Mit Volker Keitel macht ein Original des Sinsheimer Fußballs Feierabend

Fußball  Nach einem tätlichen Angriff eines Zuschauers hat Trainer Volker Keitel bei Türk Gücü Sinsheim hingeschmissen. Für ihn sei damit eine rote Linie überschritten, sagt der 58-Jährige. Die richtige Entscheidung, findet ein Kollege.

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Volker Keitel macht Feierabend

Im Sommer feierte Volker Keitel den Aufstieg, nun hat er hingeworfen.

Foto: Peter

Volker Keitel ist ein Original des Sinsheimer Fußballs. Unverwechselbar. Positiv. Ehrlich. Sympathisch. Ein Typ eben. Einer mit Prinzipien. Und einer, der fehlen wird.

Denn der 58-Jährige hat sich dazu entschlossen, nicht mehr Trainer zu sein. Nicht bei Türk Gücü Sinsheim, wo er am Sonntag noch an der Linie gestanden hatte. Und auch nirgendwo anders. "Ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder auf dem Platz zu stehen", sagt Keitel.

Das Kreisliga-Duell beim VfB Eppingen II, das seine Mannschaft mit 2:4 verlor, soll das letzte seiner langen Karriere gewesen sein. Auslöser für seinen Entschluss ist aber weder die sportliche Leistung seiner Mannschaft noch irgend ein atmosphärisches Problem im Club, den Keitel im Sommer über die Relegation in die Kreisliga Sinsheim führte.

Auslöser für Keitels Entschluss ist ein Zuschauer. Einer aus den eigenen Reihen, was Keitel lieber unkommentiert lässt. Fakt ist aber, dass der Zuschauer sich in der 75. Minute ganz fürchterlich echauffierte, obwohl Türk Gücü gerade einen Elfmeter zugesprochen bekommen hatte. Wenn auch einen zweifelhaften, offenbar. Zumindest sah das der Linienrichter so, eilte aufs Feld, informierte den Schiedsrichter, der allerdings bei seiner Entscheidung blieb. Gut für Türk Gücü.

Trotzdem gab der Zuschauer keine Ruhe. "Er hat sich offenbar noch über eine Szene aus der ersten Hälfte aufgeregt", sagt VfB-Trainer Detlef Liehs, der die ganze Situation komisch fand. Der Zuschauer schimpfte immer weiter. "Heftig und nervig" fand das Liehs.

Irgendwann hatte auch Volker Keitel genug. "Ich habe ihm gesagt, dass er wieder ruhiger sein soll." Danach sei der Zuschauer auf Keitel los: zunächst verbal. Als Keitel abwinkte, "ist er noch wilder geworden".

Nach dem Angriff steht für Keitel fest: "Das war's für mich."

Obwohl sich ihm Zuschauer und Offizielle in den Weg stellten, kam er bis zu Keitel und griff den Trainer tätlich an. "Es war im Endeffekt gar nicht dramatisch, aber ich habe einen Schlag auf die Schulter bekommen", verrät Keitel. Schmerzen hatte er zwar keine. Aber doch stand in dieser Sekunde fest: "Das war's für mich." Kurz hatte Keitel noch überlegt, sofort das Feld zu verlassen, entschied sich aber dafür, das Spiel zu Ende zu bringen. In der Kabine hat er seinem Team dann den Entschluss mitgeteilt.

Für Keitel war mit dem Übergriff eine rote Linie überschritten. In Zeiten steigender Gewalt auf Fußballplätzen hatte er schon länger beschlossen: "Wenn mir mal so was passiert, ist Feierabend." Zwar habe der Verein noch einen Anlauf unternommen, seinen Trainer umzustimmen. Doch Keitel blieb dabei. "Richtig und konsequent", findet Kollege Liehs das. "Ich hätte das genauso gemacht. Wo sind wir denn, wenn man schon von eigenen Fans angegriffen wird", fragte Eppingens Trainer. "So was geht gar nicht." So hat die Kreisliga ein Unikat verloren.

 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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