Auf dem Fußballplatz ist es immer noch gleich ungefährlich

Fußball  Der Württembergische Fußballverband veröffentlicht eine Studie zu Gewalt gegen Schiedsrichter. Demnach ist keine steigende Tendenz zu erkennen

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Auf dem Fußballplatz ist es immer noch gleich ungefährlich

Jochen Härdtlein vom Württembergischen Fußballverband (WFV) ist derzeit ein viel gefragter Mann, wenn es um das Thema Gewalt auf dem Fußballplatz angesprochen wird. Vermutlich kann er es schon nicht mehr hören. Dem Schiedsrichter-Lehrwart zufolge sei die Wahrnehmung, Gewalt auf dem Fußballplatz hätte zugenommen, verzerrt. Schuld daran sei die mediale Berichterstattung. Das sagt auch Katharina Guthmann vom Badischen Fußballverband. Sie ergänzt: "Grundsätzlich stehen Schiris im Brennpunkt."

Bei einem Pressegespräch vor gut zwei Wochen hat der WFV versucht, das Thema sachlich aufzuarbeiten. Unterstützt durch interne Analysen und die Universität Tübingen, die im Auftrag des WFV Studien zu Gewalt auf dem Fußballplatz der vergangenen fünf Jahre erstellt hat. Zwei wichtige Erkenntnisse: Es bestünden keine signifikanten Unterschiede in der Häufung von Beleidigungen in den vergangenen fünf Jahren. Und: Schiedsrichter fühlten sich laut der Studie heute noch so sicher auf dem Fußballplatz wie vor fünf Jahren.

60 Spielabbrüche wegen Gewalt bei 120.000 WFV-Sppielen

Die Zahlen sprechen für sich. Diese Saison zählt der WFV bis zum 12. November bei 44 640 Spielen 23 Spielabbrüche wegen Gewaltausbrüchen. Härdtlein geht davon aus, dass sich die Zahlen am Saisonende nicht großartig zur vergangenen Spielzeit verändern. Man rechne mit 60 Spielabbrüchen bei rund 120 000 Spielen. Es scheint sich also um ein subjektives Gefühl einzelner Schiedsrichter zu handeln, die eine erhöhte Gewaltbereitschaft erkennen.

Aber warum haben in Hessen, im Saarland und in Berlin die Schiedsrichter wegen körperlicher Angriffe gestreikt? Härdtlein möchte das nicht kommentieren und verweist auf die dortigen Verbände. "Bei uns hat kein Schiedsrichterstreik stattgefunden, es ist auch kein Streik geplant."

Begleitung durch einen Paten und zwei Platzordner

Um Schiedsrichter noch mehr zu schützen, beuge man bereits jetzt vor. Der WFV weist auf zwei Platzordner hin, die sich neuerdings vor jedem Spiel beim Schiedsrichter vorzustellen haben. Sie unterstützen ihn vom Spielfeldrand aus. Außerdem erhielten junge Unparteiische in der Anfangsphase einen Paten, der sie zu den ersten Spielen begleite. Härdtlein weiter: "Unsere Schiedsrichter arbeiten im Moment an einem Verhaltenskodex zum eigenen Auftreten auf dem Platz."

Trotz der beruhigenden Nachrichten gab es beim Pressegespräch des WFV vor zwei Wochen auch kritische Töne, wenn auch leise. Härdtlein räumt ein: "Gerade im Jugendbereich sehe ich, dass gezielt Verhalten von Profis nachgeahmt wird und somit auch als akzeptabel gilt." Professor Ansgar Thiel von der Universität Tübingen sagt, bei bestimmten Gruppierungen sei eine "Lockerung" zu beobachten. "Man ist schneller bereit, Maßnahmen zu treffen, wovor man sich früher eher gescheut hätte."

 

Jürgen Kümmerle

Jürgen Kümmerle

Reporter

Jürgen Kümmerle ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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