den Torschüssen zwei und drei tunnelte der armenische Nationalspieler den deutschen Weltmeister von 2014 jeweils. Die zwei Schüsse ins Glück führten zum Hoffenheimer 1:0 (53.) und 2:1 (78.). Nach dem ersten Tor dachte Trainer Alfred Schreuder an der Seitenlinie: "Heute kann es passieren." Dann traf Robert Lewandowski (72.) zum 1:1-Ausgleich. Alles rechnete mit einem Bayern-Sturmlauf. Von wegen.

"Nach dem 2:1 fühlte es sich sicher an", sprach der Niederländer voller Stolz über den ersten Hoffenheimer Sieg in München im zwölften Anlauf. Schreuder lag nicht nur mit der Nominierung von Matchwinner Adamyan richtig. "Wenn du nur abwartest, dann verlierst du hier", sagte er. Genauso gingen es die Kraichgauer bei den Bayern an. Deshalb wurden die Hoffenheimer nur 20 Minuten vor Spielbeginn nassgemacht, als beim Warmschießen die Sprinkleranlage losging. Mittendrin: Sargis Adamyan. Der liebt große Bühnen. Im Vorjahr schoss er für Regensburg drei Tore im Hamburger Volkspark. Nun der Doppelpack vor 75 000 in München. Allerhand, dieser Adamyan.

Auf der Suche nach einem Ehrenplatz

Die Hoffenheimer Abwehrspieler wissen schon um die Stärken des Neuen. "Eklig zu verteidigen", sagt Stefan Posch. Etwas robuster muss Adamyan noch werden. Dass er über Abschlussqualitäten verfügt, das ist nun auch beim FC Bayern bekannt. Sein Trikot tauschte der Mann des Tages nicht ein. Es erhält einen Ehrenplatz, gerahmt. An der Wand. "Das hänge mir daheim auf", sagte Adamyan.

Benjamin Hübner will sich übrigens gut überlegen, was der Matchwinner auszugeben hat. Der allerdings ist froh, dass die Umsetzung noch einige Tage warten muss. Nach dem Spiel des Lebens ging es zur armenischen Nationalmannschaft. Sein nächster Auftritt steigt am Samstag auf kleinerer Bühne: im Nationalstadion von Liechtenstein.

 

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