Rhythmusstörungen bei der TSG Hoffenheim

Fußball  Der Hoffenheimer Fehlstart ist perfekt. Nach dem 0:3 gegen Mönchengladbach bittet Trainer Alfred Schreuder um Geduld und verweist erstmals auf die Sommer-Abgänge.

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Rhythmusstörungen bei der TSG Hoffenheim

Haben genau hingeschaut: Dietmar Hopp (links) und Franz Beckenbauer.

Foto: dpa

Peter Hofmann verweilte minutenlang regungslos auf seinem Platz in der obersten Reihe der Haupttribüne. Der Blick des Präsidenten der TSG Hoffenheim ging ins Nirgendwo. Das Stadion um ihn herum leerte sich nach der Hoffenheimer 0:3-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach noch rapider als sonst. Die zweite 0:3-Heim-Klatsche nacheinander hinterließ nicht nur ein ratloses Vereinsoberhaupt. Fünf Punkte aus sechs Bundesliga-Spielen sind ein Fehlstart.

"Das haben wir uns anders gewünscht. Wenn man auf die Tabelle schaut, sind fünf Punkte nicht gut", sagte Trainer Alfred Schreuder nach einem komischen Samstagmittag, der so gar nicht zum Lachen war. "Es klingt lächerlich nach einem 0:3. Aber wir waren nicht die schlechtere Mannschaft", sagte Hoffenheims Mittelfeldmann Sebastian Rudy. Zur Wahrheit gehört aber auch: Gladbach reichte eine Durchschnittsleistung vollauf für die drei Auswärtszähler.

Zahlreiche Leistungsträger fehlen aktuell

Rhythmusstörungen bei der TSG Hoffenheim

Hat eine Mannschaft gesehen, die sich verbessert habe: Alfred Schreuder.

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Dieser neuen Hoffenheimer Mannschaft mangelt es noch an Reife - und wie am Samstag eben auch an Qualität. Andrej Kramaric und Ishak Belfodil erzielten in der Vorsaison zusammen 33 Tore. Kramaric fehlt schon seit dem Vorbereitungsstart verletzt. Ishak Belfodil plagten erst Knieprobleme, nun kam noch eine Mandelentzündung hinzu. So stürmte die B-Besetzung (Bebou und Baumgartner). Weil der Däne Robert Skov als Linksverteidiger den Langzeitverletzten Steven Zuber ersetzen muss, fehlt im Sturm eine weitere Alternative. Kevin Vogts Einsatz verhinderten Oberschenkelprobleme. Neuzugang Diadie Sammasekou laboriert an einem Muskelfaserriss. Pavel Kaderabek humpelte mit bandagierter Wade nach Spielende vom Feld.

Die Rhythmusstörungen im Spiel der Kraichgauer sind offensichtlich. Sie hängen auch damit zusammen, dass fünf TSG-Profis der Startformation (Geiger, Bebou, Baumgartner, Hübner und Akpoguma) in der Vorsaison gerade einmal zwischen zwei und zwölf Erstliga-Spiele bestritten. Den gemeinsamen Rhythmus zu finden, macht das nicht einfacher.

Immer wieder sorgen zudem defensive Aussetzer für Gegentreffer, dem Offensiv-Spiel fehlt es an einem Taktgeber - und an Vollstreckern. "Ihlas Bebou und Christoph Baumgartner brauchen noch Zeit", sagte Alfred Schreuder über seine Stürmer. Vier Tore in sechs Spielen, das ist nicht das Hoffenheim der vergangenen Spielzeiten. "Die Gegentore sind zu einfach gefallen", sagte Ersatzkapitän Benjamin Hübner, der unter anderem vor dem Gladbacher 1:0 durch Alassane Pléa (43. Minute) schlecht aussah.

Auch Kevin Akpoguma machte keine gute Figur bei den Gegentreffern acht, neun und zehn. Fußball ist ein einfaches Spiel mit einfachen Wahrheiten. Als da wäre: "Weniger Tore kriegen, mehr schießen", sagte Benjamin Hübner. Chancen gab es tatsächlich einige. Stefan Posch, Dennis Geiger oder auch Christoph Baumgartner versäumten es, die Hoffenheimer in den ersten 20 Minuten in Führung zu schießen. Dann kam, wie so häufig in dieser Spielzeit, ein unerklärlicher Bruch ins Hoffenheimer Spiel. Gladbach gewann verdient. Marcus Thuram (65.) und Florian Neuhaus (83.) trafen für die Elf vom Niederrhein zum 2:0 und 3:0.

Rhythmusstörungen bei der TSG Hoffenheim

"Es klingt lächerlich nach einem 0:3. Aber wir waren nicht die schlechtere Mannschaft": Sebastian Rudy ist bedient.

Fotos: dpa

Der Trainer versucht Zeit zu gewinnen

"Ruhig bleiben", lautet Schreuders Devise nach dem Fehlstart: "Die Mannschaft braucht Zeit", mahnte der Niederländer. Nicht nur öffentlich bittet er um Geduld, auch vereinsintern hat er auf die stark veränderte Ausgangslage verwiesen. Als Schreuder im März in Sachen Nagelsmann-Nachfolge zusagte, sah der Kader noch anders aus. "Es ist viel passiert seit März. Wir alle wissen, was", spielte Schreuder auf die 110-Millionen-Euro-schweren Abgänge der Herren Joelinton, Demirbay, Amiri und Schulz an.

Wenn es schon keine Punkte gibt, so versucht Schreuder Zeit zu gewinnen. Sein Fokus geht deshalb weg von den nackten Zahlen. "Ich habe eine Mannschaft gesehen, die sich fußballerisch entwickelt", sagte Alfred Schreuder nach dem 0:3 gegen Gladbach. Das Problem: Dafür gibt es keine Punkte im Bundesliga-Tableau. Es droht ein ungemütlicher Hoffenheimer Herbst. Einer, den die TSG dauerhaft in der unteren Tabellenhälfte verbringt. Die nächsten Gegner sind am Samstag Tabellenführer Bayern München, nach der zweiwöchigen Pause kommen dann die Schalker Seriensieger nach Sinsheim.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik. 

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