Im Pokal kommt alles anders

Fußball  Die vermeintlichen Favoriten Neckarbischofsheim und Rohrbach/Sindheim stürzen im Halbfinale des Kreispokals. Dafür freuen sich Gemmingen und Eppingen auf ein Traumfinale.

Von Werner Grässle und Martin Peter

Im Pokal kommt alles anders

In dieser Szene schießt Gemmingens Salih Kara (links) über das Tor. Dennoch erzielte er das Tor des Tages.

Foto: Klaus Krüger

Im Pokal gibt es einfach keine Favoriten: Das haben am Donnerstagabend auch der TSV Neckarbischofsheim und der SV Rohrbach/ S. am eigenen Leib erleben müssen. Die beiden Spitzenteams der Kreisliga Sinsheim haben im Halbfinale im Kreispokal die Segel gestrichen.

 

SV Gemmingen - SV Rohrbach/S. 1:0

Erstens kommt es anders. Zweitens, als man denkt. Joachim Heger hatte sich den Kreispokal so schön ausgemalt. "Ja, wir wollen den Pokal nach Rohrbach holen", sagte der Trainer des Kreisligisten vor dem Spiel. Daniel Kufner vom SV Gemmingen hatte ein entsprechendes Rezept parat, wie er den Klassenunterschied zwischen dem Spitzenreiter der Kreisklasse A hin zum Zweiten der Kreisliga wettmachen kann: kontrollierte Offensive.

Warum also verstecken?

Warum auch verstecken? Selbstbewusst tritt der SV Gemmingen diese Saison auf. Nach fünf Minuten aber hätte das Pokalhalbfinale aber seinen erwarteten Verlauf nehmen können. Gemmingens Keeper Özcan Kabak parierte einen Schuss mit einer Glanzparade. Warum der freistehende Stürmer den Ball aber nicht im Tor versenkte, bleibt wohl sein Geheimnis.

Nach der ersten gelungenen Ballstafette über die Flügel setzten die Gemminger erfolgreich ihren Konter. Salih Kara schob die Kugel nach Maßflanke ins linke untere Toreck. 1:0. Der Jubel hielt sich aber noch in Grenzen, noch waren über 80 Minuten zu spielen. Nur zwei Minute später hätte Kara bei seinem Alleingang für das 2:0 sorgen können. Nico Romig blieb allerdings lange stehen - und fing den Heber gekonnt ab.

Rohrbach war nun zeitweise drückend überlegen

Dramatisch wurde es im zweiten Durchgang. Jetzt war Rohrbach zeitweise drückend überlegen. Handspiel nach einem Schuss aus kürzester Distanz: Die Diskussion um Elfmeter geht auch in Gemmingen weiter. Özcan Kabak wusste jedenfalls die klar Antwort, in dem er den zweifelhaften Strafstoß für die Gäste in der 67. Minute mit einer Glanzparade entschärfte. Der nächste Aufreger war ein nicht gegebener Treffer für die Gäste. "Der Schütze stand nie im Abseits", ärgerte sich Heger.

Bis zum Abpfiff und kollektivem Gemminger Jubel nahm die Dramatik immer mehr zu. Wahnsinn, was bei uns derzeit abgeht", meinte SV-Vorstand Joachim Harasko.

Gemmingen: Kabak, Koprivnik (50. Haas), Fürst, Celik, Reh, Marco Haugk, Marcus Haugk, Gebhard, Rudel, Unser, S. Kara (65. E.Kara)

Rohrbach/S.: Romig, Brecht, Unser, Authenrieth, Reißfelder, Neuberger, Flaig, Hack, Heinlein, Bauer (70. Ziegler), Dowalil. Tor: 1:0 Salih Kara. Schiedsrichter: Dominik Genthner. Zuschauer: 250


VfB Eppingen II - TSV Neckarbischofsheim 2:1

Am Ende suchte der Trainer die Einsamkeit: Als sich der Trubel endlich gelegt hatte, stand Detlef Liehs alleine im Halbdunkel am kleinen Kiosk im Stadion und aß seine Bockwurst. "Runterkommen, entspannen", ließ der Trainer des VfB Eppingen II, der gerade ins Pokalfinale gezogen war, wissen. Ruhe war nötig. Die letzten Minuten der Partie gegen den Kreisliga-Tabellenführer Neckarbischofsheim waren aufregend. Unnötig aufregend.

"Wenn man was bemängeln muss, dann, dass wir nicht rechtzeitig das 3:1 nachgelegt haben", sagte Liehs direkt nach dem Spiel. So hatte der VfB noch zittern müssen und am Ende Glück. Das änderte jedoch nichts daran, dass der 2:1-Sieg absolut verdient war. Das sahen auch die Verlierer am Ende so.

In der ersten Hälfte zu passiv

Die Gäste taten sich beinahe gewohnt schwer: In Bezug auf den Gegner als auch auf dem engen Kunstrasenplatz. "Wir waren in der ersten Halbzeit zu passiv, haben das Spiel da schon verloren", sagte Benjamin Huwer. Der spielende Co-Trainer musste nach einer Viertelstunde verletzt vom Platz - ein Handicap, sicher. Aber keine Ausrede.

Eppingen nahm sich die Zeit, ins Spiel zu finden, war dann umso mehr da. Stefan Beierle erzielte nach einer Flanke sehenswert das 1:0 - mit einem halben Seitfallzieher. Tobias Gebhardt ließ das 2:0 folgen, per Kopf nach einer Ecke. "Dann haben die Eppinger die Qualität, das zu verteidigen", sagte Huwer. Per Foulelfmeter traf Marcel Schaardt zwar vor der Pause für den TSV. Am Ende blieb es aber beim 2:1. "Weil wir unsere Konter schwach ausspielen", sagte Beierle. Und, weil Eppingen Glück hatte. In der Nachspielzeit klärte Julian Frick auf der Linie, zuvor hatte Keeper Branz stark gehalten.

Eppingen: Branz - Mugeta, Lange, Gebhard, Muth - Palinkasch, Söder - Frick, Gashi (84 Rebmann), Münzer (70. Flaig) - Beierle (N. Zigmantavicius).

TSV Neckarbischofsheim: Weis - Schulz, Mahrt, Dolch - Huwer (14. Haffelder) - Monteiro (68. Sarr), Lorenz, Proissl, Laber - Schaardt, Gülay. Tore: 1:0 (20.) Stefan Beierle, 2:0 (35.) Tobias Gebhard, 2:1 (44.) Marcel Schaardt, FE. Schiedsrichter: Christopher Funk. Zuschauer: 110.


Traumfinale

Zum dritten Mal hat Stefan Beierle inzwischen ein Kreispokal-Finale erreicht. Und einen besseren Gegner als den SV Gemmingen hätte er sich kaum wünschen können. "Das ist ein Traumfinale", sagt der Stürmer des VfB Eppingen II Mit Blick auf das Finale am 29. Mai, das beinahe Derby-Charakter hat. "Da kommt sicher ein Haufen Zuschauer."

 


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