Der neue VfR Heilbronn hat einen Trainer gefunden

Fußball  15 Jahre nach dem letzten Spiel des Heilbronner Traditionsvereins startet der neue VfR zur Saison 2018/2019 in der Kreisliga B durch. Nun steht fest: Erkan Acikara wird Trainer.

Von Alexander Bertok
Email

Die Saison 2002/2003 war die letzte für den VfR Heilbronn. Die Fusion mit der Heilbronner Spvgg zum FC Heilbronn bedeutete das Aus des 1896 gegründeten Vereins. Fortan waren die Schwarz-Weißen Geschichte. Doch nach einem knapp 15-jährigen Dornröschenschlaf lebt der Traditionsclub neu auf. Die Versammlung zur Neugründung in der Pizzeria "Da Toni" am 15. März war die Geburtsstunde des neuen VfR Heilbronn, der künftig an früherer Spielstätte, dem Frankenstadion, in der Kreisliga B auf Punktejagd gehen wird.

Der Zuspruch kommt von allen Seiten

Erkan Acikara erster Trainer des neuen VfR

Onur Celik (links) und Markus Itzerott führen den neuen VfR Heilbronn in die Zukunft − ohne sportlich übersteigerte Erwartungen zu hegen.

Foto: Bertok

Onur Celik ist als 1. Vorstand eine federführende Kraft, die dem Verein neues Leben einhaucht. Der 40-Jährige war Spieler der legendären VfR-A-Jugend, die 1996 deutscher Pokalsieger wurde. "Wir wollten die Tradition neu aufleben lassen", sagt Celik über seine Intention. "Ich habe in zahlreichen Gesprächen erfahren, dass vielen Heilbronnern der VfR gefehlt hat. Wir sind jetzt bei rund 50 Mitgliedern angekommen, erhalten von allen Seiten positiven Zuspruch. Es gibt etliche, die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auf unserer Facebookseite haben wir knapp 1000 Likes."

Eigentlich war der Neustart erst zur Punktrunde 2019/2020 geplant. "Als uns von der Stadt jedoch zugesagt wurde, dass wir das Frankenstadion zur Verfügung gestellt bekommen, haben wir beschlossen schon zur Saison 2018/2019 den Spielbetrieb aufzunehmen", klärt der 2. Vorstand Markus Izterott auf. Allerdings kann im Stadion nicht trainiert werden. Zumindest an den Montagen kommt die Mannschaft auf dem Sportgelände des SSV Klingenberg unter. "Wir sind aber noch auf der Suche nach einem weiteren Platz, auf dem wir trainieren dürfen", sagt Itzerott. "Wir sind nicht der alte VfR, führen aber die Tradition fort − ohne übersteigerte Erwartungen."

Erkan Acikara wird Trainer des neuen VfR 

Erkan Acikara erster Trainer des neuen VfR
Erkan Acikara leistet zur neuen Saison Starthilfe. Foto: Archiv/Bertok

Die Planungen laufen auf Hochtouren. Beantwortet ist seit vergangener Woche die T-Frage. Erster Trainer des neuen VfR wird Erkan Acikara. "Ich kenne Onur jetzt rund 20 Jahre. Für mich sind Werte wie Freundschaft enorm wichtig", erzählt der 42-Jährige, der den Posten aus alter Verbundenheit übernommen hat. "Es ist in erster Linie ein Freundschaftsdienst. Ich gehe ohne die ganz große Emotionalität an die Sache ran, da ich selbst ja keine VfR-Vergangenheit habe."

Die Motivation bei Acikara, der bis zum Ende der vergangenen Saison den SV Heilbronn am Leinbach trainierte und nun nach einem Jahr Pause wieder einsteigt, ist dennoch groß. "Ich freue mich, einen Beitrag zum Neuaufbau leisten zu können und bin mir sicher, eine konkurrenzfähige Truppe auf den Platz zu bringen."

Savo Bozic freut sich über die Neugründung

Letzter Trainer des alten VfR Heilbronn war Savo Bozic, der die Mannschaft im Dezember 2002 von Ion Dumitru (ehemaliger rumänischer Nationalspieler) auf einem Abstiegsplatz übernommen hatte und sie zum Klassenerhalt in der Verbandsliga führte. Trotz einer 0:2-Niederlage im abschließenden Spiel gegen den TuS Metzingen reichte es am 31. Mai 2003 zum Liga-Verbleib, da auch die Konkurrenz gepatzt hatte. "Im April hatte man mir mitgeteilt, dass es wohl die letzte Saison des VfR sein würde. Ich war damals geschockt", erinnert sich Bozic. "Jetzt freue ich mich riesig über die Neugründung. Dieser Verein liegt mir am Herzen. Einmal VfR-ler immer VfR-ler."

Erkan Acikara erster Trainer des neuen VfR

"Aktuell haben wir einen Kader von rund 20 Spielern", sagt Celik. Zugesagt haben unter anderem Soner Celen (38 Jahre, früher Profi in der Türkei und ehemaliger Spieler der Union Böckingen und des FC Union Heilbronn), Benjamin Walz (29, aus dem Raum Nagold), Marcel Kaufmann (30, früher Eppingen, Nöttingen, Pfullingen, Pforzheim), Patrick Kuhn (21, SSV Klingenberg) und Tim Rehm (SKV Erligheim).

"Wir planen mit einem Etat von 15.000 bis 20.000 Euro", sagt Celik. Itzerott fügt an: "Wir haben eine Sponsorenmappe erstellt, jetzt geht es ans Klinkenputzen. Die ersten erfolgreichen Gespräche haben wir bereits geführt." Was die sportlichen Ziele anbelangt, da geben sich die Verantwortlichen bescheiden. "Zunächst wird es eine Findungsphase geben, die Mannschaft, der Verein − das muss erst alles zusammenwachsen. Das wird sich bis zur Winterpause hinziehen", will Celik erst für die zweite Saisonhälfte ein Klassenziel ausgeben. Mittelfristig sind die Ambitionen etwas größer. "Wir haben kein Interesse, fünf Jahre lang in der B-Liga zu spielen", macht Celik deutlich.

Auch interessant: Von VfR bis FC Union: Etappen eines Niedergangs


Kommentar hinzufügen