Eine runde Sache: Santiago Ascacibar wird Papa

Fußball  Nicht nur dem 22-jährigen Argentinier kommt der Wechsel des VfB Stuttgart ins 4-3-2-1-System zugute.

Email
Eine runde Sache: Santiago Ascacibar wird Papa

Manöverkritik: Trainer Tim Walter (Mitte) weiß, dass noch immer nicht alles rund läuft.

Foto: dpa

Es verändert sich viel, wenn man Vater wird. Sogar der Torjubel. Santiago Ascacibar steckte sich nach seinem Tor am Sonntagnachmittag den Ball unter das Trikot. Ja, die Nummer sechs des VfB Stuttgart ist mehr oder weniger schwanger, das einstige Problemkind wird bald Papa. Und steht für den Umbruch beim Zweitligisten.

Der 22-jährige Argentinier war vor ein paar Wochen noch beleidigt suspendiert worden, weil er auf seiner angestammten Position sechs Neuzugang Atakan Karazor vor die Nase gesetzt bekommen und Kritik geäußert hatte. Jetzt spielt er offensiver und hat beim 3:1-Sieg gegen Dynamo Dresden sein erstes Tor im VfB-Trikot geschossen.

Beliebter und in jeglicher Hinsicht wertvoller Spieler

"Es freut mich sehr für ihn", kommentierte Tim Walter Ascacibars Erstling. Der Trainer darf sich auch für sich selber freuen: Der beliebte und in jeglicher Hinsicht wertvolle Spieler hat in der veränderten taktischen Grundform seinen Platz gefunden. Das aus vielen Mosaiksteinchen wachsende Bild vom Wiederaufstieg gewinnt so an Schärfe.

"Das 2:0 war fast von der gesamten Mannschaft herausgespielt", sagte VfB-Sportvorstand Sven Mislintat zu Ascacibars Volltreffer, "das ist das, was wir sehen wollen." Die Abwehrspieler legten sich den Gegner mit Querpässen zurecht, dann der Steilpass, Direktspiel, Abschluss, Tor - über Pascal Stenzel, Philipp Förster und Orel Mangala war der Ball Santiago Ascacibar serviert worden. Wunderbar. "Das Tor war richtig top", lobte der Vollstrecker seine Vorlagengeber.

Extreme Verbesserung im Ballbesitzspiel

Statt im Basissystem 4-4-2 mit Raute hatte Walter seine Jungs zum wiederholten Mal im 4-3-2-1-System mit drei defensiven Mittelfeldspielern vor der Viererkette in den sportlichen Wettstreit geschickt. Ascacibars Rolle ist dabei offensiver. Im Ballbesitzspiel habe er sich extrem verbessert, sagte Tim Walter nach dem Spiel. "Verteidigen tut er eh überragend." Im Training sei er noch viel besser als im Spiel.

Also ist die Taktikmodifizierung das Allheilmittel, weil es die Abwehr stabilisiert (allerdings immer noch nicht über 90 Minuten sicher macht) und Stinkstiefel Ascacibar eine neue Aufgabe gegeben hat? Die Systemdebatte will Sven Mislintat nicht überwertet sehen: "Taktische Flexibilität ist gut. Viel wichtiger ist, wie wir das ausfüllen." Die 4-3-2-1-Variante sei auch nicht neu, schon gegen Heidenheim (zweiter Spieltag) und Bielefeld (achter Spieltag) praktiziert worden. Und der Ärger mit der Suspendierung sei sowieso längst vergessen.

Sportvorstand Sven Mislintat ist nicht genervt

"Santi hat schon einen Tag später kapiert, dass er einen Fehler gemacht hat", merkte Mislintat an. Nervt es ihn nicht, dass man immer zittern muss, weil die Abwehr manchmal wackelt und der Angriff immer großzügig Chancen vergibt? "Nein, das nervt gar nicht, wenn man drei Tore macht und nur eins kassiert, behauptete Mislintat.

Dass Tim Walter nicht starr auf dem 4-4-2 beharrt, ist ein gutes Zeichen: Der ebenfalls von sich und seiner Spielweise sehr überzeugte Alexander Zorniger war einst starrsinniger - was viele Punkte, die Fans noch mehr Nerven als jetzt und Zorniger den Job kostete.

Pizzarunde in der Kabine für alle

Die Mannschaft, die am Sonntag nach dem siebten Sieg im zwölften Spiel der 2. Bundesliga um ihren Trainer zwecks Manöverkritik einen Kreis bildete, wird allerdings weiterhin Zeit brauchen, bis wirklich alles rund läuft. Apropos rund: Wie wird Santiago Ascacibar seine Vaterrolle mit der Mannschaft feiern? "Üblicherweise mit einer Pizzarunde in der Kabine für alle", sagt Kapitän Marc Oliver Kempf.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

Kommentar hinzufügen