Marc Schnatterer freut sich auf "Schnipo Schranke" in Tripsdrill

Fußball  Der Bönnigheimer, der zur Legende des 1. FC Heidenheim geworden ist, sorgt mit seinem ersten Tor in dieser Zweitliga-Saison fürs 1:1 beim Karlsruher SC

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Marc Schnatterer freut sich auf "Schnipo Schranke" in Tripsdrill

Drin das Ding. Marc Schnatterer zeigt es an. Neben ihm ärgert sich der Karlsruher Lukas Grozurek über den 1:1-Ausgleich.

Foto: dpa

Der kann das. Man weiß das, auch in Karlsruhe. "Dass Schnatterer schießen kann, wissen wir seit gut zehn Jahren", sagte Benjamin Uphoff, der Torwart des KSC. "Aber wir haben keinen Druck gekriegt auf den Spieler."

Ja, Marc Schnatterer hat sich einen sehr guten Namen gemacht, seit er 2008 zum 1. FC Heidenheim gewechselt ist. 120 Tore in 402 Pflichtspielen. Dazu noch 117 Vorlagen. Der Kapitän ist beim FCH zur Legende geworden. Auch wegen der vielen schönen Schüsse, die genau so aussahen wie der zum 1:1-Ausgleich in Karlsruhe.

Trainer Schmidt hat viele Schnatterer-Momente gesehen

"Wichtig, dass Schnatti auch mal wieder so ein Ding gemacht hat", sagte Trainer Frank Schmidt, das andere Urgestein der Heidenheimer Fußball-Erfolgsära. Seit 2007 ist er schon im Amt. Viele großartige Schnatterer-Momente hat er gesehen. Aber erst am 8. Spieltag das erste Zweitliga-Saisontor seiner Nummer sieben. Schon vor dem Schuss ahnte Schmidt, was kommen würde. "Als er den Ball bekommen hat, hat man ihm angesehen, was er jetzt macht, wenn man ihn länger kennt."

Der Trainer und sein Kapitän kennen sich so gut wie wohl kein anderes Paar im deutschen Profifußball. Beide hätten irgendwann gehen können. Gründe, sie aus Heidenheim wegzulocken, gab es genug. Die können was. Man weiß das. Aber Frank Schmidt und Marc Schnatterer sind in Ostwürttemberg geblieben, weil sie beide Kontinuität schätzen, die ganz spezielle Heidenheimer Art, den immer unsteter werdenden Profifußball mit dauerhaften Werten zu untermauern.

Immer wieder Abstecher nach Hause

Schnatterer, inzwischen 33, einst in Heilbronn geboren, fährt immer mal wieder nach Hause, zur Familie, zu den Freunden von früher. Er stammt aus Bönnigheim, hat beim dortigen TSV das Kicken gelernt. Auf dem Weg von Karlsruhe nach Heidenheim wäre ein Abstecher in die Heimat ohne Umweg möglich gewesen. "Aber ich war letztes Wochenende da." Als der FCH schon freitags gespielt hat.

Gerne besucht Marc Schnatterer seinen "besten Kumpel" Benjamin Fischer. "Wir lagen schon zusammen in der Wiege." Der Familie Fischer gehört der Freizeitpark Tripsdrill, gleich neben Bönnigheim gelegen. Dort gibt"s "Schnipo Schranke" auf den Teller, Schnitzel mit Pommes, Ketchup und Mayonnaise, schön rot-weiß gemustert.

Ideale Sportlernahrung ist das nicht. "Aber das tut mir unheimlich gut", grinste Schnatterer, als er von seinen Trips in die Heimat erzählte.

Über Freiberg und Karlsruhe nach Heidenheim

Über den SGV Freiberg kam er 2006 zum Karlsruher SC. Zweite Mannschaft, Regionalliga Süd. Es lief nicht besonders gut für ihn. Sein Glück fand das Talent dann in Heidenheim. Gut gelaunt stand Schnatterer am Samstagnachmittag im Kabinentrakt des Karlsruher Wildparkstadions und parierte die Frage nach dem ersten Saisontor mit Humor. "Ihr müsst nicht so in die Wunde reinfassen." Der Mann mit dem roten Bart ist es gewohnt, oft zu treffen. Diesmal war der Schuss noch ganz leicht abgefälscht.

Es war in der 54. Minute das 1:1. Philipp Hofmann hatte den KSC in Führung gebracht (21.), sechs Minuten später vergab der Stürmer in der besten Karlsruher Phase die große Chance zum 2:0. Dann war "plötzlich ein Bruch im Spiel", wie Mittelfeld-Abräumer Lukas Fröde beklagte. Vorher habe man "zugestochen und schnell umgeschaltet", dann aber "ein bisschen den Zugriff verloren".

Fehlende offensive Durchschlagskraft beim KSC

KSC-Trainer Alois Schwartz trauerte dem verpassten 2:0 nach: "Wenn der Ball reingeht, läuft das Spiel anders." Kollege Schmidt war mit der FCH-Steigerung zufrieden. Seine taktischen Hinweise in der Pause zahlten sich aus. "Ich hab die Fehler angesprochen." Für mehr sah Frank Schmidt keinen Anlass, trotz der anfangs komplett fehlenden offensiven Durchschlagskraft. "Es war kein Spiel, um der Mannschaft die Leviten zu lesen." Die Körpersprache habe gestimmt.

Und es gab ja den Schnatti. Der dann "in seiner unnachahmlichen Art" traf, wie sich der Trainer freute.

Ja, der kann das.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme. 

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