Ein KSC-Tor aus dem Nichts, das alles verändert

Fußball  Ausgerechnet Manuel Stiefler schießt den Karlsruher SC auf der Baustelle im Wildpark zum 1:0-Sieg gegen den SV Sandhausen. Damit endet die Niederlagenserie für den KSC im badischen Derby.

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Ein KSC-Tor aus dem Nichts, das alles verändert

Drin das Ding: Der Karlsruher Manuel Stiefler bejubelt seinen Siegtreffer zum 1:0. Sandhausens Torwart Martin Fraisl (rechts) liegt am Boden.

Foto: dpa

Es sprach einiges dafür, dass es ein "Ausgerechnet"-Spiel werden würde. Karlsruher SC gegen SV Sandhausen, das ist ein Spiel mit Brisanz. Hier der Aufsteiger KSC, der in der 22. Zweitliga-Saison weiter von seiner Vergangenheit lebt, dort die Gäste aus der 14 500-Einwohner-Gemeinde, die in acht Jahren zweite Bundesliga eine Marke geworden, als Tabellendritter angereist sind. Und fünf Karlsruhern einst einen Arbeitsplatz boten: Manuel Stiefler, Marco Thiede, Daniel Gordon und Damian Roßbach sowie Trainer Alois Schwartz waren früher 50 Kilometer nördlich für die Sandhäuser aktiv. Und ausgerechnet Manuel Stiefler schoss vor 13 517 Zuschauern das Tor des Abends: Der KSC schob sich dank des 1:0-Sieges, es war der dritte Karlsruher Dreier der Saison, am Freitag zumindest vorübergehend auf Platz sieben der 2. Bundesliga.

"Wir sind gut hinten dringestanden, haben auf Konter gespielt und ein ekliges Tor gemacht - perfekt", sagte der Karlsruher Startelfdebütant Dirk Carlson. Auch Manuel Stiefler debütierte von Beginn an. Er habe sich vor dem Spiel gegen seinen Ex-Club schon so seine Gedanken gemacht, sagte: "Es war ein besonderes Spiel für mich. Und besonders, das Spiel mit meinem Tor entschieden zu haben." Ausgerechnet Manuel Stiefler.

Ein Stolper-Tor, passend zum Spiel

Der 31-jährige Mittelfeldspieler hatte fünf Jahre lang (bis 2018) für den nordbadischen Nachbarn gespielt und in 82 Spielen fünf Tore geschossen. Am Freitagabend traf er in der 57. Spielminute erst im dritten Versuch, aber dann war der Ball doch an Torhüter Martin Fraisl vorbeigestochert. Philipp Hofmann hatte eine Flanke verlängert. "Darauf hatte ich spekuliert", verriet Zocker Stiefler. Die Gäste waren bedient. Weil sie beim Gegentreffer nur zu zehnt auf dem Platz waren: Rurik Gislason und Manuel Stiefler waren mit den Köpfen zusammen geknallt. Der Isländer musste am Spielfeldrand behandelt werden, Stiefler traf.

"Das ist sehr bitter", schimpfte SVS-Kapitän Dennis Diekmeier. "Die wissen doch selber nicht, wie sie gewonnen haben." KSC-Trainer Alois Schwartz zuckte mit den Schultern und sagte: "Da war viel Krampf und Kampf. Aber wir haben gewonnen. Und es war wichtig, endlich wieder drei Punkte geholt und erstmals in der zweiten Liga kein Tor kassiert zu haben."

Es war ein komisches Spiel. Ein Spiel, das quasi eine Stunde lang Anlauf genommen hatte. Das Duell der Nordbadener (Schwartz: "Es ist zwar badisch, aber ein richtiges Derby ist es nicht") hatte Pep, es fehlte jedoch die Klasse. Tendenziell bestimmten die Gäste die Aktionen, Torraumszenen waren rar. Die besten Chancen der Karlsruher in den ersten 45 Minuten: ein Kopfball von Marvin Pourié (21., der Mittelstürmer stand a im Abseits) und ein Schuss von Philipp Hofmann (27.). SVS-Chancen mit dem größten Torpotenzial: Erik Zenga zog ab (31.) und Kapitän Dennis Diekmeier passte gefährlich nach innen (39.) - in allen vier Fällen waren die überragenden Torhüter Martin Fraisl (SVS) und Benjamin Uphoff (KSC) mit Herz, Hand und Fuß die Spielverderber. Halbzeit. Welche der beiden Mannschaften würde auf der Baustelle Wildparkstadion als erstes ein Stemmeisen finden oder von ihrem Trainer eine Hilfe bekommen, um den Hebel an der richtigen Stelle anzulegen?

Mit dem Tor kippt das Spiel

Der Zufall hat noch immer die größte Durchschlagskraft. Stieflers Treffer fiel aus dem Nichts - und veränderte alles. Das nordbadische Geplänkel - vorbei. "Nach dem 1:0 ist das Spiel auf unsere Seite gekippt", sagte Alois Schwartz. Bis zum Schluss ging es im Wildpark munter hin und her, gab es richtige Chancen auf beiden Seiten. Doch es blieb beim 1:0. Dank des Tores des Abends von Manuel Stiefler. Ausgerechnet Manuel Stiefler.

Karlsruher SC: Uphoff - Thiede, Pisot, Gordon, Carlson - Fröde, Wanitzek, Stiefler (83. Grozurek), Lorenz (88. Camoglu) - P. Hofmann (90.+1 Kobald), Pourié.

SV Sandhausen: Fraisl - Diekmeier, Nauber, Schirow, Paqarada - Linsmayer, Taffertshofer (75. Biada), Zenga (64. Engels), Türpitz (81. Bouhaddouz) - Gíslason, Behrens.

Tore: 1:0 Stiefler (57.). Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin). Zuschauer: 13517.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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